Zeitungsbericht Behörden rechnen offenbar mit bis zu 1,5 Millionen Asylbewerbern 2015

Bisher ging die Regierung davon aus, dass 800.000 Flüchtlinge 2015 nach Deutschland kommen. Nun heißt es laut "Bild": Behörden rechnen mit 1,5 Millionen Asylbewerbern - und warnen vor einem "Zusammenbruch der Versorgung".

Flüchtlinge auf dem Weg ins bayerische Freilassing: Schwierig, genaue Zahlen zu ermitteln
DPA

Flüchtlinge auf dem Weg ins bayerische Freilassing: Schwierig, genaue Zahlen zu ermitteln


Behörden in Deutschland halten es einem Zeitungsbericht zufolge für möglich, dass im laufenden Jahr insgesamt bis zu 1,5 Millionen Asylbewerber nach Deutschland kommen. Allein von Oktober bis Dezember sei mit der Ankunft von bis zu 920.000 Flüchtlingen zu rechnen, zitiert die "Bild"-Zeitung aus einer internen Prognose nicht näher benannter Behörden.

Demnach sei zum Winter kein spürbarer Rückgang der Flüchtlingszahlen zu erwarten. Die Bundesregierung geht bisher offiziell von 800.000 Neuankömmlingen für 2015 aus. Bundesinnenminister Thomas de Maizière betonte mehrfach, es sei derzeit sehr schwer, genaue Zahlen zu ermitteln - auch, weil sich ein "nicht unerheblicher Teil" der Flüchtlinge der Registrierung entziehe oder trotz Registrierung an einen anderen Ort weiterziehe.

In dem internen Behördenbericht ist laut "Bild" auch von einem möglichen "Zusammenbruch der Versorgung" die Rede. Schon jetzt fehlten dringend benötigte Hilfsmittel wie Wohncontainer und sanitäre Einrichtungen.

Ein weiteres Problem sei der Familiennachzug anerkannter Asylbewerber, zitiert die Zeitung aus dem Papier. "Aufgrund der familiären Strukturen in den Herkunftsstaaten des Nahen Ostens" müsse damit gerechnet werden, dass jeder anerkannte Flüchtling aus der Region, der in Deutschland Asyl erhält, im Durchschnitt vier bis acht Angehörige nachziehen lassen könne.

Zuletzt hatte sich angesichts der Flüchtlingskrise der Ton in der Regierungskoalition verschärft, die Kritik an Kanzlerin Angela Merkels "Wir schaffen das!"-Politik wurde lauter: Die SPD warnte vor einer drohenden Überforderung Deutschlands. CDU-Parteifreunde wähnen die Republik "am Limit". Und die CSU attackiert Merkel regelmäßig für ihre angeblich fehlende Härte. In einem Deutschlandfunk-Interview wies Merkel die Kritik zurück und verteidigte ihren Kurs.

aar/dpa

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