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FDP-Parteitag: Der lange Schatten der Gruseltruppe

Ein Kommentar von Ralf Neukirch

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FDP-Chef Lindner: Der Wiederaufstieg hat noch nicht einmal begonnen

Haben Sie auch Mitleid mit Christian Lindner? Der FDP-Chef rackert, um seiner abgestürzten Partei wieder Geltung zu verschaffen. Der Lohn: ein Umfragewert von drei Prozent. Die Liberalen blicken in den Abgrund.

Christian Lindner kann einem leidtun. Der Mann bereist seit Monaten alle Winkel des Landes auf der Suche nach Interviewpartnern. Er rackert, um seine Partei auf dem steilen Weg vom kalten zum mitfühlenden Liberalismus voranzubringen. Er treibt seine Leute auf Regionalkonferenzen, Vereinshallen und in Studentenheime, damit aus der FDP wieder eine wichtige gesellschaftliche Kraft wird.

Das Ergebnis seiner Bemühungen: drei Prozent.

Das ist der Wert, den das jüngste ZDF-Politbarometer der FDP für die Europawahl voraussagt. Niemand hat erwartet, dass die Liberalen ein gutes halbes Jahr nach ihrem Debakel bei der Bundestagswahl aller Sorgen ledig sein würden. Aber gar kein Fortschritt? Wenn es eine zentrale Botschaft gibt, die die FDP von ihrem Parteitag an diesem Wochenende in Dresden aussendet, dann heißt die: Der Wiederaufstieg hat noch nicht einmal begonnen.

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Parteitag der FDP: Gegen die Mutlosigkeit
Dass die Anstrengungen der Parteiführung erfolglos geblieben sind, wäre allein noch kein Grund zur Unruhe. Ein politischer Neustart braucht Zeit. Schlimmer ist, dass sich niemand für diese Anstrengungen interessiert. Wer kennt die europapolitischen Positionen der FDP? Oder ihr Rentenkonzept? Selbst die Spitzen von Wolfgang Kubicki gegen Christian Lindner regen niemanden auf. Wer will schon wissen, was in der FDP los ist?

Das Land braucht eine liberale Partei

Für viele Leute sind die Liberalen noch immer die Gruseltruppe, die sich in den letzten vier Jahren an der Regierung selbst zugrunde gerichtet hat. An den Wahlständen schimpften die Leute auf die alte Führung, erzählen mehrere Delegierte. Die Westerwelles, Röslers und Niebels sind im Bewusstsein der Bürger noch präsent. In den Gängen des Dresdner Parteitags sah man sie herumschweifen wie Schatten aus der Vergangenheit. Die Wähler haben der Partei ihr altes Personal noch lange nicht verziehen.

Vier Jahre Zeit hat Christian Lindner für sich reklamiert. Die Zeit bis zur nächsten Bundestagswahl hat er einen Marathonlauf genannt. Er weiß, dass ihn auf diesem Weg noch manche Niederlage erwartet. Sein Stellvertreter Wolfgang Kubicki hat ihm entgegenhalten: "Auch beim Marathonlauf braucht man Zwischenstationen, an denen man Wasser trinkt." Er hat recht. Eine Partei braucht kleine Erfolge, um weiter an das große Ziel - die Rückkehr in den Bundestag - glauben zu können. Nur, woher sollen die kommen?

In der FDP haben sie davon geträumt, dass die Politik der Großen Koalition rasch eine Sehnsucht nach liberaler Politik hervorrufen würde. Das war ein Irrtum. So schlecht sind die Zeiten nicht, dass im Volk eine Rainer-Brüderle-Nostalgie um sich greifen würde. Die Große Koalition ist dennoch die größte Chance der FDP. Je länger sie regiert, desto klarer wird, dass das Land eine liberale Partei braucht.

Aber braucht das Land die FDP? Die Antwort auf diese Fragen ist nach wie vor offen.

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insgesamt 247 Beiträge
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1. Frage
robin-masters 11.05.2014
Braucht Deutschland eine liberale Partei? 0 JA - unbedingt! Ist die FDP eine liberale Partei? - nur nach außen! Sie ist immer noch ein Lobbyisten Partei die den Staat nicht schlanker und effizienter und dem Bürger mehr Rechte geben will - sondern sie will den Staat zu ihrem Vorteil und für ihre Lobby Positionen nutzen. Im Übrigen braucht niemand Privatisierungen die nur den gut Betuchten nutzt (Krankenversicherung). Zumindest nicht die Mehrheit ..
2. optional
ir² 11.05.2014
Deutschland hat keine liberale Tradition. Der Deutsche Mensch wird gerne gegängelt, des Deutschen Los, vor dem Schalter stehen, des Deutschen Traum, hinter dem Schalter sitzen. Privater Erfolg hat in Deutschland keinen sozialen Wert, im Gegenteil, der Sozialneid ist die klassische Reaktion darauf. Der Staat, in Form einer GroKo ist des Deutschen liebste Staatsform. Die FDP ist Geschichte in Deutschland, niemand will sie....
3. Gernot Hassknecht
jerzick 11.05.2014
Wie hat Gernot Hassknecht in der heute-show die FDP einmal ganz passend tituliert? Die "herzlose Arschgeigen-Partei".
4. Wir brauchen
chua 11.05.2014
eine Buergerrechts-Partei. Das muss nicht die FDP sein.
5. gut, dass das Personal weg ist
wehwehwehdievernunft 11.05.2014
der schlechte Personal hat die Partei kaputt gemacht und nicht der liberale Gedanke. Das Unterordnen unter Guido Westerwelle und das Absägen von Wolfgang Gerhardt war der Anfang vom Ende. Danach wurde es immer schlimmer. Keiner vom dem FDP Ex-Personal hätte die Chance gehabt, in einer guten Firma auch nur Abteilungsleiter zu werden. Einfach Ätzend.
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