Schnellere Verfahren Postbeamte sollen über Asylanträge entscheiden

Beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge stapeln sich die Anträge. Jetzt sollen laut einem Zeitungsbericht 300 Postbeamte ran.

Bamf-Chef Frank-Jürgen Weise: Im Mai sollen alle offenen Stellen besetzt sein
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Bamf-Chef Frank-Jürgen Weise: Im Mai sollen alle offenen Stellen besetzt sein


Die Deutsche Post AG soll dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) mit 300 Asyl-Entscheidern aushelfen. In einer Rundmail, die der "Bild am Sonntag" vorliegt, werden Postbeamte aus dem gehobenen Dienst aufgerufen, für sechs bis zwölf Monate freiwillig zum Bamf zu wechseln.

Dafür bekommen sie eine Brutto-Zulage von 119,05 Euro monatlich. Erwartet werden Konfliktfähigkeit und die Bereitschaft zum Schichtdienst zwischen 7 und 22 Uhr. Bevor die Postbeamten über Asylanträge entscheiden, bekommen sie eine Schulung im Bamf-Qualifizierungszentrum. Die Einarbeitung neuer Entscheider wurde durch die Einrichtung des sogenannten Qualifizierungszentrums stark verkürzt.

Das Bamf schiebt mehr als 770.000 unbearbeitete Asylfälle vor sich her. Im Innenausschuss des Bundestags hatte Behördenchef Frank-Jürgen Weise zugesagt, bis Ende April alle offenen Stellen zu besetzen.

Das Bamf hatte die Zahl der Entscheider zuletzt mehr als verdreifacht: Im Oktober entschieden rund 550 Mitarbeiter über die Asylanträge, mittlerweile sollten es laut Burkhard Lischka, innenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, 1800 sein.

Lischka begrüßte die geplante Einstellung der Post-Mitarbeiter: "Es geht nicht um Postboten, sondern um Verwaltungsbeamte. Das ist nicht anrüchig. Entscheidend ist, dass ab Mai wirklich alle 7300 Bamf-Stellen und vor allem die 1800 Entscheider-Stellen besetzt sind." Nur so könnten die Asylverfahren endlich kürzer werden.

Für die Betroffenen sei es "schlimm und nicht akzeptabel, so lange zu warten", hatte Weise Anfang Februar gesagt. Fünf Syrer hatten diese Woche in einer bayerischen Unterkunft mit drastischen Mitteln gegen die lange Bearbeitungszeit protestiert. Sie strangulierten sich mit Stoffstreifen, wurden aber rechtzeitig befreit.

sun



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