Absprache in Bonn Westerwelle prescht mit Zweitstimmenkampagne vor

Hilft die Union der schwächelnden FDP mit einer Zweitstimmenkampagne über die Fünfprozenthürde? Außenminister Westerwelle setzt ein Signal: In seinem Wahlkreis unterzeichnen Politiker von CDU und FDP eine entsprechende Absprache. Der FDP-Mann wünscht sich viele Nachahmer.

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Guido Westerwelle im Wahlkampf: "Es wird richtig knapp, wir müssen die Kräfte bündeln"
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Guido Westerwelle im Wahlkampf: "Es wird richtig knapp, wir müssen die Kräfte bündeln"


Berlin - Es wird eng. Sehr eng. Die jüngsten Umfragen sehen einen äußerst knappen Vorsprung für Schwarz-Gelb voraus. Ob die Koalition fortgesetzt werden kann, hängt nicht zuletzt auch vom Abschneiden der Liberalen ab. Doch die Partei, die vor vier Jahren noch 14,6 Prozent unter ihrem damaligen Vorsitzenden Guido Westerwelle holte, kommt in vielen Umfragen bislang nur auf Werte zwischen fünf und sechs Prozent.

Eigentlich kann jetzt nur noch eines helfen: eine Zweitstimmenkampagne der Union für den kleineren Partner. Und umgekehrt die Unterstützung liberaler Anhänger für die aussichtsreichen Unionskandidaten im jeweiligen Wahlkreis. FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle holte sich kürzlich schon das Lob von Altkanzler Helmut Kohl und ließ sich mit dem CDU-Politiker gemeinsam ablichten. Es war ein mehr oder weniger offener Hinweis Kohls an bürgerliche Wähler, sich bei der Zweitstimme für die FDP zu entscheiden.

Auch Außenminister Guido Westerwelle, Kandidat in seinem heimatlichen Wahlkreis Bonn, weiß, dass es diesmal um alles oder nichts geht. "Es wird richtig knapp, wir müssen die Kräfte bündeln", hat Westerwelle in diesen Tagen vor engen Vertrauten erklärt, wie SPIEGEL ONLINE aus seinem Umfeld erfuhr.

In Westerwelles Wahlkreis 96 sind die lokalen Politiker auf seine Anregung hin schon einmal vorgeprescht. Die Bonner Kreisvorsitzenden von CDU und FDP, Philipp Lerch und Werner Hummrich, unterzeichneten eine schriftliche Erklärung für eine gemeinsame Absprache, die in der letzten Woche vor der Bundestagswahl gelten soll.

In dem Papier heißt es: "In der Schlussphase des Bundestagswahlkampfs wollen wir in Bonn ein gemeinsames Zeichen für die Fortsetzung der erfolgreichen schwarz-gelben Bundesregierung setzen." Die Alternative zur bürgerlichen Regierung sei eine rot-rot-grüne Koalition der Unvernunft mit höheren Steuern, neuen Schulden und mehr Verboten.

"Wir setzen auf ein starkes Land mit einer starken christlich-liberalen Koalition", so die beiden Ortspolitiker. "Es wurde deshalb zwischen den Beteiligten verabredet, dass sich die Bonner CDU auf das Werben um die Erststimme konzentriert und die Bonner FDP auf die Zweitstimme setzt. Die letzte Wahlkampfwoche wird dies deutlich machen", heißt es in der Vereinbarung.

Konkret heißt das: Jene bürgerlichen Wähler in Bonn, die noch bei den vergangenen Bundestagswahlen 2005 und 2009 für Westerwelle stimmten, sollen sich diesmal mit der Erststimme für den CDU-Kandidaten entscheiden und damit die Direktwahl des SPD-Kandidaten verhindern. Westerwelle, der hinter der gemeinsamen Absprache der Kreisvorsitzenden steht und Ideengeber war, hat durchaus einiges in die Waagschale zu werfen: 2009 erzielte er in seinem Wahlkreis respektable 19,1 Prozent als Direktkandidat. Der Effekt ging allerdings zu Lasten des CDU-Kandidaten, den Sieg trug im Wahlkreis denkbar knapp ein Sozialdemokrat davon - mit nur 2,1 Prozent Vorsprung bei den Erststimmen.

Nun verzichtet Westerwelle auf seinen möglichen Achtungserfolg. Dafür sollen sich möglichst viele CDU-Wähler bei der Zweitstimme für die FDP entscheiden. Mit dem Signal von Bonn, so hieß es aus seinem Umfeld, erhoffe sich Westerwelle auch "Wirkungen über seinen eigenen Wahlkreis" hinaus. Sprich: im Rest der Republik.

Die CDU-Bundesführung lehnt eine Zweitstimmenkampagne zugunsten der FDP bislang strikt ab. Kanzlerin Angela Merkel betont bei jeder Gelegenheit, beide Stimmen sollten der Union gegeben werden. Die CDU-Spitze befürchtet, dass eine Zweitstimmenkampagne für die FDP nicht kontrollierbar wäre - und das Ergebnis der Union massiv nach unten ziehen könnte.



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unixv 13.09.2013
1. Auf Vernunft hoffen!
Zitat von sysopDPAHilft die Union der schwächelnden FDP mit einer Zweitstimmenkampagne über die Fünfprozenthürde? Außenminister Westerwelle setzt ein Signal: In seinem Wahlkreis unterzeichnen Politiker von CDU und FDP eine entsprechende Absprache. Der FDP-Mann wünscht sich viele Nachahmer. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fdp-westerwelle-mahnt-zweitstimmenabsprache-an-a-922087.html
Jeder Wähler mit einigermaßen Hirn, wird diesen Lobby-Verein doch nicht wählen, die gehen den Bach runter und das ist gut so! 2% für die FDP, sind 2% zu viel! ;-)
proanima 13.09.2013
2. Zweitstimme?
Zitat von sysopDPAHilft die Union der schwächelnden FDP mit einer Zweitstimmenkampagne über die Fünfprozenthürde? Außenminister Westerwelle setzt ein Signal: In seinem Wahlkreis unterzeichnen Politiker von CDU und FDP eine entsprechende Absprache. Der FDP-Mann wünscht sich viele Nachahmer. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fdp-westerwelle-mahnt-zweitstimmenabsprache-an-a-922087.html
Ihm wird auch keine Dritt-Stimme mehr reichen - ciao!
Blaufrosch 13.09.2013
3. Muffensausen in vierprozenthausen
Die FDP hat wohl erst jetzt erkannt, wie nah sie am Abgrund steht. Wegen mir kann sie fallen. Oder fusionieren mit der CDU! Zur FDU! Wer braucht schon eine Partei, die sich so zum Klüngel der CDU macht? Weg damit! Alle Wahlversprechen gebrochen Herr Westerwelle! Warum soll man Sie und ihre Apothekerfreunde denn wählen?
warndtbewohner 13.09.2013
4. Hemmunglos
bei der CDU wildern, reiner Machterhalt, diese FDP ist völlig überflüssig
RudiLeuchtenbrink 13.09.2013
5. Verschwendung von Stimmen,
FDP: Westerwelle mahnt Zweitstimmenabsprache an - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fdp-westerwelle-mahnt-zweitstimmenabsprache-an-a-922087.html)[/QUOTE] warum sollte man FDP wählen ? Wäre ein Frank Scheffler FDP Chef sähe ich darin einen Sinn, so aber ! Besser die AfD wählen und eine echte Währungspolitik gestalten mit Leuten die sich damit auskennen. "Westerwelle droht Russlannd ....da fällt mir vor Lachen die Tastatur aus den Händen. Entweder ich gebe beide Stimmen dem Original also CDU, oder ich wähle die AfD als Alternative und Korrektiv zur FDP.
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