FDP im Bundestagswahlkampf Nordrhein-Westfalen soll Schwarz-Gelb retten

In Guido Westerwelles Heimat Nordrhein-Westfalen könnte sich das Schicksal der schwarz-gelben Koalition entscheiden. In kaum einem anderen Bundesland setzt die FDP derart massiv alles auf eine Karte. Ein Grund: Andere traditionelle Hochburgen der Liberalen schwächeln.

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FDP

Berlin - Ab Montag werden die Bürgerinnen und Bürger in Nordrhein-Westfalen auf ein Großplakat mit drei bekannten Gesichtern blicken. Es zeigt Hans-Dietrich Genscher, Guido Westerwelle und Christian Lindner. Das Besondere daran: Es ist ein eigenes Großplakat des FDP-Landesverbandes.

Der Ehrenvorsitzende, der Außenminister und der Landes- und Fraktionschef der FDP in Nordrhein-Westfalen - die Liberalen wollen es wissen im bevölkerungsreichsten Land zwischen Rhein und Ruhr. Westerwelle höchstpersönlich hat als Spitzenkandidat in Nordrhein-Westfalen dafür gesorgt, dass das Bundesland zu einem Schlüsselprojekt im anlaufenden Wahlkampf wird. "Es war der ausdrückliche Wunsch von Guido Westerwelle, so viele Marktplätze wie möglich zu bespielen", heißt es aus der Landespartei.

Der frühere FDP-Chef weiß: Wenn es zu einer Fortsetzung der schwarz-gelben Koalition im Bund kommen soll, dann muss besonders Nordrhein-Westfalen liefern. Hier könnte sich am 22. September das Schicksal des schwarz-gelben Bündnisses entscheiden. In Umfragen wird ein knappes Ergebnis erwartet.

Die neueste Umfrage taxiert die FDP in Nordrhein-Westfalen auf fünf Prozent. Das ist deutlich weniger als bei der Landtagswahl 2012, als ihr damals frisch ins Amt gekommener Spitzenkandidat Lindner 8,6 Prozent holte und seiner darniederliegenden Partei wieder Mut machte. Die Partei muss also noch einiges zulegen. Ab kommenden Montag plakatiert nicht nur die Bundespartei die ersten Großflächen, sondern auch der Landesverband in Nordrhein-Westfalen.

Lindner in Umfrage hinter SPD-Frau Kraft

Dabei ist die Ausgangslage für die Liberalen vor Ort nicht schlecht: Die rot-grüne Koalition unter Hannelore Kraft (SPD) hat mit einer Nullrunde für höhere Beamte für Ärger bei den Landesbediensteten gesorgt. CDU und FDP kündigten prompt eine Normenkontrollklage vor dem Verfassungsgerichtshof an. Vom Ärger unter der Beamtenschaft, einem eher bürgerlichen Publikum, könnten die Liberalen möglicherweise profitieren. Hinzu kommt: Lindner als Landes- und Fraktionschef der FDP ist bekannt. Seine Popularitätswerte geben der Partei Hoffnung. Lindner liegt seit Monaten auf Platz zwei hinter der SPD-Ministerpräsidentin Kraft und vor den Politikern von Grünen und CDU.

Dass Nordrhein-Westfalen zu einem Hauptkampffeld der Liberalen in den kommenden Wochen wird, hat auch organisatorische Gründe. In der rund 59.000 Mitglieder zählenden Bundespartei ist der Landesverband mit rund 15.000 der stärkste und mächtigste. Die Liberalen in NRW klotzen: Neben den 20 Großkundgebungen der FDP im Bund wird der Landesverband noch einmal 20 weitere eigene Großkundgebungen auf die Beine stellen. Lindner und Westerwelle wollen dort mehr als 15 Mal zusammen auftreten. "Auch gemeinsame Auftritte mit Genscher sind nicht ausgeschlossen", heißt es. Die Aura des früheren Außenministers und heute 86-Jährigen soll auch diesmal den Liberalen helfen - im Wahlkampf vor vier Jahren hielt Genscher beim Auftakt in Düsseldorf eine kämpferische Rede.

Schwächelnder Südwesten

Das Ergebnis von 2009, als sie im Bund 14,6 Prozent und in Nordrhein-Westfalen 14,9 Prozent holte, wird sich aber wohl nicht wiederholen lassen. Aber man will so nahe wie möglich an die magischen 10 Prozent heran. Westerwelle selbst hatte im vergangenen Herbst bei einer Klausur der Bundestagsfraktion neun Prozent im Bund anvisiert. Es war ein Akt der Autosuggestion, von vielen damals belächelt, lag die Partei doch am Boden. Dass aber die FDP auf den letzten Metern zulegen kann, bewies sie wenige Monate darauf, im Frühjahr in Niedersachsen. Kein Wahlforscher hatte das Ergebnis vorhergesagt: 9,9 Prozent für den Landesverband von FDP-Parteichef und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler.

Dass die FDP in Nordrhein-Westfalen diesmal besonders gefordert ist, hat noch einen anderen Grund: Mit Baden-Württemberg schwächelt eine der traditionellen Hochburgen der FDP. Dort versucht Spitzenkandidat Dirk Niebel, Noch-Entwicklungshilfeminister, mit einer nicht weniger ambitionierten Wahltour die Liberalen hochzuziehen. Das ist auch bitter nötig. Die FDP in Baden-Württemberg hatte vor vier Jahren bei der Bundestagswahl 18,9 Prozent erzielt. Zuletzt waren die Liberalen bei der Landtagswahl auf knapp über fünf Prozent gekommen - ein Schlag für den einst so selbstbewussten Landesverband im Kernland des deutschen Liberalismus. Auch in Hessen, wo die FDP zuletzt sehr gute Ergebnisse erzielte, liegt sie derzeit in einer Forsa-Umfrage bei nur 6 Prozent.

In Bayern hat die FDP ebenfalls gehörige Probleme. Die Fortführung der Koalition mit der CSU ist unsicher - in Umfragen dümpelt die FDP bei drei Prozent. Eine Woche vor der Bundestagswahl wird im Freistaat gewählt. Sollte es in Bayern nicht klappen, wird die FDP die letzte Woche vor dem nationalen Urnengang umso mehr zur Schicksalsfrage für Schwarz-Gelb stilisieren müssen.

So oder so: "Alle bei der FDP in NRW wissen: Wenn wir bundesweit ein gutes Ergebnis erzielen wollen, brauchen wir in NRW ein sehr gutes Ergebnis", heißt es in Düsseldorf.


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insgesamt 68 Beiträge
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Seite 1
kenterziege 09.08.2013
1. Auch in NRW
Zitat von sysopFDPIn Guido Westerwelles Heimat Nordrhein-Westfalen könnte sich das Schicksal der schwarz-gelben Koalition entscheiden. In kaum einem anderen Bundesland setzt die FDP derart massiv alles auf eine Karte. Ein Grund: Andere traditionelle Hochburgen der Liberalen schwächeln. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fdp-macht-nordrhein-westfalen-zum-hauptschlachtfeld-a-915499.html
....hat Herr Westerwelle keine Anhänger! Sein überheblicher Eindruck, den er nach der letzten BTW hinterlassen hat, ist auch hier zur Kenntnis genommen worden. Dass die FDP jetzt schon Mumien ausgräbt, um eine gewisse Reputation zu erlangen zeigt ihre personelle Schwäche! Insider wissen natürlich, dass es Herr Genscher war, der zwar das Glück hatte zu Zeiten der Wende Außenminister zu sein, der aber auch seinem franz. Kollegen Dumas den Tipp gegeben hat: Zustimmung zur Währungsunion gegen schnelle Unterschrift Frankreichs unter den Vier+Zwei-Vertrages! ( Nachzulesen in dem Buch Frankreich und die deutsche Einheit von Prof. Thilo Schabert)Damit ist auch der ehrenwerte Herr Genscher einer der Väter des vermaledeiten Euro! Ihn zu plakatieren , würde ich mir überlegen!
Hilfskraft 09.08.2013
2. diese drei Träumer ...
... sind ja wirklich niedlich. Wollen die uns in NRW unter Drogen setzen und unsere Hände beim Kreuzchenmachen führen? Nee, daraus wird nichts. Dazu ist der NRWler viel zu stur, zu gerade aus und zu nachtragend. Und, auf solche feingemachten Fitschbohnen wird historisch sowieso mißtrauisch reagiert.
rüdiger68 09.08.2013
3. Warum schwächelt die FDP?
Weil Sie gerade das schöne Thema "Steuervereinfachung" NICHT angepackt hat! Weil Sie in der Frage der EURO/ESM-Politik den durchaus diskutablen Gegenentwurf von Frank Schäffler seitens der Parteiführung kategorisch niedergemacht hat - bevor die Mitglieder darüber abgestimmt haben. Weil Sie zur Zeit, abgesehen von Kubicki und Lindner, kein vernünftiges Personal hat: Homburger, Brüderle, Niebel, Rösler... Welch Wunder, dass man alles auf Lindener in NRW setzt! Was bleibt denn auch anderes übrig in dieser Lage?
rodelaax 09.08.2013
4. Mißverständnis
Ich glaube, dass die FDP da etwas mißverstanden hat. Die kamen bei der letzten Landtagswahl nur mit Hilfe von Christian "Bambie" Lindner über 5%. Aber inzwischen hat auch der letzte Depp verstanden, dass von dem, außer Sprüchen, nichts mehr kommt. Ich zweifle sehr, dass diese neue NRW-Taktik aufgehen wird.
Attila2009 09.08.2013
5.
Zitat von sysopFDPIn Guido Westerwelles Heimat Nordrhein-Westfalen könnte sich das Schicksal der schwarz-gelben Koalition entscheiden. In kaum einem anderen Bundesland setzt die FDP derart massiv alles auf eine Karte. Ein Grund: Andere traditionelle Hochburgen der Liberalen schwächeln. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fdp-macht-nordrhein-westfalen-zum-hauptschlachtfeld-a-915499.html
Da muss der arme Genscher wieder herhalten und der Westerwelle der damals parteiintern abgesägt wurde seinen Außenministerbonus einbringen. Wo sind denn der flotte Brüderle und der schicke Rösler, jene die die FDP richtig klein gemacht haben, ja und Kubicki vermisse ich , jenen überflüssigen Talkshowdauerredner .
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