FDP Parteispitze sammelte sich hinter Westerwelle

Unmittelbar vor Jamal Karslis Rückzug-Ankündigung veschoben sich in der FDP die Gewichte. Parteichef Guido Westerwelle erhielt deutlich spürbarere Unterstützung aus der Parteispitze, als in den Tagen zuvor. Die Partei sehnt sich nach einem klareren Kurs.


Berlin - Lange wirkte sie im Männerduell wie abgetaucht - die Generalsekretärin der FDP. Heute trat Cornelia Pieper im ARD-Morgenmagazin wieder auf, um ihrem Interviewer zu bestätigen, dass die FDP derzeit "kein gutes Politikmanagement" beweise. Die Partei müsse wieder "auf klaren Kurs". Es könne nicht angehen, das sich die FDP durch einen Dauerstreit Westerwelle - Möllemann darstelle, forderte sie und nahm ihren stellvertretenen Parteivorsitzenden Möllemann in Schutz. Der sei immerhin der "Vater des Projekts 18", deshalb müsse es auch künftig mit ihm weitergehen. Sollte er bis Montag auf die Bedingungen Westerwelles eingehen, würden auch keine weiteren Sanktionen drohen.

Auch Ex-Außenminister Kinkel meldete sich nochmals im Morgenmagazin zu Wort. Er hoffe auf ein Einlenken von FDP-Vize Jürgen Möllemann. "Es ist doch unsinnig, Karsli gegen Westerwelle auszuspielen - das kann und darf nicht sein", sagte Kinkel. Westerwelle habe versucht, den Streit in Ruhe zu regeln und "nun ist ihm zu Recht der Kragen geplatzt ... Es darf nicht ein Mann wie Karsli und die nordrhein-westfälische Strategie mit Karsli unseren Wahlkampf, unser Wahlergebnis und das Bild der Partei kaputt machen", sagte der frühere Parteichef.

Auch andere FDP-Spitzenpolitiker griffen am Morgen in die Debatte ein. So habe sich der nordrhein-westfälische Abgeordnete Jamal Karsli mit der Verbreitung eines anti- israelischen Briefes und der Beurteilung des Schreibens als "sehr lesenswert" selbst diskreditiert, teilte der parlamentarische Geschäftsführers der FDP- Bundestagsfraktion, Jörg van Essen, mit. "Jetzt verbreitet er wieder so eine Behauptung und das ist unerträglich und muss Konsequenzen haben", sagte von Essen am Donnerstag im InfoRadio Berlin-Brandenburg. Van Essen ist Mitglied im FDP-Landesverband Nordrhein-Westfalen.

Dass der Ex-Grünen-Abgeordnete Karsli zu diesem Zeitpunkt schon Jürgen Möllemann seinen Auszug aus der FDP-Fraktion mitgeteilt hatte, ahnte noch niemand aus der Fraktion. "Wir wussten heute Morgen noch nichts", sagte van Essen gegenüber SPIEGEL ONLINE.



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