Liberale nach Landtagswahl: Leutheusser-Schnarrenberger plädiert für FDP pur
Der Erfolg der FDP in NRW löst in der Partei eine Debatte über den künftigen Kurs aus. Die Parteivize Sabine Leutheusser-Schnarrenberger spricht sich im Interview dafür aus, auf die eigene Kraft zu setzen und künftig ohne eine klare Koalitionsaussage in die Wahlkämpfe zu ziehen.
SPIEGEL ONLINE: Die FDP unter Christian Lindner hat in NRW über acht Prozent erzielt, die Woche davor hat Wolfgang Kubicki dies ebenfalls in Schleswig-Holstein geschafft. Und das mit einem Kurs ohne Koalitionsaussage, also ohne ein klares Votum für Schwarz-Gelb. Ist das jetzt eine Option für die Bundestagswahl 2013?
Leutheusser-Schnarrenberger: Christian Lindner hat wie Wolfgang Kubicki auf FDP pur gesetzt. Der Triumph von beiden ist ein Erfolgsmodell für den Bund. Klare Haltung und nicht Umfallen - mit diesem Stil gewinnt die FDP Wahlen.
SPIEGEL ONLINE: So wie es aussieht, könnte es im nächsten Bundestag sehr schwer für eine erneute Koalition von Union und FDP werden. Muss sich, unabhängig vom Wahlausgang in NRW, die FDP nicht jetzt strategisch öffnen, auch für eine mögliche Koalition mit Grünen und SPD?
Leutheusser-Schnarrenberger: Ich spekuliere jetzt nicht über die Frage, ob die FDP 2013 eine Koalitionsaussage trifft. Das entscheidet der Parteitag. Die SPD steht in der Innnen- und Rechtspolitik immer noch im Schatten von Otto Schily. Wenn sich Schnittmengen ergeben sollen, dann muss sich die SPD auch wieder stärker ihrer liberalen Wurzeln in der Gesellschaftspolitik besinnen. Aber ich habe immer gesagt, dass ich nichts von Ausschließeritis halte. Das Parteiensystem ist im rasanten Wandel.
SPIEGEL ONLINE: Kubicki in Schleswig-Holstein und Lindner in NRW haben die FDP vor dem Absturz in die Bedeutungslosigkeit bewahrt. Sollen sie jetzt auch mehr Einfluss auf die Bundespolitik der FDP bekommen?
Leutheusser-Schnarrenberger: Es ist toll, dass die FDP wieder stärker mit unterschiedlichen Köpfen verbunden wird. Mit erfolgreichen Spitzenleuten sollte die Bundespartei auf jeden Fall eng zusammenarbeiten.
SPIEGEL ONLINE: Ist Lindner jetzt der starke Mann in der FDP?
Leutheusser-Schnarrenberger: Er ist das Comeback-Wunder des Jahres 2012.
SPIEGEL ONLINE: Wahlen werden immer auch über starke Persönlichkeiten mitentschieden. Philipp Röslers persönliche Umfragewerte sind desolat, viele Anhänger der FDP rechnen nicht mehr damit, dass er noch lange an der Spitze bleibt. Welche Rolle soll der FDP-Chef in Zukunft spielen?
Leutheusser-Schnarrenberger: Philipp Rösler ist und bleibt FDP-Vorsitzender. Jegliche Spekulationen schaden der FDP.
Das Interview führte Severin Weiland
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