Hickhack um Protestaktion Femen und der Weltkriegsbomber

Eine Femen-Aktion feierte einen Weltkriegsgeneral, der deutsche Städte bombardieren ließ. Es folgten mehrere Wellen der Empörung - auch weil offenbar eine Berliner Politikerin beteiligt war. Eine kleine Geschichte über Disziplin beim Busenprotest, Kriegsgedenken und Antideutsche.

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Hamburg - Es ist nicht so, dass die Protestlerinnen von Femen vor kontroversen Aktionen zurückschrecken. So verzierten sie einst im Kampf gegen Zwangsprostitution die Herbertstraße auf St. Pauli mit dem Spruch "Arbeit macht frei". Und in der Weihnachtszeit begab es sich, dass eine Aktivistin bei der Festmesse oben ohne auf den Altar des Kölner Doms hüpfte (wir berichteten).

Nun jedoch zogen die Oben-ohne-Kämpferinnen offenbar eine Aktion ab, die selbst für Femen-Standards kontrovers war. Zwei Barbusige posierten vergangenen Donnerstag in Dresden anlässlich des Jahrestags der Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg. Eine Frau trug auf ihrem Oberkörper neben dem Femen-Logo die Botschaft "Thanks Bomber Harris" - ein Dank an den General der Britischen Luftwaffe, der das Flächenbombardement auf Dresden im Februar 1945 befehligte, bei dem mehr als 20.000 Menschen starben.

In Dresden wird zwar seit langem um die Gedenkkultur gerungen, und der Dank an Harris ist ein gängiges Motiv in Teilen der antifaschistischen Szene, vor allem unter den sogenannten "Antideutschen". Hier sieht man das Bombardement eher als Schritt zur Befreiung von der Nazi-Herrschaft, und manche finden Deutschland, vereinfacht gesagt, eh doof. Dass ausgerechnet Femen nun auf antideutsch macht, wäre allerdings eine Überraschung - ihnen werden aus der linken Ecke eher Rechtslastigkeit, Islamfeindlichkeit und Rassismus vorgeworfen.

"Femen ist nicht antideutsch"

Und in der Tat stimmte etwas nicht. Beide Frauen verhüllten ihre Gesichter mit Schal und Mütze - das ist bei Femen eigentlich verboten. Nun distanzierten sich die "Sextremistinnen" auch offiziell von der Aktion. Irina Khanova, eine der Gründerinnen von Femen Deutschland, sagt: "Femen ist nicht antideutsch."

Khanova ärgert sich spürbar über die Aktion. Als die ersten Bilder rumgingen, musste sie erst mal nachschauen, wer "Bomber Harris" war. Jetzt sagt sie: Keine Femen-Frau könne "hinter diesem Spruch stehen", schließlich sei man gegen Krieg und gegen Gewalt und danke "keinen Kriegsverbrechern". "Wir vermummen uns auch nicht, sondern tragen Verantwortung und erklären unsere Slogans."

Khanova steht für Disziplin und klare Ansagen. Femen-Aktionen müssen abgesprochen sein, mit dem Deutschland-Zweig und den Chefinnen aus der Ukraine. Khanovas Fazit: "Das war unverantwortlich von unserer Aktivistin und der anderen Frau."

Der Satz leitet dann zur zweiten Welle des Ärgers über. Eine Beteiligte war eine Berliner Femen-Aktivistin, die unter dem Pseudonym Debbie Anderson auftritt. Aber wer war da "die andere Frau", die den Bomber-Harris-Spruch aufgepinselt hatte? Khanova sagt: "Wir kennen sie nicht."

Dankte eine Piratenpolitikerin Bomber Harris?

Hier kommt der "Berliner Kurier" ins Spiel, der am Montag zur umstrittenen Aktion fragte: "War eine Neuköllner Politikerin beteiligt?" Das Boulevard-Blatt will enthüllt haben, dass es sich um die Piratin Anne Helm handelt.

Die 27-Jährige sitzt in der Bezirksverordnetenversammlung Neukölln, kandidiert für das Europaparlament und war mal die Synchronstimme von "Schweinchen Babe". Helm ist seit Jahren in der Flüchtlings- und Antirassismus-Szene unterwegs, schrieb kürzlich einen Blogpost, in dem sie erklärte, warum sie "ohne Antifa-Strukturen keine Politik" machen könne. Am vergangenen Donnerstag hatte sie auf Twitter das Foto der Aktion geteilt.

Spätestens seit der "Kurier"-Geschichte tobt dann auch in der Piratenpartei ein heftiger Streit über die Aktion. Linke Freibeuter zoffen sich seit Tagen mit liberalen Parteifreunden über das "#Bombergate".

Für viele Piraten scheint klar, dass es wirklich Helm war, die auf Femen-Art dem Weltkriegsbomber dankte. Eifrige Parteifreunde verglichen andere Fotos mit der Dresden-Aktion, auch der "Kurier" betont, er verfüge "über stichhaltige Indizien".

Helm selbst schwieg, bis zum Mittwochmittag. Dann veröffentlichte ihre Partei eine Stellungnahme, um den "politischen Kontext ins richtige Licht zu rücken". "Den alliierten Streitkräften zu danken, die das Nazi-Regime besiegten, sehe ich nicht als falsch an. Kriegsopfer dürfen jedoch keinesfalls verhöhnt werden", schreibt Helm darin. Ob sie es war, die oben ohne dem Bomber dankte, sagt sie nicht.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 112 Beiträge
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Seite 1
egbert_sass 19.02.2014
1. Selten dämliche Aktion
In Dresden gab es zum Zeitpunkt des Bombenangriffs so gut wie keine deutschen Truppen, und mithin auch wenige Männer im wehrfähigen Alter. Es traf also hauptsächlich Alte, Frauen und Kinder. Und jetzt bedankt sich ausgerechnet eine Frauenrechtlerin dafür? Schwer zu verstehen. Auf die Begründung wäre ich gespannt.
RioTokio 19.02.2014
2.
Zitat von sysopEine Femen-Aktion feierte einen Weltkriegsgeneral, der deutsche Städte bombardieren ließ. Es folgten mehrere Wellen der Empörung - auch weil offenbar eine Berliner Politikerin beteiligt war. Eine kleine Geschichte über Disziplin beim Busenprotest, Kriegsgedenken und Antideutsche. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/femen-aktion-in-dresden-zu-bomber-harris-sorgt-fuer-streit-a-954246.html
Frau Helm behauptet ja, dass Sie es nicht ist die ihre Freude über 25000 Bombenopfer in Dresden - die meisten Frauen, Kinder und Alte - als Femen verkündet. Sie war aber selbst zu dämlich wenigstens einen anderen Gürtel zu verwenden als bei ihrem Oben-Ohne Protest gegen Vergewaltigungen: http://www.berliner-kurier.de/politik---wirtschaft/25-000-menschen-starben---sie-dankt-dem-bomber-berliner-femen-aktivistin-verhoehnt-die-bomben-opfer-von-dresden,7169228,26217606.html Bei so viel Menschenverachtung kommt es auf eine Lüge aber auch schon nicht mehr an...
cirus27 19.02.2014
3. es reciht nicht aus, keine meinung zu haben,
man muß auch unfähig sein, sie auszudrücken. dank für die systematische bombardierung des bomber command unter leitung von arthur harris der zivilbe- völkerung? dafür schämen sich inzwischen die briten selbst. dann schon lieber nackt auf altäre hüpfen!!
skade 19.02.2014
4. optional
" Als die ersten Bilder rumgingen, musste sie erst mal nachschauen, wer "Bomber Harris" war. " "Aber wer war da "die andere Frau", die den Bomber-Harris-Spruch aufgepinselt hatte? Khanova sagt: "Wir kennen sie nicht."" null Geschichtskentnisse, lassen sich wie Marionetten von anderen leiten, aber wollen als politische Gruppe ernst genommen werden. Das beweist wieder mal mehr, das die Femen nur eine reine Kaspertruppe von unreifen Frauen sind, die nur im Rampenlicht stehen wollen. Im Englischen gibts dafür ein Wort...attention whores
kiltbear 19.02.2014
5. Piratin?
Zitat von sysopEine Femen-Aktion feierte einen Weltkriegsgeneral, der deutsche Städte bombardieren ließ. Es folgten mehrere Wellen der Empörung - auch weil offenbar eine Berliner Politikerin beteiligt war. Eine kleine Geschichte über Disziplin beim Busenprotest, Kriegsgedenken und Antideutsche. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/femen-aktion-in-dresden-zu-bomber-harris-sorgt-fuer-streit-a-954246.html
Wieso wundert mich das nicht? Bald sind Europawahlen und wenn sich diese Gurkentruppe nicht untereinander zerfleischt, hört man ja nichts mehr von denen.
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