Wegen Rösler-Versprecher: Verrückter Pony-Zoff zwischen FDP und Grünen

Von Tatjana Heid

Jetzt geht's ums Pony: FDP und Grüne liegen sich in den Haaren - wegen eines Versprechers. Die Grünen betonen ihre Liebe zu den Minipferden, nachdem ihnen Liberalenchef Rösler einen missglückten Vorwurf gemacht hat. Die Twitter-Gemeinde amüsiert sich bestens.

Screenshot von Grünen-Website: "Ein Herz für Ponys"Zur Großansicht

Screenshot von Grünen-Website: "Ein Herz für Ponys"

Berlin - Das Leben ist kein Ponyhof: Vor allem nicht in Wahlkampfzeiten, wenn man - wie die FDP - vor der Fünfprozenthürde zittert oder sich - wie die Grünen - schwindenden Mehrheiten gegenüber sieht. Da werden die Angriffe auf den politischen Gegner schärfer und die gegenseitigen Beschuldigungen ungewöhnlicher.

Und so wurde der FDP-Parteitag am vergangenen Wochenende Zeuge, wie Parteichef Philipp Rösler zum Großangriff gegen die Grünen blies. Alles, was nicht in die grüne Ideologie passt, solle verboten werden, kritisierte er: Plastiktüten, Heizpilze, Zigarettenwerbung, Süßigkeitenwerbung, Ponywerbung.

Ponywerbung?

Bei den Anwesenden brach Verwirrung aus, die sich jedoch rasch aufklärte: Rösler hatte offensichtlich das Verbot von Ponyreiten auf Jahrmärkten im Kopf gehabt - eine Initiative, die die Bremer Grünen in den Bundesrat bringen wollen. Statt "Verbot von Ponyreiten", wie im Manuskript stand, sagte er "Verbot von Ponywerbung". "Rösler hat sich leicht vergaloppiert", sagt ein FDP-Sprecher. Kleine Ursache, große Wirkung.

Denn darauf wollen es die Grünen nicht beruhen lassen und stellen jetzt klar: "Wir wollen weder Ponys verbieten noch die Werbung für sie. Wir fordern ja nicht mal ein Verbot der FDP!" Seit Freitag ist auf der Internetseite der Partei ein zuckersüßes Pony zu sehen, pink-lila mit langen Wimpern lächelt es verschmitzt von der Website herunter, im Hintergrund Herzchen und Schleifchen. "Pony-Werbung", steht groß darüber.

Zudem konstatieren die Grünen einen "Pony-Komplex" bei der FDP: Schon vor Jahren habe sich Guido Westerwelle am grünen Spitzenpersonal abgearbeitet und es als "Pony-Gespann" bezeichnet, heißt es da. "Sein Nachfolger Philipp 'Fipsi' Rösler legt noch eine Schippe drauf."

Warum die Reaktion erst jetzt kommt, knapp eine Woche nach dem fulminanten Rösler-Auftritt? Das Internet ist schuld. Denn Ponywerbung ist zum Topthema auf YouTube und Twitter avanciert. "What's next, Erdbeerkuchen-Verbot?", will User Elquee wissen. " Ich glaub ich brauche jetzt aus Protest auch einen Pony-Avatar...", meint User Peki. Mehr Ponywerbung hat auch Pro7-Moderator Stefan Raab gefordert und in seiner Sendung "TV total" sogleich ein paar Werbeclips gezeigt. Titel: "Pony… find ich gut", "It's a Pony" oder "Pony. Freude am Reiten".

Und auch die Grünen mischen im Internet fröhlich mit: Sie werde heute Ponywerbung machen, verkündet Bundesparteimanagerin Steffi Lemke auf Twitter. NRW und Schleswig-Holstein zur Abstimmung über Ponywerbung machen, fordert Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck und kündigt an: "Die Grünen setzen im Wahlkampf nun verstärkt auf Ponywerbung."

Doch schon droht am Horizont ein neues Politikum: Denn parteipolitisch gehört das Pony eigentlich der Piratenpartei, die bei besonders hitzigen Diskussionen die Wogen gerne mit einer Folge der Zeichentrickserie "My little Pony" glättet.

Übrigens: Ob die die Idee der Bremer Grünen, das Ponyreiten zu verbieten, sinnvoll oder idiotisch ist, interessiert in der ganzen Aufregung bislang nur am Rande. Aber das ist eine andere Geschichte.

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  • Freitag, 27.04.2012 – 16:37 Uhr
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