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Finanzkrise: Rettungspaket für die Banken besiegelt

Ab Montag gilt's: Das Rettungspaket zur Bekämpfung der Finanzkrise ist unter Dach und Fach. Bundestag und Bundesrat stimmten dem 500-Milliarden-Euro-Eilgesetz zu. Nach der Unterschrift von Bundespräsident Köhler kann es in Kraft treten.

Berlin - Das Rettungspaket hat auch die zweite Hürde genommen: Die Länderkammer votierte einstimmig für das milliardenschwere Eilgesetz, das zuvor auch schon der Bundestag verabschiedet hatte. Das Gesetz soll schon bis zum Börsenbeginn an diesem Montag in Kraft treten. Dafür muss Bundespräsident Horst Köhler die Vorlage noch am Nachmittag gegenzeichnen.

Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) warb im Bundesrat vor dem Votum noch einmal für das Rettungspaket. Es gehe in erster Linie darum, eine "Liquiditätsklemme" durch einen gehemmten Handel zwischen den Kreditinstituten zu vermeiden. Letztlich gelte es aber, Vertrauen wiederherzustellen, die "wichtigste Währung für den Finanzmarkt".

Peer Steinbrück: Der Finanzminister warb im Bundesrat für das Rettungspaket
AP

Peer Steinbrück: Der Finanzminister warb im Bundesrat für das Rettungspaket

Steinbrück dankte den Ländern in der Sondersitzung für ihre konstruktive Mitarbeit. "Ein solches Verfahren ist nur bei außergewöhnlichen Situationen gerechtfertigt", sagte Steinbrück. "Es ging um Gefahrenabwehr, um die Abwehr von Schaden für die Bundesrepublik Deutschland."

Steinbrück räumte ein, in manchen Punkten "vielleicht falsch gelegen" zu haben. Bis weit in den September hinein sei das volle Ausmaß der Krise nicht erkannt worden. Die "Wasserscheide" habe vor und nach der Insolvenz der amerikanischen Bank Lehman Brothers gelegen. Steinbrück nannte den Kompromiss des Bundes mit den Ländern vom Vortag akzeptabel und der außergewöhnlichen Situation angemessen.

Danach sind die Länder allein für ihre Landesbanken zuständig. Zudem müssen sie sich wie geplant im Verhältnis 35:65 auch an dem Paket für die anderen Banken beteiligen. Allerdings werden ihre Lasten an dem Gesamtpaket auf 7,7 Milliarden Euro begrenzt. Die Länder sind mit einem Vertreter im fünfköpfigen Lenkungsausschuss vertreten. Dieser soll den Mittelfluss des Gesamtpaketes in einem Umfang von fast 500 Milliarden Euro kontrollieren.

In der Debatte sprachen fast alle Regierungschefs, wie etwa der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck, Hessens Roland Koch und ihr saarländischer Kollege Peter Müller von einem Beleg für die Handlungsfähigkeit des Föderalismus.

Etliche Ministerpräsidenten stellten heraus, dass die Hilfen dem Prinzip "Leistung und Gegenleistung" folgen sollen. Es sei richtig, dass im Falle einer Staatsbeteiligung an Banken Einfluss auf deren Geschäftspolitik, die Entscheidung über Dividenden und Managervergütungen genommen wird, sagte beispielsweise Baden-Württembergs Regierungschef Günther Oettinger. Koch wies darauf hin, die Probleme seien mit dem Gesetz nicht gelöst, es sei nur ein Instrumentarium zur Abwendung von Verwerfungen geschaffen worden.

Union und SPD hatten die Banken vor der Abstimmung im Bundestag aufgefordert, sich an den Milliardenhilfen zu beteiligen. SPD-Fraktionschef Peter Struck sagte, die Branche werde nicht "ungeschoren" davonkommen. "Die Arroganz der Banker wird ein- für allemal zu Ende sein müssen." Für mögliche Defizite aus den Stützungsmaßnahmen müssten die Institute selbst aufkommen. Struck bestätigte die SPD-Überlegungen für ein Konjunkturprogramm. Der Staat müsse schneller mehr Geld in Bildung, Infrastruktur und den Klimaschutz stecken.

Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) plädierte für niedrigere Steuern und Abgaben, um die Kaufkraft der Verbraucher anzukurbeln. Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) sagte, die Banken müssten ihren Beitrag leisten, aus der Krise herauszukommen. Es werde keine Leistung ohne Gegenleistung geben. Er forderte die Kreditinstitute auf, mehr Respekt vor kleinen Kunden und Sparern zu zeigen.

als/dpa/AFP

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