Private Krankenversicherung DKV kündigt Sondertarif für FDP-Mitglieder

Rabatte privater Krankenversicherungen für Mitglieder bestimmter Parteien sorgen für Aufregung - jetzt reagiert die DKV. Sie kündigt den Sondertarif für Liberale zum Ende des Jahres. Offenbar hatten ohnehin nur wenige Freidemokraten die Vergünstigung genutzt.


Berlin - FDP-Mitglieder genießen bei der Deutschen Krankenversicherung (DKV) Sonderkonditionen - allerdings nur noch bis zum Jahresende. Offenbar wegen geringen Zuspruchs hat die private Krankenkasse ihren seit 2005 laufenden Vertrag mit den Liberalen gelöst, wie die "Frankfurter Rundschau" berichtet. Das Blatt beruft sich auf Parteikreise. Nicht einmal 200 Liberale hätten das Angebot genutzt.

Der Gruppenvertrag gewährt den Parteimitgliedern laut "Tagesspiegel" fünf Prozent Rabatt und den Wegfall von Wartezeiten. Die Versicherung hatte mitgeteilt, den Sondertarif auslaufen zu lassen, weil man sein Gruppengeschäft auf Unternehmen und die Verbände von Freiberuflern konzentrieren wolle.

Rabatte für Parteimitglieder hatten in den vergangenen Tagen für Diskussionen gesorgt. Bei der Christdemokraten gibt es ein ähnliches, seit 1999 geltendes Angebot des Privatversicherers Axa. Der SPIEGEL hatte berichtet, dass die CDU ihre 500.000 Mitglieder und deren Familien mit vergünstigten Krankenversicherungen belohnt. Demnach bekommen Parteimitglieder fünf Prozent Rabatt, wenn sie sich bei der Axa privat versichern lassen.

Um ihren Mitgliedern den Preisnachlass zu sichern, hat die CDU mit dem Privatversicherer einen Gruppenvertrag geschlossen, der sonst für Unternehmen oder Berufsverbände üblich ist. Weiterer Vorteil für Parteimitglieder: Die Axa kann sie nicht ablehnen - selbst wenn sie schwer krank sind.

Die Verbindungen zwischen Axa und CDU sind eng: Petra Roth, ehemalige CDU-Oberbürgermeisterin aus Frankfurt am Main, und Friedrich Merz, Ex-Unionsfinanzexperte, sitzen im Aufsichtsrat. Die CDU streitet ab, dass der Deal verstecktes Sponsoring sei. Und ein Axa-Sprecher sagte, der Konzern verfolge "beim Versicherungsschutz keine parteipolitischen Interessen". Der Versicherungskonzern erwägt nach eigenen Angaben kein Vertragsende.

Die Grünen wollen den Fall zum Anlass nehmen, die geltenden Regeln zu prüfen. "Der Fall beweist: Die Regeln für das Sponsoring von Parteien müssen geschärft werden", sagte Fraktionschefin Renate Künast. Die Anti-Korruptions-Organisation Transparency International Deutschland kritisiert die Sondervereinbarungen. Vorstandsmitglied Jochen Bäumel sagte der "Welt": "Sie schaffen die Möglichkeit politischer Einflussnahme. Auf diese Art und Weise wird das Umfeld der Parteien gedüngt. Interessenkonflikte sind da nicht mehr auszuschließen."

heb/dapd

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insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
Ridcully 30.10.2012
1. Da sind doch auch noch die Sonderrabatte
Zitat von sysopDPARabatte von Krankenversicherungen für Mitglieder bestimmter Parteien sorgen für Aufregung - jetzt reagiert die DKV. Sie kündigt den Sondertarif für Liberale zum Ende des Jahres. Offenbar hatten ohnehin nur wenige Freidemokraten die Vergünstigung genutzt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fdp-mitglieder-dkv-kuendigt-sondertarif-a-864153.html
... für die Beamten und die Angehörigen des öffentlichen Dienstes?!?
jakobderkater 30.10.2012
2. Halbinformation
selbst wenn ein Kontrahierungszwang besteht und jeder, unabhängig vom Gesundheitszustand aufgenommen werden muss, werden von der Gesundheit abhängige Risikozuschläge erhoben. Diese können durchaus ein Mehrfaches der normalen Monatsbeiträge ausmachen.und man erreicht eine risikogerechte Prämie ohne Belastung des Kollektivs.
sliasthorp 30.10.2012
3. 99,7 % der Mitglieder haben diesen Tarif nicht genutzt
"Nicht einmal 200 Liberale hätten das Angebot genutzt." Wenn man die Mitgliederzahlen von statista zugrunde legt, machen 200 Mitglieder 0,3 % des gesamten Bestandes aus. Das ist doch ein deutliches Zeichen dafür, dass Parteimitgliedschaften nicht zustande kommen, um irgendwelche Vorteile in Anspruch zu nehmen. Bei diesen beeindruckenden Zahlen dürfte es selbst SPON schwer fallen, diese Meldung gegen die FDP zu instrumentalisieren.
buntesmeinung 30.10.2012
4. Sumpf & Filz
Zitat von sysopDPARabatte von Krankenversicherungen für Mitglieder bestimmter Parteien sorgen für Aufregung - jetzt reagiert die DKV. Sie kündigt den Sondertarif für Liberale zum Ende des Jahres. Offenbar hatten ohnehin nur wenige Freidemokraten die Vergünstigung genutzt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fdp-mitglieder-dkv-kuendigt-sondertarif-a-864153.html
Machen wir uns nichts vor: Auch dieses Land ist in weiten Teilen durchkorrumpiert. Ich selbst bin Beamtin und habe mein KFZ bei der HUK versichert. Es gibt allerdings auch andere Versicherer (mein Vater war bei einem, der Name der Gesellschaft ist mir z.Zt. nicht geläufig; es war irgendetwas mit "Hannoversche..."), die unabhänig von Beruf und Status mindestens ebenso günstig versichern. Es gab zu meiner aktiven Dienstzeit auch einige Gewerbebetriebe, bei denen Beamte angeblich günstiger einkaufen konnten. Ich habe aus Prinzip von solchen Angeboten nie Gebrauch gemacht. Ich bin auch beim ADAC. Auch dort nehme ich keine der Sonderkonditionen, welche dieser für Mitglieder ausgehandelt hat, in Anspruch. Solche Gruppenverträge passen nicht in die Zeit. Volksvertreter sollten aber solche Sonderkonditionen schon gar nicht in Anspruch nehmen.
hastdunichtgesehen 30.10.2012
5. SPON macht wieder Wahlkampf für Rotgrün
Zur Abwechselung sollte vielleicht mal über die Rabatte von Journalisten diskutiert werden. Rotgrün verdient sich eine goldene Nase mit der Ökoindustrie, die diese Parteien mit üppigen Spenden überschüttet. Das ist natürlich was ganz anderes.
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