FDP-Kandidatin Suding Westerwelles next Topmodel

Sie ist das neue Gesicht der Hamburger FDP: Katja Suding. Die Spitzenkandidatin soll die Liberalen in die Bürgerschaft zurückführen und könnte dem angeschlagenen FDP-Bundesvorsitzenden Guido Westerwelle Auftrieb für die weiteren Landtagswahlen geben. 

dpa

Von und


Hamburg/Berlin - Die unbekannte Schöne lächelt brisenfrisch vom Wahlplakat. "Positiv denken, positiv handeln", steht neben dem Foto einer aparten Dame in knallgelbem Regenmantel, und ihr Name wird auch verraten: Ein enthusiastisches "KatJA" haben Partei-Strategen aus ihrem Namen gebastelt - mit Ausrufezeichen.

Katja Suding, 35-jährige PR-Managerin, Spitzenkandidatin der Hamburger FDP, ist die neueste Waffe der angeschlagenen Liberalen. Sie soll nicht nur die Partei wieder in die Bürgerschaft von Hamburg zurückführen, Suding könnte auch dem angeschlagenen FDP-Bundesvorsitzenden Guido Westerwelle in der ersten Wahl des neuen Jahres neuen Auftrieb geben.

Die Rechnung ist schlicht: Gewinnt sie, gewinnt auch er. Auf dem Dreikönigsball der FDP in Stuttgart schritten beide schon einmal Seite an Seite in den Saal. Es gab kaum ein anderes Fotomotiv, das so oft an diesem Abend geschossen wurde. Mancher Journalist erkundigte sich zunächst, wer die Frau an der Seite des Vizekanzlers denn eigentlich sei. Am Ende wusste es jeder.

Zumindest dieser Werbecoup der Liberalen war gelungen.

Jetzt hat Suding noch gut fünf Wochen Zeit, um auch in der Hansestadt bekannt zu werden. Dabei sieht es nicht gut aus für ihre Partei. Seit 2004 sind die Elbliberalen außerparlamentarisch, eine neue Infratest-Umfrage sieht sie bei nur vier Prozent. Es wird ein schwerer Job bis zum Urnengang am 20. Februar.

Die FDP an der Elbe hat eine Reihe von Namen verbraucht, die heute kaum noch jemand zu buchstabieren weiß: Wieland Schinnenburg trat 2007 überraschend als Spitzenkandidat zurück, ihm folgte Hinnerk Fock. Der brachte zwar im Jahr darauf die Liberalen immerhin auf 4,8 Prozent und verpasste nur knapp den Einzug ins Landesparlament, gab bald darauf aber als Landeschef auf.

So ist denn die Bundespartei, wenn von Hamburg die Rede ist, auch vorsichtig. In der liberalen Agenda dieses Jahres rangiert die Bürgerschaftswahl unter "ferner liefen". Nach dem Motto: Wenn es in der Hansestadt klappt, umso besser, wenn nicht, bleibt die FDP dort, wo sie an der Elbe seit Jahren ist - draußen. Wichtiger sind im März die Wahlen in Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und nicht zuletzt in Baden-Württemberg, wo es eine schwarz-gelbe Koalition zu verteidigen gilt. Scheitert die FDP in Stuttgart, gerät möglicherweise Westerwelle ins Wanken.

Spitzenpolitiker hofft auf Überraschung

Klappt es hingegen in Hamburg, wäre es ein liberaler Muntermacher für die erste Jahreshälfte. Suding, so hofft ein FDP-Spitzenpolitiker in Berlin, "könnte für eine Überraschung gut sein". Das Kalkül der Strategen: Die Kandidatin sorgt automatisch für eine - kostenlose - Verbreitung schöner Bilder durch die Medien. Und gibt den Liberalen ein prägnantes und sympathisches Gesicht. Schon einmal hatte die Bundes-FDP mit einer ähnlichen Methode Erfolg: Als Westerwelle vor sieben Jahren die bis dahin weithin unbekannte Silvana Koch-Mehrin zur Europawahl ins Rennen schickte. Auf Anhieb gelang es ihr, die Liberalen nach zehn Jahren Abwesenheit wieder ins Parlament von Straßburg zu führen. Seitdem wird vom "Silvana-Effekt" gesprochen. Die Werbeagentur von Mannstein, die einst Koch-Mehrins Plakate entworfen hat, steht diesmal Suding zur Seite.

Die Hamburgerin Katja Suding könnte den Erfolg nach ähnlichem Strickmuster wiederholen - allerdings im kleineren Hamburger Format. "FDP's Next Topmodel", lästert die Wochenzeitung "Die Zeit" über die PR-Methode. Beim Neujahrsempfang des "Hamburger Abendblatts" steht sie zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage an Westerwelles Seite: schwarzer Hosenanzug, elegant frisierter Bob, professionelles Lächeln. Ihr steigender Bekanntheitsgrad sei "natürlich sehr erfreulich", sagt sie.

Der Mutter zweier Kinder im Grundschulalter, bislang haushalts- und finanzpolitische Sprecherin der Hamburger FDP, bleibt nicht viel Zeit, sich bekannt zu machen. Bei der Frage nach den "beliebtesten Spitzenkandidaten" landet sie - noch - auf dem letzten Platz, hinter der Linken-Frau Dora Heyenn.

Das soll und könnte jetzt anders werden.

"Ich habe viel positive Resonanz bekommen, das fühlt sich gut an", sagt sie. Inhaltlich agiert Suding geschickt - und setzt sich schon einmal von der CDU ab. Unionsmann Christoph Ahlhaus, bis vor kurzem noch Ministerpräsident einer schwarz-grünen Koalition, habe keine Antworten auf den Schuldenstrudel der Stadt. Aber auch Sozialdemokrat Olaf Scholz sei Erklärungen schuldig, wie er seine "angekündigten Wohltaten" finanzieren wolle.

Liberale Lockerungsübung

Die Distanz zu beiden Volksparteien ist Kalkül: Westerwelle hat ihr freie Hand gelassen für eine Koalition bei der Landtagswahl - so sie denn eine hat.. Von einer "besonderen Lage" in Hamburg ist bei der Bundes-FDP die Rede - womit unterstrichen werden soll, dass aus einer möglichen sozial-liberalen Koalition nicht gleich eine Grundaussage für die Gesamt-FDP getroffen wird. Und dennoch: Die neue strategische Offenheit der Hamburger Parteifreunde ist für manche Liberale eine Lockerungsübung - heraus aus der engen Bindung an Schwarz-Gelb. Schließlich nimmt die Bundes-CDU wenig Rücksicht auf ihren Koalitionspartner. Dass CDU-Chefin Angela Merkel einst in Hamburg Schwarz-Grün zuließ, hat die FDP bis heute verstört.

Ob Suding ihre Partei über fünf Prozent hieven und damit auch FDP-Chef Westerwelle bundespolitischen Rückenwind geben kann, hängt nicht zuletzt von ihren eigenen Parteifreunden ab. An der Elbe hat sich der Landesverband in den vergangenen Jahren den Ruf eines zerstrittenen Alt-Herren-Clubs erarbeitet. Suding will nun die Liberalen weiblicher machen, "attraktiver für junge Familien und Frauen", für "frischen Wind" in der Hamburger Haushaltspolitik werben.

Und falls es mit der Politikerkarriere nicht klappen sollte? Dann gibt es für Suding offenbar einen Plan B. Dem Mediendienst "Kress" zufolge nahm sie zum Jahresbeginn eine leitende Position in der Hamburger PR-Firma Edelman Deutschland an.

Doch der Job, betont Suding, ruhe im Moment. Denn: "Für den Wahlkampf möchte ich alles geben."

insgesamt 126 Beiträge
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Seite 1
taubenvergifter 19.01.2011
1. Hmm
Zitat von sysopSie ist das neue Gesicht der Hamburger FDP: Katja Suding. Die Spitzenkandidatin soll die Liberalen in die Bürgerschaft zurückführen und könnte dem angeschlagenen FDP-Bundesvorsitzenden Guido Westerwelle*Auftrieb für die weiteren Landtagswahlen geben.* http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,739500,00.html
Naja, ging ja schon mit der überforderten Koch-Mehrin völlig in die Hose. Manchmal gewinnt man den Eindruck, Guido Westerwelle umgibt sich absichtlich mit völlig ungeeignetem Personal, damit er umso schillernder herausragt.
frubi 19.01.2011
2. .
Zitat von sysopSie ist das neue Gesicht der Hamburger FDP: Katja Suding. Die Spitzenkandidatin soll die Liberalen in die Bürgerschaft zurückführen und könnte dem angeschlagenen FDP-Bundesvorsitzenden Guido Westerwelle*Auftrieb für die weiteren Landtagswahlen geben.* http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,739500,00.html
Wieder ein Beispiel das zeigt, dass es in der Politik nur noch um schöne Frisuren und Zahnpastalächeln geht. Die Dame ist auch noch PR-Managerin. Und einen Plan B, falls die idiotischen Wähler nicht anbeissen, hat die gute Frau auch schon. Wen wollen die Gelben eigentlich veralbern? Das Volk lechzt nach authentischen Politikern und bekommt so etwas vorgesetzt.
VorwaertsImmer, 19.01.2011
3. Linker Sexismus.,...
Hier wird eine Frau auf Äußerlichkeiten reduziert. Ein Sexistischer Artikel, der Beweis ist für die Doppelmoral linker Schreiber. Normalerweise identifiziert die linke Gedankenpolizei frauenfeindliche Artikel in konservativen Blättern. Doch wenn es darum geht, den politischen Gegner fertig zu machen, dann ist jedes Mittel Recht!
VorwaertsImmer, 19.01.2011
4. Quoten-Frau-Rethorik!
Zitat von sysopSie ist das neue Gesicht der Hamburger FDP: Katja Suding. Die Spitzenkandidatin soll die Liberalen in die Bürgerschaft zurückführen und könnte dem angeschlagenen FDP-Bundesvorsitzenden Guido Westerwelle*Auftrieb für die weiteren Landtagswahlen geben.* http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,739500,00.html
Das sich SPON einmal in Quoten-Frau-Rhetorik übt hätte ich nicht erwartet!
Wattläufer 19.01.2011
5. FDP Hamburg
Die Firma Edelmann wo Frau Sudig künftig arbeiten wird wirbt für harte Spirituosen. Ansonsten hat sie wenig Unterstützung von den sog. "Elbliberalen" : Als Spitzenkandidatin bekam sie weniger als 70% der Stimmen von ihren eigenen Leuten. Die Partei in Hamburg ist total zerstritten und wo die Hamburger CDU nach rechts und vor allen Dingen die SPD nach rechts rücken ( Elbvertiefung, Kriminalitätsbekämpfung, Handelskammerchef als Senatorenkandidat ) da ist für die FDP in der Mitte kein Platz mehr.
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