Leipziger Syrer über Terroristen Albakr "Er wollte auch uns töten"

Die drei "Helden von Leipzig" berichten im SPIEGEL, wie sie den Terroristen Jaber Albakr erlebten. Den Vorwurf, sie seien Komplizen des Verdächtigen gewesen, weisen die Syrer entschieden zurück.

Jaber Albakr vor seinem Tod
privat

Jaber Albakr vor seinem Tod


Die drei als "Helden von Leipzig" gefeierten Flüchtlinge fühlten sich vom Terroristen Jaber Albakr bedroht. "Er wollte auch uns töten", sagte Ahmed E. dem SPIEGEL.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 42/2016
Jaber Albakr, eine Heldentat und das Versagen der Justiz

Albakr sei wahnsinnig gewesen. Vorwürfe Albakrs, die drei seien seine Komplizen gewesen, weist er zurück. "Wir hatten nie im Leben etwas mit ihm zu tun", sagt Ahmed E. Der 28-jährige Maschinenbauer und seine beiden Freunde Mohamed A. und Sami M. hatten Albakr in der Nacht zum Montag überwältigt und der Polizei übergeben. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Ahmed E. ist verheiratet, seine Frau und drei Kinder leben noch in Syrien. Aus Angst vor Racheakten der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) will er seinen wahren Namen nicht nennen. Die drei Flüchtlinge stammen aus derselben Stadt in Syrien und kamen im Sommer und Herbst 2015 über die Türkei, Griechenland und den Balkan nach Deutschland.

Die drei Flüchtlinge haben an einem geheimen Ort mehrere Stunden lang mit einem Team von SPIEGEL und SPIEGEL TV gesprochen. Aus Angst vor Islamisten in Leipzig haben sie sich bei Freunden in einer anderen deutschen Großstadt versteckt und wollen unter keinen Umständen nach Leipzig zurück. "Wir fühlen uns dort nicht sicher", sagt Ahmed E.

Die drei Syrer aus Leipzig, die Albakr überwältigten
SPIEGEL TV

Die drei Syrer aus Leipzig, die Albakr überwältigten

Stolz und Erleichterung über ihre Tat empfinden sie nicht. "Wir haben nur unsere Pflicht getan", sagt Sami M. Der 26-Jährige hat als Lastwagenfahrer gearbeitet und ist Fan des FC Bayern München.

Im Gespräch erinnern sich die drei Flüchtlinge auch an die Zeit, die sie am vergangenen Wochenende mit Albakr verbracht haben. Der Mann habe wirr auf ihn gewirkt, sagt Sami M, seine Klamotten seien schmutzig gewesen, die Haare zerzaust. "Ich hatte Mitleid mit ihm", so M. Er und seine Freunde hatten Albakr in Leipzig aufgenommen, sie wussten zunächst nicht, dass nach ihm gefahndet wurde. Nachdem sie Albakr auf Fahndungsfotos erkannten, überwältigten sie den 22-Jährigen und übergaben ihn der Polizei. Mittlerweile prüft das LKA Sachsen, ob die "Helden von Leipzig" ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen werden können.

Alaa Albakr, der ältere Bruder des mutmaßlichen Terroristen, sagte dem SPIEGEL, Jaber habe sich erst nach seiner Flucht von Syrien nach Deutschland radikalisiert. Ein Imam aus Berlin habe ihn einer Gehirnwäsche unterzogen.

Albakr soll einen Sprengstoffanschlag in Berlin geplant haben. Am vergangenen Samstag war er in Chemnitz einem Spezialeinsatzkommando der sächsischen Polizei entkommen. Er flüchtete nach Leipzig, wo er bei den drei Landsleuten unterkam.

Am Mittwochabend beging der Terrorverdächtige Suizid in der Justizvollzugsanstalt Leipzig. Der Fall Albakr hat eine Debatte über das Versagen der Behörden in Sachsen angestoßen. (Lesen Sie hier einen Kommentar zu den Fehlern der sächsischen CDU.) Rund um die Fahndungspannen und den Suizid des Syrers in Untersuchungshaft ranken sich viele Fragen (hier ein Überblick). Ministerpräsident Stanislaw Tillich hat mittlerweile Fehler im Umgang mit Albakr eingeräumt - personelle Konsequenzen für sich persönlich, Justizminister Sebastian Gemkow oder Innenminister Markus Ulbig lehnt der Regierungschef aber bislang vehement ab.

Video zum Fall Albakr und den drei syrischen Helfern

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - diese Woche bereits ab Donnerstagmorgen erhältlich.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von der Chefredaktion oder den Leitern unseres Hauptstadtbüros in Berlin.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 42/2016
Jaber Albakr, eine Heldentat und das Versagen der Justiz

Jaber Albakr - Die Suche nach den Schuldigen hat begonnen:

SPIEGEL ONLINE

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.