FDP-Vorsitz: Lindner will Rösler nicht beerben

Führende Liberale haben Christian Lindner schon als neuen FDP-Vorsitzenden gehandelt, doch der lehnt ab: Nach SPIEGEL-Informationen will Lindner lieber in Nordrhein-Westfalen bleiben - und nicht den umstrittenen Philipp Rösler beerben, falls der zurücktreten sollte.

Christian Lindner auf einem FDP-Parteitag in Frankfurt: "Ich werde meinen Beitrag leisten" Zur Großansicht
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Christian Lindner auf einem FDP-Parteitag in Frankfurt: "Ich werde meinen Beitrag leisten"

Berlin - Der nordrhein-westfälische FDP-Vorsitzende Christian Lindner will nach Informationen des SPIEGEL nicht Parteichef Philipp Rösler nachfolgen, falls dieser sein Amt nach der Landtagswahl in Niedersachsen niederlegen muss. In einem vertraulichen Gespräch mit Bundestagsfraktionschef Rainer Brüderle habe Lindner gesagt, es sei in der gegenwärtigen Situation nicht sinnvoll, die Bundespartei von Nordrhein-Westfalen aus zu führen.

Damit hat sich die Hoffnung führender Liberaler zerschlagen, ein Tandem aus Brüderle als Spitzenkandidat und Lindner als Parteichef könne die FDP in den Bundestagswahlkampf führen. Bereits vor einigen Monaten hatte Lindner ausgeschlossen, im kommenden Jahr nach Berlin zu wechseln. "Ich werde im Bundestagswahlkampf meinen Beitrag leisten - aber von NRW aus", hatte Lindner der "Westfalenpost" im August gesagt.

Brüderle hatte stets verkündet, er wolle nicht Vorsitzender werden. Es wird aber damit gerechnet, dass er das Amt doch übernehmen wird, falls ihn die Parteispitze darum bittet. Röslers Schicksal dürfte sich spätestens bei der niedersächsischen Landtagswahl am 20. Januar entscheiden.

Mindestens sieben Prozent holen

In Umfragen liegt die FDP in Bund und Land bei unter fünf Prozent. In vertraulichen Gesprächen gaben FDP-Landesvorsitzende und -Präsidiumsmitglieder in den vergangenen Tagen die Devise aus, die Partei müsse bei der Niedersachsen-Wahl mindestens sieben Prozent holen, sonst sei eine Diskussion um Rösler nicht zu stoppen.

Entwicklungsminister Dirk Niebel hatte Röslers Führungsqualität bereits mehrfach infrage gestellt. Im "Tagesspiegel am Sonntag" sprach er sich nun für eine Kampfabstimmung auf dem Parteitag im Mai aus. Es wäre ein Zeichen innerparteilicher Demokratie, wenn sich mehrere Kandidaten um den Vorsitz bewerben würden. Die Liberalen müssten mit dem "stärkstmöglichen Führungsteam" in die Bundestagswahl 2013 gehen, sagte Lindner. Spekulationen, er wolle selbst den Parteivorsitz übernehmen, wies er zurück. "Nein, ich will es nicht", sagte er im Deutschlandfunk.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Patrick Meinhardt forderte ein Ende der Personaldebatten. "Unser Tor steht auf der gegnerischen Seite und nicht im eigenen Feld", erklärte er. Jeder, der sich an weiteren Diskussionen beteilige, schade der Partei, sagte er. Die Basis habe keinerlei Verständnis mehr für die immer neuen täglichen Personalquerelen.

Die FDP kommt aus den Negativschlagzeilen nicht heraus: Nach Recherchen des SPIEGEL versorgen Rösler und Justizministerin und Parteikollegin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger angesichts einer möglichen Niederlage bei der Bundestagswahl politische Freunde noch rechtzeitig mit hochdotierten Posten. Die Partei steht zudem wahrscheinlich kurz davor, in ihrer Mitgliederzahl von den Grünen überrunden zu werden.

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son/dapd

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insgesamt 19 Beiträge
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1. wer glaubt das denn?
petrasha 30.12.2012
herr lindner hat schon vieles gesagt und nicht eingehalten. ich bin fest davon überzeugt, er lässt sich nicht 2mal bitten. aber noch ist herr rösler ja der boss.
2. Sieben Prozent holen!
Airkraft 30.12.2012
Ja, aber nur wenn man die Ergebnisse der FDP i.A., der Piraten i.A. und auch noch die Sonstige-Partei zusammenrechnet. Für die FDP i.A. lautet das Motto mittlerweile wohl eher "Projekt 1,8"
3. Die FDP ist nicht mehr notwendig für Deutschland.
AEGtocas 30.12.2012
Die FDP und ihr Politik sind nicht mehr für unsere Bundesrepublik geeignet. In Zeiten der Wirtschaftskrise ist der falsche Ansatz, wenn man Steuern für Besserverdienende senkt (siehe Mehrwertsteuer für Hotels, siehe Wahlprogramm 09, wo ein Spitzensteuersatz von nur 35% angestrebt wurde) und eine Politik der sozialen Kälte verfolgt. Rot-Grün war sicher nicht perfekt, doch sie haben vieles besser gemacht und werden vor allem grundlegende, aber dringend notwendige Änderungen vornehmen, sofern sie denn die Wahl gewinnen. Hoffentlich bleibt die FDP bei den Wahlen in Niedersachsen, Bayern und im Bund draußen.
4.
Danae1975 30.12.2012
Zitat von petrashaherr lindner hat schon vieles gesagt und nicht eingehalten. ich bin fest davon überzeugt, er lässt sich nicht 2mal bitten. aber noch ist herr rösler ja der boss.
Herr Rösler ist nicht der Boss und das war er auch nie. Er war nur dumm genug um sich von Anderen wie Brüderle nach vore schieben zu lassen. Er ist das sogennante Bauernopfer. Keiner der nur halbwegs bei Verstand ist will in dieser Situation den Parteivorsitz haben.
5. Scherbenhaufen
Takapuna 30.12.2012
Wen sollte dies auch wundern?! Derjenige, der Rösler beerbt, wird sich mit einem gewaltigen Scherbenhaufen beschäftigen dürfen, den dieser Mann und sein Vorgänger Westerwelle angehäuft haben. Dabei kann man auch schnell unter die politischen Räder geraten. Warum also, sollte man sich in der kommenden Periode der politischen Abwesenheit im Bundestag mit einem unnötigen und unbedeutenden Führungsamt befassen. Lindner wird sich natürlich nicht in diese Senke begeben, wenn er sich morgen zurück melden will.
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