Medienbericht Nur wenige Flüchtlinge dürfen arbeiten

Hunderttausende Flüchtlinge kommen nach Deutschland. Wie sollen sie integriert werden? Arbeit wäre ein Schlüssel, heißt es oft. Doch laut einem Medienbericht bekommt nur ein Bruchteil der Hilfesuchenden eine Arbeitsgenehmigung.

Flüchtlinge in Passau: Erst nach drei Monaten Recht auf Arbeit
DPA

Flüchtlinge in Passau: Erst nach drei Monaten Recht auf Arbeit


Der Bund erwartet nach offizieller Prognose bis zum Jahresende insgesamt 800.000 Asylbewerber. Seit Januar haben einem Zeitungsbericht zufolge aber erst 17.401 Flüchtlinge in Deutschland eine Arbeitsgenehmigung erhalten. In 7711 Fällen habe die Bundesagentur für Arbeit (BA) eine Beschäftigungserlaubnis verweigert, berichtete die "Passauer Neue Presse" unter Berufung auf eine Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion. Die Zahl der erwerbsfähigen Asylbewerber und geduldeten Flüchtlinge in Deutschland beziffert die Bundesregierung demnach auf 310.741 (August 2015).

Arbeitsplätze für Migranten mit hoher Bleibechance gelten als wichtige Voraussetzung für die Integration der Hilfesuchenden. Asylbewerber dürfen jedoch während der ersten drei Monate gar nicht in Deutschland arbeiten. Erst nach 15 Monaten fällt zudem die "Vorrangprüfung": Steht in dieser Zeit ein Deutscher oder ein EU-Bürger für den Job zur Verfügung, bekommen Asylbewerber keine Beschäftigungserlaubnis.

Die Arbeitgeber fordern eine Verkürzung dieser Fristen - denn der Bedarf an Arbeitskräften sei groß. Allerdings haben die Betroffenen auch aus anderen Gründen oft Schwierigkeiten, einen Job zu finden. So fehlen ihnen oft in Deutschland anerkannte Qualifikationen und Abschlüsse. Die stellvertretende Vorsitzende der Linke-Fraktion, Sabine Zimmermann, sagte der Zeitung: "Flüchtlinge dürfen nicht vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen oder als billige Arbeitskräfte missbraucht werden.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels wurde die Zahl der verweigerten Beschäftigungserlaubnisse mit 9581 angegeben, sie beträgt jedoch 7711. Die Angabe beruhte auf einer fehlerhaften Auswertung der Linksfraktion, wir haben sie korrigiert.

kev/dpa



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