Bundespräsidenten-Sprecherin Forudastan: Gaucks Neue

Von Florian Gathmann

Die Personalie hat viele überrascht: Die linksliberale Journalistin Ferdos Forudastan ist neue Sprecherin von Bundespräsident Joachim Gauck - sie nimmt auf einem Schleudersitz Platz.

Neue Präsidenten-Sprecherin Forudastan: Sie wird im schwarz-gelben Lager genau beäugtZur Großansicht
dapd

Neue Präsidenten-Sprecherin Forudastan: Sie wird im schwarz-gelben Lager genau beäugt

Berlin - Der Start in den neuen Job ging schon mal schief: Zwei große Koffer hatte Ferdos Forudastan bei einem Zustelldienst aufgegeben, damit sie unbeschwert von Köln nach Berlin mit der Bahn reisen konnte - doch das Fahrzeug mit ihrem Gepäck wurde gestohlen. Nicht ein vorzeigbares Kleidungsstück blieb der neuen Sprecherin von Bundespräsident Joachim Gauck für ihre Vorstellung im Garten von Schloss Bellevue. Es musste eiligst Ersatz gekauft werden. Also steht sie an diesem Mittwochnachmittag in einem nagelneuen taubenblauen Kleid auf dem Rasen des Präsidenten-Sitzes und sagt: "Ich freue mich und bin neugierig auf meine Aufgabe."

Forudastan, 51, hat beschlossen, den Kofferklau als gutes Omen zu verstehen. Nach dem Motto: Wenn so was gleich am Anfang passiert, kann der Rest nur noch besser werden.

Aber es ist sowieso eine kuriose Geschichte, diese jüngste Gauck-Personalie. Forudastan besetzt seit Anfang der Woche einen Posten, für den sie eigentlich wegen des politischen Lagerproporzes überhaupt nicht in Frage kommt: Eine Frau aus den schwarz-gelben Reihen sollte künftig für Gauck sprechen, das war seit seinem Amtsantritt der Plan - doch eine entsprechende Kandidatin war offenbar nicht zu finden. Mit Forudastan wird nun eine Frau Kommunikationschefin im Bundespräsidialamt, die viele klar im rot-grünen Lager verorten.

Sie arbeitete für die "taz" und die "Frankfurter Rundschau"

Ferdos Forudastan - geboren in Freiburg, Mutter Deutsche, Vater Iraner - machte sich seit Ende der achtziger Jahre als Bonner Korrespondentin der linken Tageszeitung "taz" einen Namen, später schrieb sie für die linksliberale "Frankfurter Rundschau". In der Union dürften sich viele deshalb besonders gut an die Journalistin Forudastan erinnern, weil sie damals für die Bundestagsfraktion von CDU und CSU zuständig war. In den vergangenen Jahren arbeitete die Trägerin des Theodor-Wolff-Preises vor allem für den Deutschlandfunk und den Westdeutschen Rundfunk.

Dazu kommt: Forudastan ist mit dem ehemaligen Grünen-Spitzenmann Michael Vesper - von 1995 bis 2005 Minister und stellvertretender Regierungschef von Nordrhein-Westfalen - verheiratet und hat mit ihm drei Kinder. Vesper ist heute als Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes einer der mächtigsten Sportfunktionäre des Landes, aber für das schwarz-gelbe Lager bleibt er ein Grüner.

Und nun spricht diese Frau für Joachim Gauck, nachdem einige zentrale Posten im Bundespräsidialamt seit seinem Antritt mit offensichtlich rot-grünem Personal besetzt wurden - Staatssekretär David Gill, Gaucks Büroleiterin Deike Potzel und sein persönlicher Referent Johannes Sturm laufen auf SPD-, der bisher als kommissarischer Sprecher amtierende Andreas Schulze auf Grünen-Ticket.

Bei Schwarz-Gelb wird man genau hinschauen

Von Unmut im schwarz-gelben Lager war nach der Bekanntgabe der Personalie Forudastan im Juli die Rede; dort wird man nun sehr genau hinschauen, wie Gaucks neue Sprecherin ihren Dienst versieht. Denn dass der Präsident einige Duftmarken gesetzt hat, die auch als Abgrenzung zur CDU-Kanzlerin Angela Merkel verstanden werden konnten - vor allem die Ausführungen bei seiner Israel-Reise zum Verhältnis Berlin-Tel Aviv und sein Kommentar zu Merkels Euro-Politik - hat man in Reihen von Union und FDP nicht vergessen.

Die andere spannende Frage wird sein: Wie kommt die als ausgesprochen selbstbewusst geltende Journalistin Forudastan mit dem als ausgesprochen selbstbewusst geltenden Staatsoberhaupt Gauck zurecht? Zumal sie zwar eine Menge journalistische Meriten mitbringt in den Job, aber keinerlei Erfahrung als Sprecherin. Auch das Vertrauensverhältnis zwischen dem Präsidenten und seiner neuen Sprecherin muss erst wachsen, sie kannten sich bislang kaum.

Glücklich geworden ist in den vergangenen Jahren kaum einer auf dem Posten des obersten Präsidenten-Kommunikators: Angefangen mit Martin Kothé, der dem Politik-Seiteneinsteiger Horst Köhler bei Amtsantritt als Sprecher-Profi an die Seite gestellt wurde. Kothé, zuvor jahrelange Sprachrohr der FDP, schmiss im April 2010 hin. Als Nachfolgerin wurde die erfahrene Journalistin Petra Diroll verpflichtet - doch kurz vor ihrem Start in Schloss Bellevue trat der amtierende Bundespräsident zurück. Mit dem neuen Staatsoberhaupt Christian Wulff wurde Olaf Glaeseker erster Präsidenten-Kommunikator, zuvor Sprecher des Niedersachsen als Regierungschef in Hannover: Glaeseker musste Ende Dezember 2011 im Zuge der Wulff-Affäre gehen.

Es ist kein leichter Job, für ein deutsches Staatsoberhaupt zu sprechen: Der Bundespräsident muss staatstragender auftreten als jeder andere Politiker in Deutschland - aber dennoch Akzente setzen. Ab und zu muss Gauck raus aus dem Goldenen Käfig, zu weit darf er allerdings nicht davon flattern.

Auf diesem Grat wandert nun Ferdos Forudastan.

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insgesamt 5 Beiträge
thomasmünchner 05.09.2012
Ich finde diesen Satz sehr entlarvend für die deutsche Medienlandschaft, aus der idR. die Sprecher rekrutiert werden...
Zitat von SpOn... *Eine Frau aus den schwarz-gelben Reihen sollte künftig für Gauck sprechen, das war seit seinem Amtsantritt der Plan - doch eine entsprechende Kandidatin war offenbar nicht zu finden.* Mit Forudastan wird nun eine Frau Kommunikationschefin im Bundespräsidialamt, die viele klar im rot-grünen Lager verorten...
Ich finde diesen Satz sehr entlarvend für die deutsche Medienlandschaft, aus der idR. die Sprecher rekrutiert werden...
hubertrudnick1 05.09.2012
Diese Sprecherin soll doch nur ein Hofberichterstatterin im Sinne der Konservativen sein, selbstständiges denken und handeln sind nicht erwünscht. Man möchte keine bösen Überraschungen erleben, denn es kann ja nicht sein, [...]
Zitat von sysopDie Personalie hat viele überrascht: Die linksliberale Journalistin Ferdos Forudastan ist neue Sprecherin von Bundespräsident Joachim Gauck - sie nimmt auf einem Schleudersitz Platz. Ferdos Forudastan amtiert als neue Sprecherin von Joachim Gauck - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,854026,00.html)
Diese Sprecherin soll doch nur ein Hofberichterstatterin im Sinne der Konservativen sein, selbstständiges denken und handeln sind nicht erwünscht. Man möchte keine bösen Überraschungen erleben, denn es kann ja nicht sein, dass aus dem Präsidialamt vielleicht kritische Sätze zur Frau BK Merkel, oder einer ihrer Höflinge kommen könnten. Der Herr Bundespräsident soll doch nur das in seinen Reden hervorheben was die Konservativen für richtig erachten. HR
tsitsinotis 05.09.2012
Ich glaube, Daniela Schadt ist eine kluge Frau.
Ich glaube, Daniela Schadt ist eine kluge Frau.
brux 06.09.2012
Die beiden vorherigen Sprecher waren mir gar nicht aufgefallen. Warum braucht jemand, der eh nur Sonntagsreden halten darf, einen Pressesprecher? Ein solcher ist für die Erläuterung der Tagesaktualitäten zuständig, diese kommen [...]
Die beiden vorherigen Sprecher waren mir gar nicht aufgefallen. Warum braucht jemand, der eh nur Sonntagsreden halten darf, einen Pressesprecher? Ein solcher ist für die Erläuterung der Tagesaktualitäten zuständig, diese kommen aber für den BP gar nicht vor.
kritischestimme 06.09.2012
„ Eine Frau aus den schwarz-gelben Reihen sollte künftig für Gauck sprechen, das war seit seinem Amtsantritt der Plan……….“ Was wird uns hier wieder vorgegaukelt !! Wer sich intensiv mit den Medienberichten ( z.B. [...]
„ Eine Frau aus den schwarz-gelben Reihen sollte künftig für Gauck sprechen, das war seit seinem Amtsantritt der Plan……….“ Was wird uns hier wieder vorgegaukelt !! Wer sich intensiv mit den Medienberichten ( z.B. http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=993 ) über die personelle Wahlkampfausstattung des Bewerbers Gauck durch die SPD u. den Grünen schon vor der ersten nicht gelungenen Wahl bis hin zur zweiten Wahl und die überfallartige Einvernahme aller Schaltstellen des Bundespräsidialamtes ( dies hat es früher nie gegeben, scheint aber bei Kirchenleuten so üblich) beschäftigt, erkennt schnell, dass es sich bei dieser obigen Aussage nur um ein Alibi-/ Ablenkungsstatement handelt. Nein, hier wird ganz eindeutig einseitige Parteipersonalpolitik betrieben, „ als Dank dafür, dass endlich - „ Hallo Herr Taxifahrer – Sie fahren jetzt den zukünftigen Bundespräsidenten“ ( zitiert aus Medienberichten ) sein großer Traum, wie seine Enkelin auch schon erzählte, wahr geworden ist. Nützlich war da sicher auch die höchst stringente SPD- Ausrichtung des Medienverlages ( NN ) der früheren Innenressort - Leiterin Daniela Schadt ( Lebenspartnerin des noch verheirateten BP und Kirchenmanns )
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  • Mittwoch, 05.09.2012 – 17:26 Uhr
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