"Keine Sau"-Werbung in Brandenburg FDP macht Spaß

Die Liberalen in Brandenburg haben nichts zu verlieren: Mit dem Slogan "Keine Sau braucht die FDP" wollen sie bei der Landtagswahl werben. Nur für wen?

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FDP-Slogan in Brandenburg: Liberale Verzweiflungsaktion vor Landtagswahl
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FDP-Slogan in Brandenburg: Liberale Verzweiflungsaktion vor Landtagswahl


Berlin/Potsdam - Geht es noch tiefer für die FDP in Brandenburg? Man könnte meinen, die dortigen Liberalen wollen es ausprobieren: Auf zwei Prozent wurden sie in der letzten Umfrage zur Landtagswahl am 14. September taxiert - nun will die Partei mit folgendem Slogan werben: "Keine Sau braucht die FDP!".

So ist es bereits in blauen Großbuchstaben auf einem halben Dutzend gelber Wahlplakate in Potsdam zu lesen, am Donnerstag will die FDP ihre Wahlkampagne offiziell vorstellen. Bis dahin ist von den Verantwortlichen in Potsdam niemand zu erreichen. Beim Anruf in der Geschäftsstelle ertönt vom Band: "Keine Sau braucht die FDP, deswegen können wir Ihren Anruf leider nicht entgegennehmen." Sucht man auf der Partei-Internetseite nach Erklärungen, leuchtet einem lediglich der skurrile Wahlspruch entgegen, der Rest der Seite ist nicht verfügbar.

Offenbar wollen es die verzweifelten Brandenburger Liberalen mit Ironie versuchen. Bei der vergangenen Landtagswahl landeten sie noch bei 7,2 Prozent, diesmal erscheint schon der Einzug ins Parlament mit den dafür notwendigen fünf Prozent als beinahe utopisch. Immerhin 96.000 Euro will die Partei für ihren Wahlkampf einsetzen.

Demoskop Güllner: Menschen wollen nicht veralbert werden

"Das ist wohl die letzte Hoffnung der FDP, auf sich aufmerksam zu machen", sagt Manfred Güllner, Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts Forsa. "Der Partei geht es so schlecht, dass sie sich an jedem Strohhalm festhält - das wird sie wohl aber auch nicht retten können." Wenn es um Politik geht, wollen die Menschen nicht veralbert werden, sagt er.

In der Bundespartei schaut man mit großer Skepsis auf den Versuch der Brandenburger. Für die FDP geht es nach dem verpassten Einzug in den Bundestag im vergangenen Herbst inzwischen ums nackte Überleben, selbst über die Umbenennung der erfolglosen Partei wurde nachgedacht. Nach Scherzen ist kaum jemandem zumute.

Und die Politikprofis bei der FDP wissen natürlich genau: Ironie im Wahlkampf funktioniert so gut wie nie. Diese Erfahrung musste zuletzt der damalige SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück machen, als er sich für das "SZ-Magazin" wenige Wochen vor dem Wahltag mit ausgestrecktem Mittelfinger und provozierendem Gesichtsausdruck fotografieren ließ. Steinbrück wollte offenbar einen Witz machen - aber die Mehrheit der Bürger konnte damit nichts anfangen. Oder der Slogan der Grünen im Bundestagswahlkampf 1990, dem Jahr der Einheit: "Alle reden von Deutschland. Wir reden vom Wetter." Die Grünen verfehlten damals den Einzug ins Parlament.

Nur die eigene Klientel versteht den Witz

Das Problem mit dem politischen Witz: Die eigene Kernklientel versteht so was in der Regel; natürlich wusste ein Grüner seinerzeit, dass der Partei die Einheit nicht egal ist, aber ökologische Fragen eben mindestens so wichtig für sie sind. Aber alle anderen dachten: Die Grünen spinnen doch - und wählten sie nicht.

Dieses Problem sieht Demoskop Güllner auch bei dem Brandenburger FDP-Slogan: Die eigenen Leute könnte man damit wohl wachrütteln und sie daran erinnern, dass die Partei noch da ist. Aber sonst?

Auch in Thüringen, wo im Herbst ebenfalls ein neuer Landtag gewählt wird, versucht sich die FDP mit einer ironischen Kampagne - aber sehr viel vorsichtiger. Dort lautet der Spruch auf den Plakaten "Wir sind dann mal weg!". Als Zusatz steht auf dem Hauptmotiv dann beispielsweise: "Genau wie der Mittelstand."

Glücklich über die Plakataktion der Brandenburger Liberalen ist wohl nur die Konkurrenz: SPD-Fraktionschef Klaus Ness schrieb auf Facebook: "Endlich mal plakatiert die FDP eine in Brandenburg eindeutig mehrheitsfähige Position…"

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 63 Beiträge
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Seite 1
rodelaax 06.08.2014
1. Vom Herzen ...
... wünsche ich der FDP, wegen dieser tollen Werbung ... unter 1%!
fatherted98 06.08.2014
2. Der Spruch...
...sagt eigentlich alles....Selbsterkenntnis bei den Liberalen...sehr gut.
gesell7890 06.08.2014
3. ist doch endlich mal
ne Selbsterkenntnis. und ihr Nichtwahlwunsch ist doch leicht zu erfüllen - hat doch die letzten Male auch geklappt.
thegambler 06.08.2014
4.
Komisch im Artikel steht, dass die Menschen sich nicht veralbern lassen wollen wenn es um Politik ginge, aber trotzdem wählen noch Menschen CDU/CSU/SPD/Grüne und FDP, da wird doch das Gegenteil bewiesen.
Vanagas 06.08.2014
5. Auflösen
Zitat von sysopFDPDie Liberalen in Brandenburg haben nichts zu verlieren: Mit dem Slogan "Keine Sau braucht die FDP" wollen sie bei der Landtagswahl werben. Nur wen? http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fdp-mit-wahlwerbung-keine-sau-braucht-die-fdp-in-brandenburg-a-984750.html
Löst Euch auf + erspart uns einen langen Todeskampf !
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