Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Unbegleitete Migranten: Tausende junge Flüchtlinge in Deutschland vermisst

Flüchtlingsmädchen im Zug (Symbolbild): 4749 vermisste Minderjährige in Deutschland Zur Großansicht
REUTERS

Flüchtlingsmädchen im Zug (Symbolbild): 4749 vermisste Minderjährige in Deutschland

Etwa 10.000 minderjährige Asylsuchende sind in Europa unauffindbar - aber sind sie auch Opfer von Verbrechern? Das Bundeskriminalamt meldet, allein Deutschland zähle etwa 5000 vermisste minderjährige Flüchtlinge - relativiert aber auch.

Sind in Europa in den vergangenen zwei Jahren mehr als 10.000 minderjährige Flüchtlinge Opfer krimineller Banden geworden? Die Zahl vermisster Minderjähriger hatte die europäische Polizeibehörde Europol gemeldet - verbunden mit dem Hinweis, die Jugendlichen könnten zu Kriminalitätsopfern geworden sein.

Mit dieser Vermutung hatte Europol europäische Regierungen und Abgeordnete in Aufregung versetzt. Die Zahl entstammt einer Datensammlung aus Meldungen von EU-Regierungen, Polizeibehörden und Nichtregierungsorganisationen.

Nun teilte das Bundeskriminalamt auf Anfrage der "Mitteldeutschen Zeitung" mit, dass zum Stichtag 1. Januar allein in Deutschland 4749 unbegleitete Flüchtlinge im Kindes- und Jugendalter als vermisst gemeldet waren. Ein halbes Jahr zuvor habe die Zahl noch bei 1637 vermissten minderjährigen Flüchtlingen gelegen.

Die Sprecherin betonte aber, es handle sich immer um "Momentaufnahmen". Oft tauchten Vermisste nach kurzer Zeit wieder auf. Außerdem gebe es Mehrfachregistrierungen. Es sei aber auch nicht auszuschließen, dass ein Teil der verschwundenen minderjährigen Flüchtlinge Kriminellen in die Hände gefallen sein könnte. Genaue Erkenntnisse habe das BKA dazu nicht.

Viele tauchen ab in die Illegalität

Die Bundesregierung hatte am Dienstag bei Europol angefragt und erklärt, bislang gebe es keine Hinweise darauf, dass alleinreisende Minderjährige verschwunden sein könnten. Die Dimension des Themas sei noch unklar, hatte eine Sprecherin des Familienministeriums erklärt. Bekannt ist, dass im vergangenen Jahr rund 59.000 unbegleitete Flüchtlinge in Deutschland lebten. Weil sie ohne Erwachsenen reisen und leben, gilt diese Flüchtlingsgruppe als besonders gefährdet.

Mit der Thematik hatte sich auch eine Expertenkommission in Schweden befasst. Demnach stammen viele der vermissten Minderjährigen aus Nordafrika. Sie wüssten, dass sie anders als Iraker oder Syrer kein Asyl bekommen. Viele der Straßenkinder würden dann kriminell, weil sie sich nicht anders zu helfen wüssten.

Auch Europaparlamentarier verlangen genauere Auskunft von Europol über die Zahl der 10.000 Vermissten. In einem Brief an den Rat der EU-Mitgliedstaaten wiesen sie darauf hin, die Minderjährigen könnten Opfer von paneuropäischen Banden geworden sein, die sie für Sexarbeit, Sklaverei oder sogar Organhandel missbrauchen.

Forum
Liebe Leserinnen und Leser,
im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf SPIEGEL ONLINE finden Sie unter diesem Text kein Forum. Leider erreichen uns zum Thema Flüchtlinge so viele unangemessene, beleidigende oder justiziable Forumsbeiträge, dass eine gewissenhafte Moderation nach den Regeln unserer Netiquette kaum mehr möglich ist. Deshalb gibt es nur unter ausgewählten Artikeln zu diesem Thema ein Forum. Wir bitten um Verständnis.

cht/AP/dpa

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: