FDP nach der Sachsen-Wahl Von Pleite zu Pleite

Auch in Sachsen fliegt die FDP aus Regierung und Landtag - dabei hatte sich die Führung dort so weit wie möglich von der Bundespartei abgesetzt. Für den Parteichef Lindner geht der Kampf ums Überleben weiter. Wie lange hält er durch?

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Sächsischer FDP-Spitzenkandidat Zastrow am Wahlabend: "Mehr geht nicht"
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Sächsischer FDP-Spitzenkandidat Zastrow am Wahlabend: "Mehr geht nicht"


Berlin - Nichts hat der sächsischen FDP geholfen - nicht einmal, dass sie versuchte, sich so weit wie irgend möglich von der Bundespartei zu distanzieren. Am Ende reichte es für nicht einmal vier Prozent. "Begreift Ihr das?", hat Landeschef Holger Zastrow, 45, den Anhängern am Wahlabend in Dresden zugerufen. "Ich nicht." Die Wirtschaft brumme, man habe nahezu alle Wahlversprechen umgesetzt, man könne nicht fleißiger, leidenschaftlicher, origineller, sichtbarer sein. Die FDP in der sächsischen Koalition habe auch besser regiert als damals Schwarz-Gelb in Berlin, vor allem nicht gestritten. "Mehr geht nicht." Glaubt Zastrow.

Der sächsische Landeschef und Spitzenkandidat ist nun dort, wo die Bundespartei bereits im Herbst vergangenen Jahres nach der Bundestagwahl landete - am Boden. Mit Sachsen endet die letzte schwarz-gelbe Koalition in der Republik.

Paradoxerweise mag in Berlin der eine oder andere in der FDP heimlich aufatmen. Denn die FDP ist selbst in der Krise eine Partei, in der mitunter mehr gegeneinander als miteinander gearbeitet wird. Einen Erfolg in Sachsen, das hatte Zastrow einst deutlich gemacht, hätte er genutzt, um sich verstärkt in der Bundespolitik einzumischen.

Hätte Zastrow gewonnen - es wäre in der FDP nicht einfacher geworden. Denn Zastrow und der Bundesvorsitzende Christian Lindner können nicht wirklich miteinander. "Säbel und Florett" hat Zastrow einmal den charakterlichen Unterschied zwischen sich und dem Bundesvorsitzenden umschrieben und sich nach der verlorenen Bundestagswahl vom Posten des Bundesvize zurückgezogen und auf Sachsen konzentriert.

Künftiger Rüstungslobbyist Niebel auf Wahlparty

Nach der Wahl im Freistaat kann sich Lindner großzügig geben: Mag sein Reich dahinschmelzen, der König bleibt König. Am Wahlabend steht Lindner mit der engeren Führungsspitze in der Bundeszentrale in Berlin, spricht von einem "tollen Engagement" der sächsischen FDP in einer "schwierigen Stunde", erinnert aber auch daran, dass die "Freunde in Sachsen" einen "eigenen Weg, einen eigenen Stil, eine eigene Strategie" gewählt hätten. Nun lädt Lindner den Wahlverlierer Zastrow und "alle anderen" ein, sich "jetzt in der Bundes-FDP einzubringen." Dafür gibt es bemüht kräftigen Applaus von den wenigen, die den Weg in die Bundeszentrale gefunden haben.

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Landtagswahl: Jubel und Frust in Dresden
Der FDP steht ein dunkler Herbst bevor. Am 14. September wird in Brandenburg und Thüringen gewählt, für die Freien Demokraten wird es den Umfragen zufolge wahrscheinlich erneut ein Desaster, hingegen dürften die Euro-Kritiker von der AfD in beide Landtage einziehen.

Lindner wird das nicht umhauen, es gibt auch auf längere Sicht niemanden in der Partei, der ihn ersetzen kann. In der FDP wissen selbst seine Gegner: Wenn es Lindner nicht schafft, dann keiner. Der FDP-Chef hat Niederlagen ohnehin einkalkuliert auf dem ersehnten Weg zurück nach oben. Hoffnung macht sich die FDP-Bundesspitze auf einen Achtungserfolg in Hamburg zu Beginn des kommenden Jahres - vor allem aber sollen die Landtagswahlen in einigen westdeutschen Ländern ab 2016 Schwung bringen und die FDP im Herbst 2017 zurück in den Bundestag tragen.

So ist zumindest der Plan. Ob er aufgeht? In der traurigen Gegenwart trägt die FDP weiter schwer an der Last der Vergangenheit. Was verloren gegangen sei in der Regierungszeit im Bund zwischen 2009 und 2013, so Lindner am Wahlabend, sei so schnell nicht wiederzugewinnen.

Als passe es dazu, erscheint zur übersichtlichen Wahlparty in Berlin einer aus der alten Ministerriege, der selbst in den eigenen Reihen zu den umstrittensten Liberalen zählt und jene FDP symbolisiert, die im vergangenen Herbst im Bund abgestraft wurde: Ex-Entwicklungsminister Dirk Niebel. Der Liberale wird bald wieder eine Arbeit haben - ab kommenden Jahr ist er als Lobbyist für den Rüstungskonzern Rheinmetall unterwegs.



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solarfix 01.09.2014
1. Richtig so, die FDP muss aus der deutschen Parteienlandschaft verschwinden
Für den Schaden, welchen die FDP in Berlin und unserem Land angerichtet hat, bekommt sie nun hoffentlich dauerhaft die Quittung. Auflösung wäre die Krönung! Rösler und Brüderle, ihr unsäglichen Versager und Speichellecker der Industrie, danke dafür, das war eure beste Leistung, weil endlich mal Nachhaltig :-)
Schlaflöwe 01.09.2014
2. FDP, PdO?
Duw FDP stand schon immer neben dem Einsatz für Liberalität auch für massiven Einsatz für die Interessen - insbesondere steuerlichen- Interessen der Oberschicht. In der letzten Legislaturperiode wurde für den letzten Wähler sichtbar, dass da programmatisch absolut nichts mehr ist. Nur noch Einsatz für die Oberschicht. Auch wenn die Oberschicht Unterstützung gibt durch Parteispenden und -teils massiven - Einsatz der Medien, die ihr nahe stehen, bzw. ihren Mitgliedern gehören, es reicht nicht mehr. Partei der Oberschicht.
alterkaufmann 01.09.2014
3.
Diese Entwicklung habe ich der FDP per e-mail schon vor 4 Jahren vorausgesagt. (Schriftverkehr liegt mir noch vor) Die lapidare Antwort war, dass es sich nur um eine augenblickliche Stimmung in der Gesellschaft handele. Wenn schon ein kleines Licht, wie ich, es merkt wie die Stimmung im Volk ist, frage ich mich, auf welcher Wolke diese Herschaften gesessen haben. Jetzt sind sie aus diesen Wolken gefallen und zwar sehr tief. Da kommt die Partei nicht mehr raus.
derzabel 01.09.2014
4. wer?
Ich wünsche mir, dass die Berichterstattung über diese Splitterpartei deutlich gemindert wird. Bringt doch mal was über die Tierschutzpartei...
heldenmut 01.09.2014
5. Als jahrzehntelanger FDP-Wähler
ist man seit der letzten Bundestagswahl zur AfD angewandert. Die Abnickerei der Merkelpolitik besonders in der Emergie-und Eurokrisenpolitik waren der Auslöser für den Schwenk zur "Partei der ökonomischen Vernunft" AfD. Ein Zurück zur FDP wird es nicht geben.
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