Politiker-Zitate zur Flüchtlingskrise Kleine Geister, große Worte

Das Problem einfach nur loswerden? Oder die Flüchtlinge willkommen heißen? In der Flüchtlingskrise sind in den vergangenen Wochen bemerkenswerte Worte gefallen. Hier sind die wichtigsten.

Bundespräsident Gauck: Spricht von einem hellen und einem Dunkeldeutschland
picture alliance / dpa

Bundespräsident Gauck: Spricht von einem hellen und einem Dunkeldeutschland


Seit Wochen kommen immer mehr Flüchtlinge in der Europäischen Union (EU) an - die Reaktionen darauf sind gemischt, sowohl in der Bevölkerung als auch in der Politik. Die Wortwahl hat sich in den vergangenen Wochen zunehmend verschärft.

Angela Merkel ließ sich Zeit damit, klar Stellung zur Flüchtlingskrise zu beziehen. Während im Osten Deutschlands Asylbewerberunterkünfte brannten, wurde im Netz unter dem Hashtag #merkelschweigt über das Verhalten der Kanzlerin diskutiert. Das war im August. Mittlerweile sind ihre Worte umso deutlicher. Merkel hat sich dazu entschlossen, Flüchtlinge in Deutschland mit offenen Armen zu empfangen. Lesen Sie hier ihre und andere markante Aussagen der vergangenen Wochen:

Politiker-Zitate zur Flüchtlingskrise

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) am 23. August 2015: "Es geht um Völkerwanderung, machen wir uns nichts vor. Wenn wir jedenfalls nicht bald reagieren, wird es uns am Ende allen auf die Füße fallen, egal, welches Parteibuch wir haben."

Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) am 24. August 2015 zu den rechten Krawallen vor der Flüchtlingsunterkunft in Heidenau: "Bei uns zu Hause würde man sagen, das ist Pack, was sich hier rumgetrieben hat."

Bundespräsident Joachim Gauck beim Besuch einer Flüchtlingsunterkunft in Berlin am 26. August 2015: "Es gibt ein helles Deutschland, das hier sich leuchtend darstellt gegenüber dem Dunkeldeutschland, das wir empfinden, wenn wir von Attacken auf Asylbewerberunterkünfte oder gar fremdenfeindlichen Aktionen gegen Menschen hören."

Bundeskanzlerin Angela Merkel am 31. August 2015: "Die Welt sieht Deutschland als ein Land der Hoffnung und der Chancen - das war nicht immer so."

Ungarischer Premierminister Viktor Orbán am 3. September 2015: "Das Problem ist kein europäisches Problem. Das Problem ist ein deutsches Problem."

Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn zu Orbáns Aussage, Ungarn wolle keine Muslime aufnehmen, am 3. September 2015: "Der sagt ja, er will nur Christen haben, aber wenn Orbán ein Christ ist, dann ist Kim Il Sung auch ein Christ."

EU-Kommissar Dimitris Avramopoulos zusammen mit Innenminister Thomas de Maizière bei der Bundespolizei in Rosenheim. Am 4. September 2015 sagte er auf Kos: "Es ist kein ungarisches, deutsches oder griechisches Problem. Wir brauchen Kooperation in der EU."

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am 9. September 2015 bei seiner Rede zur Lage der Union: "Unsere Europäische Union ist in keinem guten Zustand. Es fehlt an Europa in dieser Union. Und es fehlt an Union in dieser Europäischen Union."

US-Präsident Barack Obama am 11. September 2015: "Wir müssen leider davon ausgehen, dass das Flüchtlingsthema für Jahrzehnte ein Problem sein wird. (...) Diese Flüchtlingskrise ist kein europäisches Problem, es ist eines der ganzen Welt."

Bundeskanzlerin Merkel am 15. September 2015: "Ich muss ganz ehrlich sagen: Wenn wir jetzt anfangen, uns noch entschuldigen zu müssen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land."

Thüringens Ministerpräsident Ramelow am 15. September 2015 zu der vom Bundesvorstand der Linken abweichenden Bewertung der wiedereingeführten Grenzkontrollen: "Für ideologische Debatten habe ich im Moment keine Zeit. Ich muss Gebäude suchen."

Vizekanzler Gabriel am 17. September 2015: "Es macht den Eindruck, als sei Europa etwas, wo man mitmacht, wenn es Geld gibt. Und wo man sich in die Büsche schlägt, wenn man Verantwortung übernehmen muss."

Kroatiens Regierungschef Zoran Milanovic über den Plan, Flüchtlinge an die Grenze zu Ungarn zu bringen, am 19. September 2015: "Wir haben sie (die Ungarn) gezwungen, die Flüchtlinge aufzunehmen, indem wir die Leute dorthin geschickt haben. Das werden wir auch weiter machen."

Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki über die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland am 20. September 2015: "Deutschland leuchtet in diesen Wochen und macht Europa hell."

Innenminister Thomas de Maizière nimmt am 24. September 2015 Angela Merkel in die Verantwortung für das Management der Flüchtlingskrise : "Wir sind jetzt dabei, die Dinge wieder etwas zu ordnen. Außer Kontrolle geraten ist es mit der Entscheidung, dass man aus Ungarn die Menschen nach Deutschland holt. Das war eine so große Zahl, dass es nicht mehr geordnet ging."

kry



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.