Fischer nach Princeton "Ich freue mich riesig"

Joschka Fischer geht im Herbst als Gastprofessor an die US-Eliteuni Princeton und gibt dort ein Seminar über Internationale Krisendiplomatie. "Ich freue mich und bin aufgeregt", lässt sich der Ex-Außenminister von seinem künftigen Arbeitgeber zitieren.

Von Yassin Musharbash


Berlin - Joschka Fischers neuer Job hat einen Furcht und Respekt einflößend langen Titel: Ab dem Herbstsemester 2006 werde der frühere Außenminister "Frederick H. Schultz Class of 1951 Professor for International Economic Policy" im Range eines "Lecturers of Public and Internationale Affairs" sein, heißt es in der Pressemitteilung der renommierten Woodrow Wilson School die US-Eliteuni Princeton.

Fischer: Im Herbst nach Princeton
REUTERS

Fischer: Im Herbst nach Princeton

Das Dokument trägt allerdings das Datum von übermorgen. Denn die Nachricht über die Berufung des einstigen Obergrünen sollte eigentlich erst am Montag offiziell verbreitet werden. Nachdem der SPIEGEL Fischers akademischen Karrieresprung heute vorab meldete, gab Princeton die für Montag gedachte Pressemitteilung vorzeitig frei.

Der Kurs, den Fischer als erstes übernehmen wird, richtet sich demnach an noch nicht graduierte Studenten und trägt den Titel "Internationale Krisendiplomatie". Er wird ihn zusammen mit Professor Wolfgang Danspeckgruber leiten. Zusätzlich zu dieser Aufgabe wird Fischer als "senior fellow" am Liechtenstein Institute der Woodrow Wilson School fungieren und darüber hinaus Mitglied des EU-Programms der Princeton University sein.

"Die Mitglieder der Fakultät, ich und andere an der Universität freuen uns schon sehr, dass wir Joschka Fischer unter uns haben werden", erklärt Anne-Marie Slaughter, die Dekanin der Woodrow Wilson School, in der Pressemitteilung. Fischer selbst wird mit folgenden Worten darin wiedergegeben: "Ich freue mich sehr und bin aufgeregt, mich der Fakultät der Woodrow Wilson School an der Princeton University anzuschließen, der Institution schlechthin für Internationale Beziehungen in den USA". Der Schritt stelle eine "exzellente Gelegenheit" dar, "neue Projekte" anzuschieben.

Schon seit Monaten wird spekuliert, dass es Fischer zum Ausklang des Berufslebens an eine renommierte US-Universität zieht. Bislang hatte er entsprechende Gerüchte aber nie kommentieren wollen. Die Berufung zum Professor ist eine hohe Auszeichnung für den Autodidakten Fischer, der selbst nicht einmal studiert hat, allerdings mit einem Buch über die Weltpolitik nach dem 11. September 2001 zuletzt ein Werk mit durchaus wissenschaftlichem Anspruch vorgelegt hat.

Fischers Engagement in Princeton scheint mehr als eine Schmuck-Berufung und deshalb wohl auch mit einer weitgehenden Anwesenheit verbunden zu sein. Die Frage nach Fischers weiterer Angehörigkeit in der Bundestagsfraktion der Grünen dürfte darum nun in den kommenden Tagen erneut zum Thema werden. Es wird schon seit längerem in Grünen-Kreisen damit gerechnet, dass Fischer noch in diesem Jahr sein Mandat formell aufgibt. Durch die Princeton-Berufung zum Herbstsemester könnte dieser Schritt nun vorzeitig erfolgen.



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