Berlin - 45.741 Menschen haben im vergangenen Jahr versucht, in Deutschland Asyl zu bekommen. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) unter Berufung auf offizielle Zahlen. Im Vergleich zu 2010 ist die Zahl demnach um elf Prozent gestiegen - auf den höchsten Wert seit acht Jahren.
Die Schutzsuchenden kommen demnach vor allem aus muslimisch geprägten Ländern wie Afghanistan, dem Irak oder Syrien. Besonders drastisch sei der Anstieg bei den Pakistanern. Ihre Zahl habe sich im Vergleich zu 2010 auf gut 2500 verdreifacht. Zudem versuchten Tausende Serben, per Asylantrag in Deutschland Fuß zu fassen, 90 Prozent von ihnen seien Roma. Sie werden in ihrer Heimat benachteiligt und leben häufig in Armut.
Der Zeitung zufolge gelangen viele Flüchtlinge über die schlecht gesicherte Grenze zwischen der Türkei und Griechenland in die Europäische Union und reisen dann weiter nach Deutschland, wo sie den entsprechenden Antrag stellen. Ein weiterer Grund für den Anstieg der Zahlen ist ein Beschluss von 2009, nach dem die Visapflicht für Serbien und Mazedonien entfällt: Seitdem können die Bürger dieser Balkanstaaten frei einreisen, sie brauchen lediglich einen neuen Pass, der biometrische Merkmale wie den Fingerabdruck elektronisch gespeichert hat. Beide Länder sind unter den zehn häufigsten Herkunftsstaaten der Asylsuchenden.
Zwar liegt die Zahl der Asylbewerber mit fast 46.000 sehr hoch. Weit entfernt ist sie jedoch vom Spitzenwert zu Beginn der neunziger Jahre, als jedes Jahr hunderttausende Menschen in Deutschland Asyl beantragten.
"Zynisch und menschenverachtend"
Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sagte dem Blatt, viele Asylsuchende aus Serbien seien offensichtlich nicht als verfolgte Flüchtlinge einzustufen - und ihre Anträge sollten zügig abgelehnt werden, "um die Dauer des unrechtmäßigen Aufenthalts in Deutschland und die mit diesem verbundene Belastung der öffentlichen Haushalte möglichst zu minimieren".
Die Grünen fordern indes ein Ende der Abschiebung syrischer Flüchtlinge. "Zwar schiebt Deutschland momentan nicht direkt nach Syrien ab, dafür aber in Staaten wie Ungarn, von wo aus syrische Flüchtlinge dann zurück in ihre Heimat abgeschoben werden", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, der "Mitteldeutschen Zeitung".
Dieses "zynische und menschenverachtende" Verfahren müsse gestoppt werden. Beck forderte die Bundesregierung zudem auf, das im Jahr 2009 zwischen Deutschland und Syrien geschlossene Rückübernahmeabkommen zu kündigen. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte dem Blatt, seit Mitte 2011 sei kein Syrer gegen seinen Willen von Ungarn nach Syrien zurückgeführt worden.
aar/dapd
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