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S.P.O.N. - Der Schwarze Kanal: Wahnwitz mit System

Eine Kolumne von

Windpark: Aberwitzig teuer, am Bedarf vorbeigeplant Zur Großansicht
DPA

Windpark: Aberwitzig teuer, am Bedarf vorbeigeplant

Teure Rüstungsprojekte, Agrarsubventionen: alles nichts im Vergleich zu den Kosten der Energiewende. Denn der Staat garantiert Investoren einen wahren Geldsegen. Im normalen Geschäftsleben sind solche Deals aus gutem Grund verboten.

Ich habe vergangene Woche mal nachgesehen, was eine Eiskugel in München kostet. Die Preise schwanken saisonbereinigt zwischen 80 Cent und 1,40 Euro. Die teuerste Eiskugel, die ich entdecken konnte, gibt es bei Häagen Dazs. Für eine Kugel Erdbeereis nehmen sie dort 2,50 Euro. Dafür sind angeblich auch ganze Erdbeerstücke drin.

Jürgen Trittin hat den Deutschen versprochen, die Energiewende werde sie nicht mehr als eine Eiskugel im Monat kosten. Das waren seine Worte, als er das erste Programm auf den Weg brachte, das jedem, der sich eine Solaranlage aufs Dach oder ein Windrad auf den Acker stellte, Geld garantierte.

Es gab schon damals eine Menge Leute, die vor den Folgen warnten, aber Wirtschaft hat die Grünen nie recht interessiert. Die SPD in Sachen Ökologie leider auch nicht, wie sich herausstellte, als Sigmar Gabriel Umweltminister wurde. Dass es mit Norbert Röttgen von der CDU kaum besser werden würde, hätte man sich dann schon denken können. Es lässt sich streiten, wer der teuerste Umweltminister des Landes war. In jedem Fall kommt im Vergleich erst einmal ganz lange nichts, keine aus dem Ruder gelaufene Rüstungsausgabe oder Agrarhilfe.

Es reicht eine Zahl, um den Irrsinn zu begreifen: Gut 19 Milliarden Euro haben die Deutschen vergangenes Jahr für Strom aus grünen Energien bezahlt, der am Markt nur zwei Milliarden Euro wert war. Über 17 Milliarden Euro haben die Verbraucher also zu viel bezahlt, das sind 215 Euro für jeden Bundesbürger und knapp 900 Euro für eine vierköpfige Familie.

Zu viel Strom aus Sonne und Wind

Für 900 Euro kann man schöne Sachen machen. Man kann eine Woche auf den Kanaren verbringen. Man kann endlich das Sofa ausmustern, das schon ziemlich hinüber ist. Oder für sich und seine Freunde eine ordentliche Party schmeißen. Aber aus all dem wird nichts. Die Bundesregierung findet, dass das Geld besser bei Leuten wie Gloria von Thurn und Taxis oder dem DSDS-Sternchen Daniel Küblböck aufgehoben ist, die rechtzeitig auf den Zug Richtung Sonnenwende aufgesprungen sind und nun einträglich von der Dividende ihres Stroms leben, den niemand braucht.

Das ist ja die zweite böse Überraschung: Strom aus Wind und Sonne ist nicht nur aberwitzig teuer, es gibt mittlerweile auch so viel davon, dass ein Großteil entsorgt werden muss, indem man ihn in Niederlande oder Österreich verklappt. Allein 2013 wurden 33 TWh Ökostrom am deutschen Bedarf vorbeiproduziert. Bezahlen mussten die Bürger ihn trotzdem. Wenn schon Wahnsinn, dann hat er in Deutschland wenigstens System.

Die Energiewende ist der heilige Gral der Public-Private-Partnership zu Lasten des Bürgers. Wenn man ein paar ausgebuffte Hedgefonds-Manager bitten sollte, sich ein Programm auszudenken, das jedes Jahr völlig risikofrei Milliardengewinne abwirft - es sähe ziemlich genau so aus wie das Gesetz zur Förderung der erneuerbaren Energien. Und der eigentliche Clou daran ist: Der Gewinn ist nicht nur über 20 Jahre garantiert, einmal im Gang gesetzt, lässt sich der Wahnwitz nie wieder stoppen.

Man muss sich nur ansehen, welche Verrenkungen der inzwischen zum Wirtschaftsminister aufgestiegene Sigmar Gabriel unternimmt, um die Subventionen irgendwie in den Griff zu bekommen. Bis 2024 ist schon nichts mehr zu machen. Bis dahin werden nach Schätzungen mindestens 200 Milliarden Euro fällig - egal, ob wir noch mehr Windräder und Solarzellen brauchen oder nicht. Es geht jetzt darum, heute Fördersätze für die Zeit nach 2024 zu begrenzen, aber selbst das scheint schwierig.

Parteilichkeit in Umweltfragen - unter Journalisten eine Tugend

Seit die Ministerpräsidenten erkannt haben, welcher Geldsegen die Energiewende für sie bedeutet, haben sie sich mit der Industrie zu einer Allianz verbündet, gegen die kein Kraut gewachsen scheint, geschweige denn ein Argument. Jeder Versuch, die Kosten zu senken, wird sofort als Anschlag auf die Energiewende denunziert. Wer darauf hofft, die Presse werde dies als eine dreiste Form von Lobbyismus zurückweisen, kann lange warten: Die Berichterstattung liegt fest in der Hand von Journalisten, für die Parteilichkeit in Umweltfragen keine Sünde, sondern eine Tugend ist.

Wie immer, wenn Politiker merken, dass sie sich verrechnet haben, versuchen sie, die Spuren zu verwischen. Die einfachste Art, sich aus der Verantwortung zu stehlen, ist die Verschleierung der Kosten durch Ausgliederung in einen Schattenhaushalt. Für die Aufnahme von Schulden ist noch nie ein Politiker abgewählt worden.

Die erste Politikerin, die auf die Idee kam, die Kosten für die Energiewende als "Solarschulden" zu deklarieren und aus Steuermitteln zu begleichen, war die langjährige Verbraucherministerin Ilse Aigner. Inzwischen haben auch einige Umweltexperten in der SPD den Charme dieses Vorschlags erkannt. Wenn der Preis für die Erneuerbaren nicht mehr auf der Stromrechnung auftaucht, vergisst der Bürger vielleicht, welchen Bären man ihm aufgebunden hat, als man ihm Wind und Sonne als preiswerte Alternativen verkaufte.

Im normalen Geschäftsleben sind solche Deals aus gutem Grund verboten. Aber dort landet man ja bei vorsätzlicher Täuschung auch vor Gericht.

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Kolumne - Der schwarze Kanal
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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 1249 Beiträge
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1. Öfters
crocodil 20.02.2014
habe ich schon zu diesem Thema geschrieben. Die Leute werden/wurden verar.. , - was sagte mein Nachbar einmal zu seinen Kollektoren auf dem Dach- bringen nichts , haben viel Geld gekostet. Das ganze mit der Erneuerbaren Engergie hat doch nur dem Staat und vielen Unternehmen geholfen. Ist doch klar, dass eine CDU/CSU Regierung versucht, damit mittelständiche Unternehmen und große (Solarworld - mit Millionengewinnen-) zu stärken. In 10 oder 20 Jahren will niemand mehr davon wissen und die Atomenergie beginnt ihre Renaissance.
2. Die Energiewende als Heilige Kuh
Olaf 20.02.2014
Zitat von sysopDPATeure Rüstungsprojekte, Agrarsubventionen: alles nichts im Vergleich zu den Kosten der Energiewende. Denn der Staat garantiert Investoren einen wahren Geldsegen. Im normalen Geschäftsleben sind solche Deals aus gutem Grund verboten. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fleischhauer-kolumne-zu-den-kosten-der-energiewende-a-954503.html
der Deutschen ist ein treffender Vergleich. Hat mich auch schon oft erstaunt, dass es bei diesem Thema offensichtlich keine abweichenden Meinungen gibt. Nirgendwo anders decken sich die Interessen von Kommunisten, Kapitalisten, Umweltschützern und Esoterikern so gut wie beim Thema Energiewende.
3. Danke Herr Fleischheuer!
memphisman 20.02.2014
Bitte mehr davon! Und knallen Sie den werten Politikern diese Wahrheiten gerne noch wortgewaltiger vor den Latz!
4.
marthaimschnee 20.02.2014
Das Problem ist nur: Kohle und Atom wurden und werden auch aus Steuermitteln bedient. Konsequenterweise müßte man das auch auf den Strompreis umlegen und noch dazu die horrenden Folgekosten, im Fall des CO2 Ausstoßes nichtmal bezifferbar aber mit Sicherheit nicht folgenlos, im Falle der Atomkraft mit tausenden Jahren Sicherheitsverwahrung. Wie der Strompreis dann aussähe, wollen Sie garantiert nicht wissen!
5.
21Pinto 20.02.2014
Zitat von sysopDPATeure Rüstungsprojekte, Agrarsubventionen: alles nichts im Vergleich zu den Kosten der Energiewende. Denn der Staat garantiert Investoren einen wahren Geldsegen. Im normalen Geschäftsleben sind solche Deals aus gutem Grund verboten. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fleischhauer-kolumne-zu-den-kosten-der-energiewende-a-954503.html
Kinder und Narren sagen die Wahrheit! Und es sagt viel über die Meinungsdiktatur in Deutschland, dass erst in einer bewusst zuspitzenden Kolumne tatsächlich mal die Wahrheit über die "Energiewende" gesagt werden darf. Trotzdem: Weiter so, Hr. Fleischhauer!
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