Berlin - FDP-Mann Wolfgang Kubicki ist nicht unbedingt für die sanften Töne bekannt, er schießt immer wieder munter gegen Freund und Feind. Nun hat er sich den eigenen FDP-Generalsekretär Patrick Döring vorgenommen - und dessen Aussagen über SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Er habe das Statement Dörings "ziemlich peinlich" gefunden, sagte der Fraktionschef der FDP im schleswig-holsteinischen Landtag am Donnerstag in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner".
Döring hatte Steinbrück in der Debatte um dessen Nebentätigkeiten unter anderem eine "knallharte Gewinnermentalität" attestiert. "Mit dem Gen des ehrbaren Kaufmanns ist dieser Hanseat nur dürftig gesegnet", so Döring über seinen SPD-Kollegen.
Das passte Kubicki so gar nicht: "Ich weiß nicht, was er geraucht hat, aber für die Vertreter einer liberalen Partei ist es geradezu unerhört, sich darüber zu äußern, dass jemand für seine Tätigkeiten, in die er ja auch seine Persönlichkeit einbringt, Geld bekommt. Das ist wirklich unglaublich."
Er fände es schön, wenn Döring sich bei Steinbrück öffentlich entschuldigen würde, sagte Kubicki. Es sei "albern" anzunehmen, wer einen bezahlten Vortrag halte, richte sich nach der Meinung des Zuhörenden.
Dörings Kritik an Steinbrück ist umso pikanter, da die Regierungskoalition aus CDU und FDP immer wieder Vorstöße für mehr Transparenz bei den Nebeneinkünften von Politikern blockiert. Stattdessen klammert sich Schwarz-Gelb an das bisherige Stufenmodell, das eine genaue Aufschlüsselung der Einnahmen nicht möglich macht.
Umfragewerte der SPD sinken trotz Steinbrück
Steinbrück war Anfang Oktober wegen seiner umfangreichen Nebeneinkünfte massiv in die Kritik geraten. Er gab auf seiner Bundestags-Homepage an, seit 2009 rund 80 bezahlte Vorträge und Reden gehalten zu haben, größtenteils mit einem Honorar von mehr als 7000 Euro. Genannt sind aber teilweise nicht die eigentlichen Auftraggeber, sondern die vermittelnden Redneragenturen.
Die Diskussion hatte Steinbrück einen Fehlstart in die Kanzlerkandidatur für die Sozialdemokraten beschert. Vom positiven Überraschungseffekt der Kandidatenkür ist wenig übrig, in den Umfragen schlägt sich der Steinbrück-Effekt kaum nieder. Im Gegenteil: In einer aktuellen Forsa-Umfrage fiel die SPD zuletzt unter die 30-Prozent-Marke.
jok/dapd
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