FDP-Vize Kubicki "Unterirdische Angriffe"

"Christian Lindner ging es um Christian Lindner": Die Grünen arbeiten sich an der FDP ab. Der liberale Parteivize Wolfgang Kubicki reagiert.

Wolfgang Kubicki
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Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki hat Angriffe der Grünen gegen seine Partei scharf zurückgewiesen. "Bei aller verständlichen Frustration über das Zerplatzen von persönlichen Karriereträumen gibt es für die verbalen Entgleisungen keine Entschuldigung", sagte Kubicki der Nachrichtenagentur dpa.

Er reagierte damit auf Vorwürfe der Grünen auf ihrem Parteitag am Samstag gegen die Liberalen und deren Ausstieg aus den Jamaika-Verhandlungen. "Die zum Teil unterirdischen Angriffe auf die FDP und ihre Führung dokumentieren doch in ernüchternder Deutlichkeit, dass es keine Basis für eine Zusammenarbeit in den nächsten vier Jahren gab", sagte er.

Er fügte hinzu, die Behauptung, man sei weiter gesprächsbereit, widerlegten die Grünen gerade selbst. "Ich vermute, Bündnis 90/Die Grünen werden in den nächsten Jahren schmerzhaft lernen, dass die Menschen in Deutschland nicht missioniert werden wollen", sagte der FDP-Vize.

Unter anderem Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt hatte scharfe Kritik an der FDP geübt. Vor allem der FDP-Parteichef Christian Lindner sei für das Scheitern der Gespräche verantwortlich. Ihm sei es nicht in erster Linie um Themen wie Digitalisierung oder Abbau des Solidaritätszuschlages gegangen. "Christian Lindner ging es um Christian Lindner."

Die FDP selbst scheint keinen Schaden vom Abbruch der Sondierungsgespräche vergangenen Montag getragen zu haben. Im Gegenteil: Die Partei verzeichnet offenbar weiterhin einen Mitgliederzuwachs. Zwischen Montagmorgen und Freitagmittag dieser Woche seien einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS) 437 neue Mitgliedsanträge gestellt worden.

Trotz des Jamaika-Aus setzt die Partei mit dem Mitgliederzuwachs einen Trend fort, der bereits seit Jahresanfang anhält. Zwischen Januar und November erreichten die Liberalen nach eigenen Angaben 12.500 Aufnahmeanträge. Die Gesamtzahl der Parteimitglieder liegt demnach bei rund 64.000.

In ihren besseren Zeiten, nach dem Wahlerfolg von 2009, hatte die Partei allerdings noch rund zehntausend Anhänger mehr. In den Jahren danach hatte die FDP fast ein Drittel ihrer Mitglieder verloren. Erst seit dem vorletzten Jahr und ersten Wahlerfolgen kommen wieder mehr zur FDP als die Partei verlassen.

kry/dpa

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