Sturz Philipp Röslers Führende FDP-Politiker planen den Königsmord

Sie treibt die Existenzangst: Führende FDP-Politiker arbeiten nach Informationen des SPIEGEL auf einen Sturz von Philipp Rösler hin. Der Parteivorsitzende habe nicht das Format, die Liberalen in die Bundestagswahl zu führen, heißt es aus der Parteispitze.

FDP-Politiker Kubicki, Lindner, Rösler: Zweifel an der Führungskompetenz des Parteichefs
dapd

FDP-Politiker Kubicki, Lindner, Rösler: Zweifel an der Führungskompetenz des Parteichefs


Die Umfragewerte der Liberalen sind schlecht, und führende FDP-Politiker haben den Schuldigen ausgemacht: Parteichef Philipp Rösler. Er habe nicht das Format, die Liberalen in die bevorstehende Bundestagswahl zu führen, sagte ein Mitglied der Parteispitze dem SPIEGEL. Daher müsse er noch in diesem Jahr als Vorsitzender abgelöst werden, selbst wenn die FDP bei der Wahl in Nordrhein-Westfalen erfolgreich abschneiden sollte. Am 13. Mai, dem Tag der Entscheidung in Düsseldorf, jährt sich Röslers Wahl an die Bundesspitze.

Beim jüngsten ARD-Deutschlandtrend waren nur noch 16 Prozent der Befragten mit Röslers Arbeit zufrieden, es war der niedrigste für ihn je gemessene Wert. Zu denen, die Rösler stürzen wollen, zählen laut SPIEGEL Minister, Landesvorsitzende und Präsidiumsmitglieder.

Nach ihrem Willen soll Fraktionschef Rainer Brüderle den Parteivorsitz übernehmen. Er hat als Fraktionschef Ansehen auch im Lager seiner Kritiker gewonnen. Bislang weist er jede Ambition auf den Parteivorsitz zurück.

"Bei der nächsten Bundestagswahl geht es um die Existenz der FDP"

Die Führer des Aufstands gegen Rösler kommen aus der sogenannten Südschiene der FDP, zu der unter anderem Bayern, Baden-Württemberg und Hessen zählen.

Weil in diesem Jahr kein Parteitag mehr ansteht, haben die Rösler-Kritiker Szenarien für seinen Sturz entwickelt: Die Bundestagsfraktion, der Rösler nicht angehört, könnte auf einer Klausurtagung im Herbst den Druck auf den Parteichef so erhöhen, dass der aus dem Amt scheiden müsse. "Es ist keine einfache Operation, aber eine notwendige", sagt ein Mitglied der Fraktionsführung. "Bei der nächsten Bundestagswahl geht es um die Existenz der FDP."

In der letzten ARD-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap gewann die FDP einen Prozentpunkt. Mit vier Prozent würden die Liberalen es allerdings nicht in den Bundestag schaffen.

An diesem Sonntag könnte mit Wolfgang Kubicki einer der schärfsten Kritiker Röslers an Einfluss gewinnen. Es gilt vor der Wahl in Schleswig-Holstein als wahrscheinlich, dass die Liberalen mit Spitzenkandidat Kubicki wieder in den Kieler Landtag ziehen.

Diese Meldung kommt aus dem neuen SPIEGEL. Hier können Sie das neue Heft direkt kaufen oder ein Abo abschließen.

han

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.