Lebensmittelskandal: Niebel will Pferdefleisch an Arme verteilen
Erst forderte ein CDU-Abgeordneter, aussortierte Lasagne mit Pferdefleisch an Bedürftige zu verteilen - jetzt unterstützt Entwicklungsminister Dirk Niebel den Vorschlag. "Wir können gute Nahrungsmittel nicht einfach wegwerfen", sagt der FDP-Politiker.
Berlin - Soll die zurückgezogene Lasagne mit Pferdefleisch an Arme verteilt werden? Ja, sagt Entwicklungsminister Dirk Niebel. "Über 800 Millionen Menschen weltweit hungern. Und auch in Deutschland gibt es leider Menschen, bei denen es finanziell eng ist, selbst für Lebensmittel", sagte der FDP-Politiker der "Bild"-Zeitung. "Ich finde, da können wir hier in Deutschland nicht gute Nahrungsmittel einfach wegwerfen."
Damit spricht sich erstmals ein prominenter Politiker für den Vorschlag aus. Zuvor hatte der CDU-Bundestagsabgeordnete Hartwig Fischer angeregt, aus den Läden genommene Produkte wie Lasagne mit undeklarierten Pferdefleischanteilen nicht voreilig zu vernichten.
Er schlug vor, die Produkte, die nicht gesundheitsgefährdend seien, korrekt zu deklarieren und Hilfsorganisationen zur Verfügung zu stellen. In der "Bild"-Zeitung ließ er sich nun beim Essen einer Lasagne zeigen, bei deren Marke in Stichproben Pferdefleisch gefunden worden war. "Ich kann keinen Unterschied zu anderer Lasagne feststellen", sagte er dem Blatt. Der Vorschlag löste Empörung aus, Hilfsorganisationen lehnen den Vorstoß als "respektlos gegenüber Bedürftigen" ab.
"Menschen zweiter Klasse"
Die Evangelische Kirche (EKD) warnte allerdings vor der voreiligen Vernichtung der Pferde-Lasagne. Prälat Bernhard Felmberg sagte: "Lebensmittel zu vernichten, die ohne Risiko genießbar wären, ist ähnlich schlimm wie Etikettenschwindel."
SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles bezeichnete den Vorschlag des CDU-Abgeordneten dagegen als menschenverachtend und unwürdig. "Das ist eine Beleidigung für Menschen mit wenig Einkommen. Ich erwarte, dass er sich dafür entschuldigt", sagte sie der "Bild"-Zeitung. "Die Produkte, die schadstoffhaltiges Fleisch enthalten können, müssen entsorgt werden."
Grünen-Fraktionschefin Renate Künast erklärte: "Hinter der absurden Idee von Fischer steht, dass es beim Essen Menschen zweiter Klasse gibt. Wir wollen aber gute Qualität für alle."
Bis Freitagabend wurde in Deutschland in 67 Fällen Pferdefleisch in falsch etikettierten Fertigprodukten nachgewiesen, berichtet die "Bild am Sonntag". Sie beruft sich auf Angaben des Verbraucherschutzministeriums. Ein Sprecher von Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) sagte dem Blatt, bisher seien von den Kontrollbehörden der Länder insgesamt 830 Analysen auf Pferde-DNA gemacht worden.
An der Spitze bei den positiven Labortests steht demnach Nordrhein-Westfalen mit 27 Fällen, gefolgt von Hessen (13), Baden-Württemberg (8) und Bayern (8). Weitere betroffene Länder sind Mecklenburg-Vorpommern (5), Brandenburg (4) und Hamburg (2).
Die Tests der Länderbehörden dauerten weiter an. Ministeriumssprecher Holger Eichele sagte, dass bisher bei keiner Analyse das für Menschen gesundheitsschädliche Pferdemedikament Phenylbutazon nachgewiesen worden sei.
heb/AFP
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