Betrugs-E-Mails Lösegeldforderung im Namen des Auswärtigen Amtes

Unbekannte Betrüger haben in den vergangenen Wochen versucht, bei Unternehmen Lösegeld für angeblich entführte Mitarbeiter einzusammeln. Das Außenamt warnt eindringlich vor der Masche.

Auswärtiges Amt in Berlin
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Auswärtiges Amt in Berlin

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Als am Wochenende eine E-Mail aus dem Büro von Außenstaatssekretär Andreas Michaelis bei einem Mittelständler in Norddeutschland einging, waren die dortigen Chefs erst einmal alarmiert. Scheinbar hochoffiziös teilte der Staatssekretär im Auswärtigen Amt (AA) von Minister Heiko Maas dem Unternehmen mit, einer seiner Mitarbeiter sei im Ausland entführt worden.

Die E-Mail wurde schnell konkret: Man solle sich sofort bei dem Absender melden. Demnach gebe es eine Lösegeldforderung, an dieser solle sich das Unternehmen beteiligen, nur so sei eine Freilassung des Entführten zu erreichen. Als Ansprechpartner wurde "Daniel Fischer", angeblich Assistent des Staatssekretärs, genannt.

Im Fall des norddeutschen Unternehmens klappte die Betrugsmasche nicht. Statt bei dem angeblichen Mitarbeiter meldeten sich die Firmenchefs beim Auswärtigen Amt direkt. Dort konnte man schnell beruhigen. Statt einer Entführung sei das Unternehmen Opfer eines versuchten Betrugs geworden.

Am Dienstag warnte das AA auch öffentlich vor dem sogenannten "CEO Fraud". Sprecherin Maria Adebahr erklärte, das Amt habe keinerlei derartige E-Mails versendet. Potenziellen Empfängern riet die Sprecherin, sich sofort an das Bundeskriminalamt zu wenden, dort laufen bereits Ermittlungen gegen die mutmaßlichen Betrüger.

Haben Unternehmen bereits gezahlt?

Die Masche an sich ist perfide. Schließlich kommt es im Ausland tatsächlich immer wieder zu Entführungen von Deutschen, meist fordern die Kidnapper ein Lösegeld. Gerade Großunternehmen entscheiden sich oft, lieber das Geld zu zahlen, statt sich auf langwierige Verhandlungen einzulassen.

Das AA bezeichnete den versuchten Betrug als höchst hinterhältig. Die E-Mails, so Sprecherin Adebahr, seien "geeignet, bei den betroffenen Unternehmen einen Handlungsdruck zu erzeugen und suggerieren, dass der Absender authentisch ist". Tatsächlich aber suche das AA "niemals" Kontakt zu Unternehmen, um Lösegelder einzutreiben.

Das AA kennt mehrere vergleichbare Fälle aus den vergangenen Wochen. Das Bundeskriminalamt bat alle betroffenen Unternehmen, sich umgehend bei den Ermittlern zu melden, damit sie den Hintermännern auf die Spur kommen können.

Ob es schon Fälle gab, in denen Unternehmen an die Betrüger gezahlt hat, wissen die Fahnder nicht. Möglich sei, heißt es, dass einige Firmen gezahlt hätten, ohne sich beim AA oder BKA zu melden.



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