Wahlkampf Die FDP macht sich nackig

In Stuttgart feiert die FDP ihr Dreikönigstreffen - und der baden-württembergische Spitzenkandidat Rülke präsentiert sich im Netz mit einem eigentümlichen Strandfoto.

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Es ist ein Ritual. Hans-Ulrich Rülke wird auf dem Dreikönigstreffen in Stuttgart wieder über Grüne und SPD ätzen und spotten. Vielleicht geht es diesmal auf dem Traditionstreffen der Liberalen an diesem Mittwoch aber auch um eine Badehose. Denn der Fraktionschef und Spitzenkandidat in Baden-Württemberg zeigt auf seiner Instagram-Seite ein ungewöhnliches Bild von sich: Im knappen Schwimmdress und mit verwuschelten Haaren, posiert er am Strand.

Das Bild macht die Runde. Der Sender SWR, rechtfertigt Rülke die freizügige Selbstdarstellung, sammele für ein Fernsehporträt Jugendbilder von ihm. "Da war ich 19", postete er und fügte mit einem Smiley hinzu, die Badehose (in den neuen FDP-Farben Gelb und Magenta) "war der Ursprung der neuen FDP".

Die regionale FDP und der 54-Jährige brauchen Aufmerksamkeit - die einst so starken Südwest-Liberalen kommen in jüngsten Umfragen lediglich auf fünf Prozent, während die rechtslastige AfD während der Flüchtlingskrise zwischen sieben und acht Prozent erzielt.

Bundesweit liegen die Freien Demokraten seit Monaten zwar stabil bei fünf bis sechs Prozent, ein Comebackbei der Bundestagswahl 2017 scheint möglich. Doch ein wichtiger Meilenstein beim Wiederaufstieg soll eigentlich Baden-Württemberg sein.

Schafft es die FDP dort am 13. März, könnte sich der Mann mit der Badehose womöglich auf der Regierungsbank wiederfinden. Zwei Varianten sind derzeit wahrscheinlich - eine Koalition mit der CDU, mit der die FDP bis 2011 die Staatsregierung stellte, oder eine Ampel mit den regierenden Grünen und der SPD.

FDP-Politiker Rülke mit 19 Jahren: Ironisches auf Instagram. Foto: Screenshot/ Instagram/ Uli Rülke

FDP-Politiker Rülke mit 19 Jahren: Ironisches auf Instagram. Foto: Screenshot/ Instagram/ Uli Rülke

Rülke hat klargemacht, dass er nicht um jeden Preis mitregieren will. "Mein Lebensgefühl beinhaltet eine Regierungsverantwortung, lässt aber auch einen Platz in der Opposition zu", sagt er vor dem Dreikönigstreffen.

Vielleicht hilft Rülke im anlaufenden Wahlkampf der Blickfang mit der Badehose. Die FDP, die 2013 aus dem Bundestag flog, hat es seitdem schwer, in den Medien überhaupt vorzukommen. Umso mehr müssen sie mit besonderen Aktionen um Aufmerksamkeit buhlen, um nicht in Vergessenheit zu geraten.

Hilfe holt sich die Partei bei der als innovativ geltenden Werbeagentur "Heimat" aus Berlin-Kreuzberg. Die Agentur, die der Partei ein neues Werbeimage verpassen soll, arbeitet mit Selbstironie, knalligen Farben und setzt auf Überraschungseffekte.

So auch in Rheinland-Pfalz, wo - wie in Baden-Württemberg - am 13. März ebenfalls gewählt wird. Und wo die FDP nach jüngsten Umfragen genauso um den Wiedereinzug in den Landtag bangen muss.

Den rheinland-pfälzischen Landeschef und Spitzenkandidaten Volker Wissing präsentierten die Berliner Werber in Abwandlung des FDP-Parteitagsmottos vom Mai dieses Jahres ("German Mut", als Gegensatz zur "German Angst") jüngst auf grellen Plakaten unter dem Slogan: "Der Angstgegner".

FDP-Plakate in Rheinland-Pfalz: Kampf um den Wiedereinzug ins Parlament
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FDP-Plakate in Rheinland-Pfalz: Kampf um den Wiedereinzug ins Parlament

Der eigentlich eher zurückhaltende Liberale zeigt sich hier mit hartem Durchsetzungskinn und ernstem Blick. Die Motive sollen helfen, der FDP nach fünf Jahren der außerparlamentarischen Opposition die Rückkehr in den Landtag zu ermöglichen.

Auf Ironie setzt nun auch der baden-württembergische FDP-Spitzenkandidat Rülke auf seiner Instagram-Seite. Nach dem Joggen postete er kürzlich ein Bild mit klatschnassen Haaren - ein eher unvorteilhafter Anblick.

Und er schrieb dazu: "Hoffentlich seh ich am Wahlabend nicht so aus."



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insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
billibumbler 05.01.2016
1. schließlich...
geht's bei der FDP ja immer um sehr viel Geld, welches im Falle eines Sieges verteilt werden möchte... dafür macht man sich dann gerne mal nackt.
gunpot 05.01.2016
2. das ist doch gar nichts,
schauen Sie doch mal in Ihre Annalen. Der damals noch aufstrebende Jungdemokrat Kubicki veranstaltete im Fittness/Wellness Centrum Damp (Eckernförder Bucht) einen Parteitag, der die Teilnehmer alle halbnackt zeigte, die sich mit irgendwelchem Schlamm einschmierten, etc... Gähn, doch schon alles gehabt. Übrigens wurde die FDP in Strande (Wohnsitz Kubickis) bei der letzten Kommunalwahl mit 28% gewählt.
appendnix 05.01.2016
3. Natürlich schafft Rülke das!
Die FDP könnte einen Mehlsack aufstellen und würde trotzdem in den Landtag einziehen! Die Erklärung ist ein einfaches Subtraktionsproblem, aus der Sichtweise eines "CDU-Wählers": 1. CDU wähle ich aus Protest (EU, Griechenland, Flüchtlinge) nicht. 2. SPD siehe 1. 3. Realitätsverweiger (Linke, Grüne etc.) wähle ich grundsätzlich nicht. 4. AfD ist die NPD im Schafspelz, kommt also auch nicht in Frage. 5. Da ich in BW keine CSU wählen kann, wähle ich mit beiden Stimmen FDP. So einfach ist das! Am 13.3 ist der Rot-Grüne-Spuk in BW vorbei, es wird wieder konservativ, mit einem ordentlichen Schuss liberal, regiert!
carlitom 05.01.2016
4.
Das ist Unsinn. De facto hat die FDP in Baden-Württemberg keine Aussichten auf die Rückkehr an die Macht. Selbst, wenn sie reinkommen, reicht es nie und nimmer für eine Koalition mit der CDU. Das hat ja nicht mal beim letzten Mal (mit 7 % und 39 % CDU) gereicht. Und für die Grünen sind die FDP inakzeptabel. Wenn überhaupt die total unwahrscheinliche Ampel käme, dann sicher nicht mit Kretschmann. Eine Stimme für die FDP in BW wird eine verlorene Stimme sein.
micromiller 05.01.2016
5. Schade das denen nicht mehr
einfällt. Die FDP war einmal eine liberale Partei, die vorbildliches geleistet hatte.
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