Flüchtlingspolitik Bewilligte Asylanträge auf Rekordhoch

Die Flüchtlingszahlen steigen dramatisch - und Deutschland bewilligt so viele Asylanträge wie seit Jahren nicht. Mehr als 25.000 Schutzsuchende haben 2014 bereits einen positiven Bescheid bekommen.

Flüchtlinge in München: Immer mehr Schutzsuchende erhalten Asyl
DPA

Flüchtlinge in München: Immer mehr Schutzsuchende erhalten Asyl


Berlin - Die Zahl der bewilligten Asylanträge ist so hoch wie seit Jahren nicht. Im dritten Quartal 2014 wurden 9582 Asylanträge genehmigt, damit wurde in diesem Jahr insgesamt bereits 25.646 Asylsuchenden Schutz gewährt. Der Großteil der Bewerber, die Asyl bekamen, stammt aus den Krisengebieten Syrien, Afghanistan und Irak. Die Zahlen gehen aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor, die SPIEGEL ONLINE vorliegt.

In den Jahren zuvor waren die Zahlen zum Teil deutlich geringer. 2013 bewilligten die Behörden 20.128 Anträge, 2012 waren es 17.140, 2011 knapp 10.000. Das Rekordhoch ist auch auf den dramatischen Anstieg der Asylanträge zurückzuführen. Schon jetzt ist die Zahl der Anträge mit knapp 140.000 so hoch wie seit Mitte der 90er Jahre nicht mehr. Seit Wochen sorgt das Thema für politischen Streit.

Die Behörden haben immer größere Probleme, die Anträge zeitnah zu bearbeiten. Im Schnitt dauert es nach Angaben der Bundesregierung inzwischen 8,4 Monate, bis über einen Antrag entschieden wird. Bei der letzten Erhebung im Sommer waren es noch 6,9 Monate gewesen. Eine besonders lange Wartezeit haben Asylsuchende aus Pakistan. Sie müssen im Schnitt 17,6 Monate warten, bevor ihr Antrag bewilligt oder abgelehnt wird. Bei Bewerbern aus Afghanistan sind es 16,5 Monate.

In der Politik sorgen die langen Verfahren schon seit geraumer Zeit für Diskussionen. Die Innenminister von Bund und Ländern hatten sich im Oktober auf eine Beschleunigung der Asylverfahren verständigt. Das Bundesamt für Flüchtlinge soll dafür personell besser ausgestattet werden.

Die Linke hält die Pläne angesichts des starken Anstiegs der Zahlen für unzureichend. "Es ist unerträglich, dass sich die Asylverfahren immer weiter in die Länge ziehen", sagte die Innenexpertin der Linken, Ulla Jelpke. "Die bislang ergriffenen Personalmaßnahmen im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge reichen vorne und hinten nicht. Das Bundesamt sollte bei Flüchtlingen aus Ländern mit hohen Anerkennungsquoten unkompliziert und schnell entscheiden."

vme

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