Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Flüchtlingskrise: Mehrheit der Deutschen wendet sich gegen Merkel

Kanzlerin Merkel in Berlin-Spandau mit Flüchtling (Archiv): Skepsis am "Wir schaffen das"-Kurs wächst Zur Großansicht
DPA

Kanzlerin Merkel in Berlin-Spandau mit Flüchtling (Archiv): Skepsis am "Wir schaffen das"-Kurs wächst

Die Kritik an Angela Merkels Flüchtlingspolitik wird lauter - nicht nur in der Union. Auch im Volk scheint die Stimmung zu kippen: Die Mehrheit der Deutschen ist laut einer neuen Umfrage unzufrieden mit der Regierungschefin.

Nach den sexuellen Übergriffen in Köln und anderen Großstädten in der Silvesternacht hat sich die Stimmung in Deutschland beim Thema Flüchtlinge verändert. Zum ersten Mal vertritt dem ZDF-"Politbarometer" zufolge eine klare Mehrheit von 60 Prozent der Befragten die Meinung, dass Deutschland die vielen Flüchtlinge, die ins Land kommen, nicht verkraften kann. Im Dezember lag der Wert noch bei 46 Prozent.

Nur noch 37 Prozent halten jetzt die wachsende Anzahl der Migranten für verkraftbar (Dezember: 51 Prozent). Für die Erhebung befragte die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen 1203 Wahlberechtigte im Zeitraum vom 12. bis 14. Januar. Der Fehlerbereich liegt je nach Anteilswert bei rund zwei bis drei Prozentpunkten.

Kanzlerin Angela Merkel steht seit Monaten in der Kritik - auch in den eigenen Reihen. Sie hatte mehrmals in der Flüchtlingskrise betont: "Wir schaffen das!" Altkanzler Gerhard Schröder warf Angela Merkel am Freitag wieder vor, in der Flüchtlingskrise die Realität zu ignorieren.

1203 Befragte vom 12. bis 14.1.2016

Eine klare Mehrheit von 56 Prozent der Befragten ist mittlerweile der Meinung, dass Merkel in der Flüchtlingskrise ihre Arbeit eher schlecht macht. Nur noch 39 Prozent bewerten ihre Politik in diesem Bereich positiv. Im Dezember waren die Deutschen in dieser Frage noch gespalten.

Ein Drittel aller Befragten gibt laut der ZDF-Umfrage an, dass die Vorfälle an Silvester ihre Einstellungen in der Flüchtlings- und Asylfrage wesentlich verändert haben. 66 Prozent sagen demnach, dass das keinen wesentlichen Einfluss auf ihre Meinung hat.

Inzwischen erwarten 70 Prozent (Oktober: 62 Prozent), dass durch die große Zahl an Hilfesuchenden die Kriminalität bei uns zunehmen wird, nur noch 27 Prozent sehen das nicht so. Dass durch die Flüchtlinge unsere gesellschaftlichen und kulturellen Werte bedroht sind, glaubt eine mittlerweile gewachsene Minderheit mit 42 Prozent. Im Oktober lag dieser Wert bei 33 Prozent. Gut die Hälfte (52 Prozent) meint das nicht.

Mehrheit für Verschärfung der Abschieberegelungen

Dass die bestehenden Gesetze für die Abschiebung straffällig gewordener Asylbewerber ausreichen, meinen nur 23 Prozent der Befragten. 73 Prozent fordern eine Verschärfung.

Allerdings hält auch eine Mehrheit die Forderung von Horst Seehofer nach einer jährlichen Obergrenze von 200.000 Flüchtlingen nicht für machbar. Dem ZDF-"Politbarometer" zufolge sagen das 57 Prozent. 38 Prozent halten eine solche Obergrenze dagegen für realisierbar.

Die wachsende Skepsis zeigt sich auch im neuen ARD-Deutschlandtrend für das "Morgenmagazin". 51 Prozent der Bundesbürger hat Zweifel, dass Deutschland die Krise bewältigen kann. 44 Prozent unterstützen auch nach der Silvesternacht weiter die Einschätzung von Merkel, dass Deutschland die Probleme lösen kann.

Damit ist die Zahl der Optimisten gesunken: Im Oktober 2015 waren noch 49 Prozent der Bürger der Meinung, dass Deutschland die Flüchtlingskrise lösen wird, 48 Prozent waren damals skeptisch. Infratest dimap befragte für die Erhebung vom 12. bis 13. Januar 500 Bürger. Der Fehlerbereich liegt je nach Anteilswert bei 1,4 bis 3,1 Prozentpunkten.

Forum
Liebe Leserinnen und Leser,
im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf SPIEGEL ONLINE finden Sie unter diesem Text kein Forum. Leider erreichen uns zum Thema Flüchtlinge so viele unangemessene, beleidigende oder justiziable Forumsbeiträge, dass eine gewissenhafte Moderation nach den Regeln unserer Netiquette kaum mehr möglich ist. Deshalb gibt es nur unter ausgewählten Artikeln zu diesem Thema ein Forum. Wir bitten um Verständnis.

heb

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Anzeige
  • Maximilian Popp (Hrsg.):
    Tödliche Grenzen

    Die Krise der europäischen Flüchtlingspolitik.

    SPIEGEL E-Book; 2,99 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: