Festnahme der Qaida-Verdächtigen: Auf der Spur des Lötkolbens

Grillanzünder für den Bombenbau, Kommunikation via USB-Stick - neue Details zeigen nach SPIEGEL-Informationen, wie die al-Qaida-Verdächtigen von Düsseldorf vorgingen. Innenminister Friedrich will nach dem Ermittlungserfolg von BKA, CIA und marokkanischem Geheimdienst jetzt die Anti-Terror-Gesetze verlängern.

Festgenommener Qaida-Verdächtiger: "Test" alarmierte Ermittler Zur Großansicht
dapd

Festgenommener Qaida-Verdächtiger: "Test" alarmierte Ermittler

Karlsruhe/Hamburg - Mitte voriger Woche erfolgte der Zugriff. Als Abdeladim K. mit Jamil S. über einen "Test" sprach, entschieden die Ermittler, dass es nun höchste Zeit war zu handeln. Der "Test" an sich wäre vermutlich gefährlich genug gewesen. Doch die Chemikalien, die K. und S. möglicherweise dafür verwenden wollten, waren überdies in einem Mehrfamilienhaus deponiert, es drohte also Gefahr für andere Menschen. Denn "Test", das bedeutete: K. und S. planten einen Probelauf - für einen Terroranschlag in Deutschland.

K., S. und Amid C. wollten mit einer Splitterbombe ein Blutbad anrichten. Sie wollten einen mit Metallteilen versetzten Sprengsatz in einer größeren Menschenmenge explodieren lassen, so sagte es der stellvertretende Generalbundesanwalt Rainer Griesbaum.

Die Festnahme von K., S. und C. - alle drei mutmaßliche Qaida-Mitglieder - führt nun dazu, dass Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) die Anti-Terror-Gesetze verlängern will, wie er der "Bild am Sonntag" sagte. "Mit den Festnahmen zeigt sich, wie sinnvoll etwa die Übertragung von Aufgaben des internationalen Terrorismus auf das Bundeskriminalamt im Jahre 2009 war. Und es zeigt sich, wie sehr wir unsere Bevölkerung schützen müssen", sagte Friedrich. Diesen Schutz gewährleisteten auch die Anti-Terror-Gesetze, die Ende des Jahres auslaufen.

Hinweise vom Hamburger Terrorverdächtigen

Der Festnahme der drei Verdächtigen gingen monatelange Ermittlungen voraus, an denen neben den deutschen Behörden auch die CIA und der marokkanische Geheimdienst beteiligt waren. Das Bundeskriminalamt (BKA), dem im Rahmen der Anti-Terror-Gesetzgebung besondere Kompetenzen bei der Bekämpfung des internationalen Terrorismus zufallen, schuf dafür eigens eine sogenannte Besondere Aufbauorganisation namens "Komet".

Die Düsseldorfer Terrorgruppe war im Herbst 2010 ins Blickfeld der Ermittler geraten, nachdem der in Afghanistan festgenommene Hamburger Terrorverdächtige Ahmad Sidiqi und ein weiterer deutscher Informant über mehrere angebliche Terrorzellen ausgesagt hatten. Diese Zellen würden Anschläge in Deutschland vorbereiten. Daraufhin hatte der damalige Innenminister Thomas de Maizière (CDU) die Öffentlichkeit informiert.

Bei der anschließenden Fahndung stießen die Ermittler auch auf K., den Hauptverdächtigen, einen 29-Jährigen marokkanischer Abstammung. Der ehemalige Maschinenbaustudent der Universität Bochum war exmatrikuliert worden und hatte das Land verlassen müssen. Später war er illegal wieder eingereist. Ein zweiter Verdächtiger hat offenbar als Elektriker gearbeitet. Dieser soll, so formulierte es BKA-Chef Jörg Ziercke, in Düsseldorf in einem "sehr westlich geprägten Umfeld" aufgewachsen sein.

Kommunikation über Callshops und USB-Sticks

Auf K.s Computer installierte das BKA einen Trojaner für eine Online-Durchsuchung - sowie Software für eine Telekommunikationsüberwachung. Der Lauschangriff ergab zum Beispiel, dass die Beschuldigten darüber nachgedacht haben, den Sprengsatz "an einer Bushaltestelle oder in einem Bus" zu zünden.

Auch hätten die drei in abgehörten Gesprächen den Bombenanschlag in Marrakesch "freudig begrüßt", so Ziercke. Bei dem Attentat am Donnerstag waren 16 Menschen getötet worden. "Marrakesch hätte ein stimulierendes Ereignis sein können", sagte Ziercke. Auch deshalb hätten sich die Fahnder zu einer schnellen Festnahme entschlossen, obwohl die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen waren.

Die Polizei erfuhr außerdem von K.s regem Kontakt mit einem hochrangigen Funktionär der al-Qaida im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet. Anfang vergangenen Jahres soll K. in ein Qaida-Ausbildungslager in der Region gereist sein. Dort habe er von einem hochrangigen Mitglied des Terrornetzwerks den Auftrag erhalten, in Deutschland einen Sprengstoffanschlag zu verüben.

Als K. beim Kauf eines Lötkolbens beobachtet wurde, fürchteten die Ermittler, dass sich Anschlagsvorbereitungen konkretisieren könnten. Die intern als "Düsseldorfer Zelle" bezeichnete Gruppe um K. hatte sich außerdem Substanzen wie Diesel, Wachs sowie Grillanzünder beschafft; Stoffe, die sich für den Bau eines Sprengsatzes eignen. Die technischen Vorbereitungen zum Bombenbau waren allerdings noch nicht abgeschlossen. Zuletzt versuchten zwei der drei, aus den Grillanzündern Hexamin zu gewinnen, um einen Zünder für die Bombe herzustellen.

Zur Jahreswende war K. aber zunächst nach Marokko gereist und kehrte erst im März zurück. Die von den marokkanischen Behörden informierten deutschen Ermittler observierten ihn seither rund um die Uhr. Dabei habe er sich "hoch konspirativ" verhalten, wie es in Ermittlerkreisen heißt: Mit seinen Komplizen, dem 31 Jahre alten Deutsch-Marokkaner S. und dem 19-jährigen Deutsch-Iraner C., ein Gymnasiast kurz vor dem Abitur, habe K. verschlüsselt kommuniziert, über Callshops und USB-Sticks. Die beiden sollen ihn bei der Umsetzung der Terrorpläne unterstützt haben.

Die Beschuldigten seien Mitglieder eines Netzwerks von sieben bis acht Personen gewesen, sagte Ziercke. "Aber es können auch mehr sein." Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen. Dennoch hätten sich die Ermittler zur Festnahme entschlossen, um "mögliche Schäden Unbeteiligter auszuschließen".

tdo/dpa

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insgesamt 157 Beiträge
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    Seite 1    
1. hoch konspirativ
ralfbb 01.05.2011
Zitat von sysopGrillanzünder für den Bombenbau, Kommunikation via USB-Stick - neue Details zeigen nach SPIEGEL-Informationen, wie die al-Qaida-Verdächtigen von Düsseldorf vorgingen. Innenminister Friedrich will nach dem Ermittlungserfolg von BKA, CIA und marokkanischem Geheimdienst jetzt die Anti-Terror-Gesetze verlängern. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,759943,00.html
Ob das hilft? Als ich neulich nach hause gelaufen bin, hat sich ein optisch auffallender mann meiner meinung nach auch "etwa konspirativ" verhalten, aber das LKA hat dann gesagt "da goennen wir nun auch nich machen."
2. xxx
Dumpfmuff3000 01.05.2011
Zitat von sysopGrillanzünder für den Bombenbau, Kommunikation via USB-Stick - neue Details zeigen nach SPIEGEL-Informationen, wie die al-Qaida-Verdächtigen von Düsseldorf vorgingen. Innenminister Friedrich will nach dem Ermittlungserfolg von BKA, CIA und marokkanischem Geheimdienst jetzt die Anti-Terror-Gesetze verlängern. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,759943,00.html
Antiislamminister Friedrich nimmt den fünfundzwanzigsten aufgeflogenen Möchtegernterroranschlag in Folge zum Anlaß, für einen Abbau von Bürgerrechten zu plädieren. Neue Details zeigen, daß die Verdächtigen einen USB-Stick und einen Al Quaida-Mitgliedsausweis besaßen.
3. Terroranschlag
psycheciety 01.05.2011
Was mich immer wieder wundert ist, dass es bisher keinen (größeren) Anschlag hier in D gegeben hat. Wer WIRKLICH einen Anschlag ausführen will, der würde das auch schaffen. So lückenlos ist die Beobachtung der Bevölkerung nun dann doch eher nicht. Die Freiheitsrechte leiden unter dem Terror, obwohl zugegebenermaßen die Eingriffe in diese Rechte noch relativ unauffällig stattfinden, ohne die Lebensqualität der Bevölkerung zu "behindern". Aber ich lasse mich auch eines besseren belehren, wenn meine Annahmen falsch sein sollten... psy
4. .
mws 01.05.2011
Zitat von sysopInnenminister Friedrich will nach dem Ermittlungserfolg von BKA, CIA und marokkanischem Geheimdienst jetzt die Anti-Terror-Gesetze verlängern.
Daher weht der Wind. Wie passend, dieser "Fahndungserfolg", so kurz vor der anstehenden Verlängerung...
5. .....
chefkoch1 01.05.2011
Zitat von sysopGrillanzünder für den Bombenbau, Kommunikation via USB-Stick - neue Details zeigen nach SPIEGEL-Informationen, wie die al-Qaida-Verdächtigen von Düsseldorf vorgingen. Innenminister Friedrich will nach dem Ermittlungserfolg von BKA, CIA und marokkanischem Geheimdienst jetzt die Anti-Terror-Gesetze verlängern. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,759943,00.html
Lötkolben? Grillanzünder? Steht MacGyver eigentlich auch auf der CIA Gehaltsliste? http://de.wikipedia.org/wiki/MacGyver Wie ich bereits gestern postetete: Die nötigen "Erfolgsmeldungen" gehören unbedingt hinzu, will man die Bürger immer mehr in ihrer Freiheit beschneiden bzw. ausspionieren: Eingentlich müsste die Bevölkerung vor ihren Politikern geschützt werden. Nur vor medialer Verdummung muss sich jeder selber schützen....
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