Kommentar zur Krise der Liberalen Die FDP braucht einen neuen Namen

Sterben die Liberalen aus? Die FDP steckt in der tiefsten Krise ihrer Geschichte, jetzt wird sogar über eine Umbenennung der Partei gestritten. Das ist endlich einmal eine gute Idee.

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FDP-Landesparteitag (in Sachsen): Sterben die Liberalen aus?
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FDP-Landesparteitag (in Sachsen): Sterben die Liberalen aus?


Es ist Zeit, Frau Marie-Agnes Strack-Zimmermann in Schutz zu nehmen. Seit sie als stellvertretende Parteivorsitzende eine Umbenennung der FDP vorgeschlagen hat, ergießen sich Kübel von Häme und Spott über sie. Von "Unfug" spricht FDP-Altkader Wolfgang Kubicki. "Aus Raider wird jetzt Twix, sonst ändert sich nix", höhnt es bei Twitter.

Dabei muss man sagen: Die Umbenennung ist die beste FDP-Idee seit langem. Das Akronym FDP ist von der alten Führung der Partei irreparabel beschädigt worden. Es steht für eine Partei, die jede inhaltliche Glaubwürdigkeit, Ehre und Selbstachtung verloren hat. Es gehört auf den Trümmerhaufen der Geschichte.

Wenn heute jemand FDP sagt, denkt man nicht mehr an Theodor Heuss und Hans-Dietrich Genscher, sondern an Mövenpick und gebrochene Wahlversprechen. Viele Wähler sehnen sich nach einer starken liberalen Partei. Viele wünschen sich eine Politik, die mehr auf Eigenverantwortung als auf Umverteilung setzt. Gerade in Zeiten der Großen Koalition brauchen diese Wähler eine Heimat. Aber niemand sehnt sich nach der FDP.

An dieser Stimmung kann auch der neue Vorsitzende Christian Lindner wenig ändern, obwohl er sich wirklich wacker schlägt. Es wäre deshalb schlau, den Namen hinter sich zu lassen und den Neustart unter Lindner damit auch symbolisch zu besiegeln. Die Neos in Österreich machen vor, wie man praktisch aus dem Nichts eine liberale Bewegung gründet und zum Erfolg führt. Warum soll das nicht auch der FDP gelingen?

Christian Lindner hat nicht viel zu verlieren, schlechter als jetzt kann es der FDP nicht mehr ergehen. Das Fix-Datum der Partei ist das Jahr 2016. Da muss die FDP bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg das Comeback schaffen. Nur so bekommt sie ausreichend Schwung, um auch bei der Bundestagswahl 2017 zu bestehen. Gelingt der Neuaufbau bis dahin nicht, kann Lindner den Laden zusperren. Die AfD wartet nur auf diesen Tag.

Nein, mit den drei alten Buchstaben wird diese Partei nicht mehr glücklich. Seit Jahren predigen FDP-Granden den Deutschen in Sonntagsreden "Mut zu Reformen und Veränderung". Nun könnten die Kubickis dieser Welt ausnahmsweise einmal selbst echten Reformmut beweisen.

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Christian Thiel
Roland Nelles ist Ressortleiter Politik und Leiter des Berliner Büros sowie Mitglied der Chefredaktion von SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Roland_Nelles@spiegel.de

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Seite 1
franz8 01.07.2014
1.
So wie Politiker eine neue Brille brauchen, wenn sie absaufen? Neuer Name, altes Gesicht, der dumme Deutsche merkt es nicht :D
herding_cats 01.07.2014
2.
Zitat von sysopDPASterben die Liberalen aus? Die FDP steckt in der tiefsten Krise ihrer Geschichte, jetzt wird sogar über eine Umbenennung der Partei gestritten. Das ist endlich einmal eine gute Idee. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fdp-kommentar-lindner-und-liberale-streiten-ueber-neuen-namen-a-978395.html
Eine liberale Partei ist notwendig in Deutschland. Die FDP? Good riddance.
wurzelbär 01.07.2014
3. Hält man die Menschen für so
einfach und intelligenzbefreit? Wird über eine Umbenennung der Partei gestritten. Das ist endlich einmal eine gute Idee. Die selben Ideen mit den selben "berufsmäßigen Lügnern" dem Volk unter einen anderen Namen "verkaufen" zu wollen. Das Problem liegt nicht im geistigen dieser Partei. Es liegt an den "Nutznießern" die diese vertreten wollen. Berufliches Wirken eines Hr. Lindner, wäre nur ein Beispiel ! Sterben die Liberalen aus? JA !
buntesmeinung 01.07.2014
4. Dem kann ich nicht zustimmen.
Solange das Personal dasselbe bleibt (auch wenn ein paar durchaus wesentlich Verantwortliche für das Versagen der Partei inzwischen keine Rolle mehr spielen), wird auch eine FDP unter einem neuen Namen nicht glaubwürdiger. Es stimmt: Deutschland braucht dringend eine liberale Partei. Aber das muss eine neue Partei mit neuem Personal sein. Christian Lindner kann sich noch so winden (verstellen, denn auch er hat die FDP in der Zeit ihres Niedergangs wesentlich mitgeprägt), er wird diese Partei nicht zum Erfolg führen. Er ist smart. Er ist rhetorisch begabt. Aber er verkörpert genau den Typ Politiker, den die Menschen ablehnen. Politiker, denen ihre eigene Karriere allein am Herzen liegt. Politiker, die bereit sind, alle Ideale einzutauschen, wenn sie sich einen Vorteil davon versprechen. Politiker, die entweder die Realität im Lande nicht kennen oder die das Wohlergehen der Bürger oder des Landes nicht interessiert. Die FDP hat mit ihren smarten Boys ihre alten Ideale verraten. Ideale, die noch von Baum, Hirsch, Hamm-Brücher und auch von Leutheusser-Schnarrenberger vertreten wurden. Solche Politiker wie die genannten gibt es aber nicht mehr. Nicht in der FDP und auch nicht in anderen Parteien. Oder wenn es solche gibt, so haben sie keinen Einfluss. Die FDP hat ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Daran ändert auch ein neuer Name nichts. Nicht solange die alten Protagonisten weiter eine prägende Rolle spielen.
bumminrum 01.07.2014
5. die brauchen
keinen neuen Namen sondern eine Selbstauflösung. Wer jahrelang nichts Zustande bringt ist überflüssig. Das werden nach dem Ableben der aktuellen Rentnerbestände auch die etablierten Parteien noch stärker merken.
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