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Festnahme in Südbaden: Neonazi wegen möglicher Anschlagspläne in Haft

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Er hortete Waffen, informierte sich über Sprengstoff, hantierte mit explosiven Chemikalien, bastelte an Zündern: Die Polizei hat in Südbaden einen jungen Neonazi festgenommen, der möglicherweise einen Bombenanschlag plante. Der Mann gehörte zur Nachwuchsorganisation der NPD.

Neonazi unter Verdacht: In Stunden zum Sprengstoff Fotos
DPA

Berlin - Es war ein erstaunliches Arsenal, das den Ermittlern bei der Hausdurchsuchung im baden-württembergischen Weil am Rhein am vergangenen Mittwoch in die Hände fiel: Chemikalien, Zündschnüre, elektrische Bauteile für Fernzünder, Teile zum Bau von Rohrbomben, Fachliteratur über Sprengstoffe, Gewehre, Pistolen, zahlreiche Messer, Dolche, Bajonette. "Bei seiner Festnahme führte er zwei Messer im Rucksack und eines im Gürtel mit sich", sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag in Lörrach.

Alles in allem genug, dass ein Richter am Donnerstag Haftbefehl gegen den 22-Jährigen erließ. Er sitzt nun in Untersuchungshaft. Der Festgenommene gehört zur Südbadener Neonazi-Szene. Die Polizei, die ihm durch eine anonyme Anzeige auf die Spur kam, fand bei der Razzia einen Mitgliedsausweis der "Jungen Nationaldemokraten", der Jugendorganisation der rechtsextremen NPD.

Ob der Mann schon tatsächlich konkrete Anschlagspläne hatte, ist noch ungewiss. Er ist der Polizei schon wegen anderer Delikte bekannt, und es scheint nicht so, als habe er nur zum Spaß mit den gefährlichen Stoffen hantiert. Über die vergangen Monate habe er sich diese in größeren Mengen besorgt. Der Rechtsextremist war möglicherweise dabei, eine funktionsfähige Bombe zu bauen.

Er sei offensichtlich aktiv damit beschäftigt gewesen, Sprengstoff herzustellen, erklärte die Polizei. In der Wohnung des Verdächtigen fanden die Ermittler auch verschiedene Laborgegenstände und selbstgebastelte Gerätschaften. Die erste Einschätzung der Sprengstoffspezialisten der Polizei: Die beschlagnahmten Chemikalien waren geeignet, innerhalb weniger Stunden Sprengstoff herzustellen. "In zwei bis vier Stunden hätte er etwas herstellen können, das mit einer Handgranate vergleichbar ist", sagte Jürgen Winkler von der Polizeidirektion Lörrach. "Fatale Explosionen" wären dann möglich gewesen.

Der Neonazi schweigt bislang gegenüber den Ermittlern. Offenbar handelt es sich bei dem festgenommenen um Thomas B., einen "Stützpunktleiter" der "Jungen Nationaldemokraten", der als solcher auch Mitglied des baden-württembergischen Landesvorstands der NPD-Jugend ist.

Anschläge gegen die Freiburger Antifa?

Lokale Antifa-Gruppen bezeichnen Thomas B. als "zentralste, aktivste und gefährlichste Figur in der Nazi-Szene rund um Lörrach" oder als "Schlüsselfigur in der Südbadener Nazi-Szene". Er sei in der Neonazi-Kameradschaft "Freie Kräfte Lörrach" aktiv und trete bei regionalen Aufmärschen von Rechtsextremisten als Helfer für den "Nationalen Sanitätsdienst" auf. Derzeit mache B. eine Ausbildung zum Altenpfleger in einem Pflegeheim in Lörrach.

Bei den sichergestellten Chemikalien soll es sich unter anderem um Kalkammonsalpeter, Wasserstoffperoxid, Schwefelsäure, Nitromethan und Calciumkarbid handeln, die er auch mit Hilfe anderer Rechtsextremisten beschafft haben soll, unter anderem soll auch ein lokaler NPD-Funktionär daran beteiligt gewesen sein. Dieser habe B. auch gedrängt, ein autonomes Zentrum in Freiburg auszuspionieren.

Ein mögliches Ziel für eine Bombe? "Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass als wahrscheinliches Anschlagsziel die Kreise der Antifa in Frage kommen", sagte der Leiter der Kriminalpolizei Lörrach, Engelbert Brüstle, am Donnerstag.

Der Neonazi habe sich in einem Internetshop auch einen "Ganzkörperanzug mit Kopfmaske, Händen und Füßen" aus Latex gekauft, behaupten Antifa-Autoren im Internet. Dieses "delikate Kleidungsstück", heißt es dort, könnte B. "neben seiner offensichtlichen Verwendung als Sexspielzeug auch für einen Bombenanschlag" verwenden - um DNA-Spuren zu vermeiden.

mit Material von AP und dpa

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Forum - NPD - wie umgehen mit den Rechtsradikalen?
insgesamt 1151 Beiträge
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1.
zbigbrz 13.08.2009
Zitat von sysopDie Hetze gegen einen CDU-Wahlhelfer in Thüringen hat für die NPD ein juristisches Nachspiel. Die Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen des Verdachts auf Volksverhetzung. Wie soll die Politik am besten mit Rechtsradikalen umgehen?
Mit dem Strafgesetzbuch. Verbot der Partei. Ist längst überfällig.
2.
kevin i. 13.08.2009
Zitat von zbigbrzMit dem Strafgesetzbuch. Verbot der Partei. Ist längst überfällig.
Meine Meinung.
3.
AEGtocas 13.08.2009
Zitat von sysopDie Hetze gegen einen CDU-Wahlhelfer in Thüringen hat für die NPD ein juristisches Nachspiel. Die Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen des Verdachts auf Volksverhetzung. Wie soll die Politik am besten mit Rechtsradikalen umgehen?
Am Besten die NPD verbieten. Was kann man dagegen machen? Aufklärung an den Schulen über Rassismus. Skinheads wegsperren. Der Kampf gegen rechts ist nicht so leicht wie man glauben könnte. Nur gemeinsam können wir das schaffen, indem wir unsere Kinder so erziehen, dass sie tolerant und offen sind.
4.
Dr. Allesklar 13.08.2009
Zitat von zbigbrzMit dem Strafgesetzbuch. Verbot der Partei. Ist längst überfällig.
Und dann? Meinen Sie, dadurch lösen sich die Rechtsradikalen in Luft auf?
5.
zbigbrz 13.08.2009
Zitat von Dr. AllesklarUnd dann? Meinen Sie, dadurch lösen sich die Rechtsradikalen in Luft auf?
Nein, aber ihr Goldesel, der Steuergelder ausspuckt.
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