Erneute Wende im Fall Haschmatullah F. Geflüchteter aus Afghanistan darf vorerst bleiben

Wegen eines Verfahrensfehlers wurde ein junger Afghane zurück nach Deutschland geholt. Dann sollte er wieder abgeschoben werden - jetzt darf er doch bleiben.

Der zurückgeholte Flüchtling Haschmatullah F. (r.) protestiert mit anderen Asylbewerbern vor dem Verwaltungsgericht gegen Abschiebungen nach Afghanistan
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Der zurückgeholte Flüchtling Haschmatullah F. (r.) protestiert mit anderen Asylbewerbern vor dem Verwaltungsgericht gegen Abschiebungen nach Afghanistan


Verfahrensfehler, Rückholung, erneute Anordnung der Abschiebung: Der Fall Haschmatullah F. hält einige Wenden bereit. Nun wurde entschieden: Der Afghane darf doch in Deutschland bleiben.

Die Bundesrepublik muss ihm die Flüchtlingseigenschaft zuerkennen, entschied das Verwaltungsgericht Sigmaringen, wie ein Sprecher mitteilte. Das bedeutet, dass Haschmatullah F. zunächst eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre bekommt und in Deutschland arbeiten darf. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Asylgesuch im Januar 2018 abgelehnt

Der Fall des 24-Jährigen hatte bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt, weil er rechtswidrig aus Deutschland abgeschoben und auf Anordnung des Verwaltungsgerichts Sigmaringen im Dezember 2017 zurückgeholt wurde. Sein Asylgesuch wurde jedoch im Januar 2018 abgelehnt. Dagegen klagte er.

Das Gericht kam anders als das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) zu der Überzeugung, dass die vorgebrachten Fluchtgründe glaubwürdig seien. F. hatte gesagt, er sei von den Taliban bedroht und beinahe umgebracht worden, weil er als Soldat mit den Amerikanern zusammengearbeitet habe.

F. war im vergangenen Jahr über Bulgarien nach Afghanistan abgeschoben worden. In Bulgarien war er während seiner Flucht zum ersten Mal in der EU registriert worden. Abschiebungen nach Afghanistan sind umstritten, weil sich dort der Krieg mit den radikalislamischen Taliban drastisch verschärft hat.

höh/dpa/AFP



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