Festrede Schröder lässt sich von Hedgefonds einspannen

Im Wahlkampf machte die SPD Stimmung gegen spekulative Anleger, die wie Heuschrecken über Firmen herfallen. Jetzt gibt ausgerechnet Gerhard Schröder den Festredner für einen umstrittenen Hedgefonds-Anbieter. Nach seinem Gasprom-Engagement droht dem Altkanzler erneut Kritik.

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München – Gerade erst war es wieder so schön wohlig sozialdemokratisch: SPD-Chef Matthias Platzeck brillierte am Aschermittwoch in Vilshofen mit einer Wiederanknüpfung an seines Vorgängers "Heuschreckenrede" vom vergangenen Sommer, und der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Struck teilte erst heute kräftig in Richtung deutscher Firmen aus, denen es an "nationalem Verantwortungsbewusstsein" fehle. Bei der im Koalitionsvertrag festgelegten Reichensteuer dürfe die SPD "nicht wackeln".

Gerhard Schröder: Der Altbundeskanzler stört die klassenkämpferische Sozi-Harmonie
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Gerhard Schröder: Der Altbundeskanzler stört die klassenkämpferische Sozi-Harmonie

Doch jetzt stört ausgerechnet der eigene Altbundeskanzler die klassenkämpferische Sozi-Harmonie: In der nächsten Woche will Gerhard Schröder auf einer Gala zum zehnjährigen Jubiläum des Hedgefonds-Anbieters Superfund in Wien auftreten und die Festrede halten.

Kleinanleger ködern, Investmentzertifikate verkaufen

Zwar betätigt sich das Unternehmen nicht als "Heuschrecke" im eigentlichen Sinne – Superfund spekuliert an den Terminmärkten, zerlegt keine Unternehmen – doch scheinen die Praktiken des umtriebigen Firmenchefs Christian Baha dubios: Normalerweise ziehen Hedgefonds Profianleger an. Nicht so Baha. Die Deutschlandtochter seiner Firma ködert Kleinanleger und verkauft Investmentzertifikate.

Im Steuerparadies Grenada hat Superfund einen Zentralrechner installiert, der die Markttrends erspüren und entsprechende Kauf- und Verkaufssignale aufzeigen soll. Eine für Kleinanleger außerordentlich riskante Strategie, die zudem wegen Intransparenz blindes Vertrauen erfordert. Im vergangenen Jahr brach die Phoenix Kapitaldienst, die Anleger mit ähnlichen Strategien warb, spektakulär zusammen: Es stellte sich heraus, dass vor allem Luftbuchungen getätigt worden waren.

Vor zwei Jahren stoppte die Bundesaufsicht für Finanzdienstleistungen (BaFin) Christian Baha vorübergehend in Deutschland: Der Österreicher musste den Vertrieb von Genussscheinen einstellen, seine Firma verfügte laut BaFin nicht über die erforderliche Genehmigung.

SPD: Schröder soll über "strenge Regelungen für Hedgefonds" reden

Doch mit einer aggressiven Marketingstrategie in Europa und den USA sowie neuen Produkten rappelte sich Baha wieder auf. Während Kleinanleger in die äußerst spekulativen Hedgefonds gelockt werden, erhebt Superfund bedenklich hohe Gebühren, darunter 25 bis 35 Prozent Gewinnbeteiligung. Auf einer Werbeveranstaltung in München sagte Superfund-Deutschland-Geschäftsführer Philipp David kürzlich: "Wir haben mit die höchsten Gebühren weltweit."

Nachdem Gerhard Schröder wegen seines Engagements beim russischen Konzern Gasprom bei manchem Sozialdemokraten bereits in der Kritik steht, wird die Festrede beim Superfund-Jubiläum sein Image nicht wirklich aufpolieren. Die SPD hält sich bedeckt: "Ich bin persönlich nicht berufen, die Auftritte des Ex-Bundeskanzlers zu bewerten", sagt der Bundestagsabgeordnete Florian Pronold SPIEGEL ONLINE. Nur unterschwellig gibt's vom SPD-Finanzpolitiker Kritik am ehemaligen Sozi-Vormann: "Ich gehe davon aus, dass er bei der österreichischen Hedgefonds-Gesellschaft auf die strengen Regelungen für Hedgefonds in Deutschland verweist, die unter seiner Regierungszeit eingeführt wurden", so Pronold.

Gerhard Schröder aber will laut Tagesordnung eher allgemein reden, über die "Zukunft der globalen Wirtschaft". Christian Baha hatte bisher eher weniger Glück mit großen Namen. Bei der Eröffnungsfeier des New Yorker Büros war Ex-Präsident Bill Clinton geladen. Der aber sagte ab: gesundheitliche Gründe. Zuvor hatten Bahas Leute außerdem verkündet, Clinton halte eine bezahlte Rede, werde mit seinem Auftritt aber nicht die Fondgesellschaft gut heißen. Vielleicht gibt es ja auch aus Schröders Büro noch eine ähnliche Erklärung.

Im Moment ist man dort eher genervt: "Warum wird da bloß immer nachgefragt", wundert sich Schröders Sekretärin und langjährige enge Mitarbeiterin Marianne Duden. Der Termin in Wien stehe seit langem fest. "Das wird schon eine gute Sache für uns werden", sagt sie.



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