Feminismus-Debatte: Schwarzer wirft Ministerin Schröder Inkompetenz vor

Alice Schwarzer greift Kristina Schröder an, nennt die Familienministerin "schlicht ungeeignet". Anlass ist ein SPIEGEL-Gespräch, in dem die CDU-Politikerin mit dem Feminismus abzurechnen versucht hatte - da habe die Frau  "mit billigen Klischees" argumentiert.

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dapd

Alice Schwarzer: "Billige Klischees"

Köln/Hamburg - Familienministerin Kristina Schröder hat viele Bücher von Alice Schwarzer gelesen, das hat sie im Gespräch mit dem SPIEGEL erklärt - und gleichzeitig mit der Frauenbewegung abgerechnet. Nun antwortet Schwarzer mit einem offenen Brief an die Ministerin, in dem sie scharfe Kritik an Schröders Thesen zum Feminismus äußert.

Schwarzer wirft Schröder Inkompetenz und "Stammtischparolen" vor. Seit Schröders fast einjähriger Amtszeit habe sich weder die Lage der Familien verbessert noch sei die Gleichberechtigung der Frau vorangekommen. "Was immer die Motive der Kanzlerin gewesen sein mögen, ausgerechnet Sie zur Frauen- und Familienministerin zu ernennen - die Kompetenz und Empathie für Frauen kann es nicht gewesen sein", schreibt Schwarzer.

In ihrem Brief bezieht sich Schwarzer unter anderem auf Schröders Äußerungen zum "frühen Feminismus", der nach Auffassung der CDU-Politikerin übersehen habe, "dass Partnerschaft und Kinder Glück spenden", für ihn sei die Homosexualität "die Lösung der Benachteiligung der Frau gewesen". Dazu schreibt Schwarzer: "Frau Ministerin, ein so billiges Klischee wagen Sie doch nicht allen Ernstes über die folgenreichste soziale Bewegung des 20. Jahrhunderts zu verbreiten?"

Kritik übt Schwarzer auch an Schröders Position, die Überzahl weiblicher Lehrer und Erzieher sei schädlich für junge Männer ("Einen Feminismus, der die Jungs bewusst vernachlässigt, halte ich für unmoralisch") - ein solcher Vorwurf an feministische Pädagoginnen sei "unmoralisch", lautet Schwarzers Vorwurf an Schröder, die im SPIEGEL-Gespräch gesagt hatte, dass in Deutschland "das Thema Jungen- und Männerpolitik sträflich vernachlässigt" werde. Es gebe zudem keinerlei wissenschaftliche Belege dafür, dass die Überrepräsentanz weiblicher Pädagogen verantwortlich für die Probleme von Jungen sei, so Schwarzer: "'Schuld ist eher ein verunsichertes Verständnis von 'Männlichkeit', eine Männerrolle, bei der es als uncool gilt, zu lernen, und als cool, zu pöbeln - und Pornos zu konsumieren."

Schwarzer fühlt sich offenbar auch persönlich von Schröder angegriffen: "Sodann bürsten Sie mich ab, klar", schreibt die Kölnerin. Schröder behaupte "hanebüchenen Unsinn" über ihre - Schwarzers - Bücher, die sie wohl nicht richtig gelesen habe. Es gäbe noch viel zu sagen, schreibt Schwarzer in dem Brief, um dann folgendermaßen fortzufahren: "Aber darf ich offen sein? Ich halte Sie für einen hoffnungslosen Fall. Schlicht ungeeignet. Zumindest für diesen Posten. Vielleicht sollten Sie Presse-Sprecherin der neuen, alten so medienwirksam agierenden, rechtskonservativen Männerbünde und ihrer Sympathisanten werden."

hen/dpa

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insgesamt 526 Beiträge
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1. ;)
Wheredoyouwanttogotoday? 08.11.2010
Liebe Alice, bitte gib niemals auf!!!!
2. nö, kein Titel
geishapunk 08.11.2010
Zitat von sysopAlice Schwarzer*greift Kristina Schröder an, nennt die Familienministerin "schlicht ungeeignet". Anlass ist ein SPIEGEL-Gespräch, in dem die CDU-Politikerin mit dem Feminismus abzurechnen versucht hatte - *da habe*die Frau *"mit billigen Klischees" argumentiert. *
Tja, und wo wäre da der Unterschied zu Frau Schwarzer selbst?
3. alice schwarzer..
guertelr 08.11.2010
... der pitbull unter den emanzen :-) Vielen Dank an Sie Fr. Schwarzer, dass es für Frauen uncool geworden ist, hinter dem Herd zu stehen und sich intensiv um die Kinder zu kümmmern, der Rückhalt der Familie zu sein, anstatt Karriere zu "konsumieren" auf Teufel komm raus, da ansonsten ein erfülltes Leben wohl nicht möglich ist
4. Würde micht nicht wundern.
helmar 08.11.2010
Zitat von sysopAlice Schwarzer*greift Kristina Schröder an, nennt die Familienministerin "schlicht ungeeignet". Anlass ist ein SPIEGEL-Gespräch, in dem die CDU-Politikerin mit dem Feminismus abzurechnen versucht hatte - da habe*die Frau *"mit billigen Klischees" argumentiert. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,727984,00.html
"Alice im Wunderland" wäre wohl auch eine Überschrift über den Artikel. Feminismus der aggressiven Natur ist nun mal nicht mehr wirklich zeitgemäß. Die Schwanzträger in der Gesellschaft sind selbst schon die Verlierer. Das fängt schon mal damit an, daß sie sich nicht so hübsch kleiden dürfen, wie die weibliche Belegschaft dieses Planeten. Wer das nicht glaubt, gucke sich einfach mal auf einem Kongress um... -Helmar
5. Postfeministischer Titel
Saggse 08.11.2010
Wie kommt die Frau Ministerin aber auch dazu die absoluten Wahrheiten der Frau Schwarzer (so ideologisch diese auch sein mögen) in Frage zu stellen, und dabei auch noch mit gesundem Menschenverstand zu argumentieren? Mit gesundem (oder vielleicht doch allgemeiner) Menschenverstand konnte Frau Schwarzer, so wie jede andere ideologiezerfressene Leitfigur,allerdings nochnie etwas anfangen. Frau Schwarzer ist einfach nur noch eine bedauernswerte Karikatur einer Revolutionärin geworden (falls sie jemals etwas anderes war...)
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