Feldpost-Affäre: Geöffnete Soldaten-Briefe enthielten Foto-Sticks
Trotz intensiver Recherchen hat die Bundeswehr nicht ermitteln können, wer die Feldpost aus Afghanistan geöffnet hat. Insgesamt gab es 29 Unregelmäßigkeiten, in mehreren Fällen wurden USB-Sticks entwendet. Pikant für die Truppe: Bereits im November 2010 gab es erste Klagen.
Berlin - Die Bundeswehr hat trotz hektischer Recherchen den Hintergrund der manipulierten Feldpost bisher nicht klären können. Seit Montag liegen dem Wehrressort zwei umfassende Berichte vor. Insgesamt haben die Ermittler bei Umfragen unter Soldaten 29 Fälle von geöffneter und verschwundener Feldpost registriert, betroffen sind 21 Soldaten und Soldatinnen. In vier Fällen wurden aus der Post USB-Sticks mit Fotos und Speicherkarten von Kameras entfernt.
In einer Bewertung schließt die Bundeswehr einen Eingriff durch Soldaten aus. "Eine Manipulation der Umschläge / Postsendungen zumindest bis zur Übergabe ans Feldpostamt" könne "ausgeschlossen werden", heißt es in den Papieren, die SPIEGEL ONLINE vorliegen. Als mögliche Gründe für die Öffnungen geben die Ermittler Beschädigungen durch Frankiermaschinen an. Diese könnten Gegenstände wie USB-Sticks beim Durchlauf aus den Umschlägen gedrückt haben. Möglich sei auch, dass ein afghanischer Transporteur die Post geöffnet hat.
Die Öffnung der Post war durch einen Bericht des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus bekannt geworden. In dem Ermittlungsdossier der Bundeswehr heißt es nun in Bezug darauf, dass "bei einem Vergleich der Anzahl der Verdachtsfälle zum Gesamtaufkommen der Post" bei rund 4800 Soldaten im Einsatzland "nicht von einem systematischen Öffnen der Post gesprochen werden kann". Die benannten Fälle stammen alle aus dem Zeitraum von Oktober 2010 bis zum Januar 2011.
Klagen kommen aus mehreren Standorten der Bundeswehr
Die Recherchen in dem Fall machen die Lösung nicht einfacher. Laut den Ergebnissen war der erste Befund, die betroffenen Sendungen kämen alle vom Bundeswehr-Außenposten "OP North" in der Region Baghlan, nicht korrekt. Zwar kommt mit 14 Beschwerden die Mehrzahl der Klagen von Soldaten, die auf dem Außenposten eingesetzt sind. Allerdings gaben bei der Umfrage auch Soldaten aus Masar-i-Scharif oder dem Feldlager Kunduz an, ihre Feldpost sei daheim geöffnet oder gar nicht angekommen.
In dem Papier wird geschildert, wie die Post von Afghanistan nach Deutschland kommt. Demnach werden alle Briefe von Soldaten beim Versand in das zentrale Lager in Masar-i-Scharif in größere Umschläge verpackt und dann in verplombten Containern transportiert - ein Zugriff von Einzelnen auf die Sendungen ist damit mehr als unwahrscheinlich. Grundsätzlich sind an der Kette bis nach Deutschland eigentlich nur deutsche Soldaten beteiligt; nur vom Außenposten "OP North" wird die Post von einem afghanischen Unternehmen transportiert.
Verdächtigt wird das afghanische Unternehmen in dem Bericht nur indirekt. Grundsätzlich seien auch die Container, die per Hubschrauber durch das Unternehmen nach Masar gebracht würden, verschlossen. Zur besseren Sicherung wurde das gesamte Einsatzkontingent nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe angewiesen, die Postkisten in den Containern noch einmal extra "zusätzlich zu verschließen", so der Bericht der Bundeswehr.
In Deutschland kam Duschbad statt Parfum an
Die Klagen von den Soldaten könnten verschiedener nicht sein. In manchen Fällen kam die Post gar nicht daheim an, bei einigen erreichten in der Post verpackte Zigaretten zwar den Empfänger - allerdings mit anderen Marken als die Soldaten in die Umschläge gesteckt hatten. In einem Fall wurde angeblich ein Parfum gegen ein Duschgel getauscht. Auch die Entwendung von USB-Sticks erscheint nicht regelmäßig, so fand sich in einem zwar geöffneten Brief auch in Deutschland noch die versandte Speicherkarte.
Pikant könnte für die Bundeswehr ein Detail aus dem Bericht werden. Entgegen der allgemein geäußerten Überraschung, man habe erst durch Königshaus über die Brieföffnungen erfahren, gab es in Afghanistan bereits Ende November 2010 erste Klagen über geöffnete Briefe. Konkret wendete sich ein Zugführer an seinen Vorgesetzten und berichtete, Postsendungen seien geöffnet aber ohne einen Aufkleber vom Zoll in Deutschland angekommen. Im Laufe der nächsten Tage seien weitere Fälle aus dem Zug bekannt geworden.
Die Bundeswehrführung in Afghanistan will von diesen Vorgängen nichts erfahren haben, "erst im Zuge des Truppenbesuchs des Wehrbeauftragten" sei das Thema mit dem Regionalkommando besprochen worden. Zu diesem Zeitpunkt hatten mindestens zwei Soldaten die Sache bereits von sich aus in die Hand genommen - sie stellten bei der deutschen Justiz Strafanzeige gegen Unbekannt.
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