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Deutsche Gastfreundschaft: Guter Flüchtling, böser Flüchtling

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Flüchtlinge am Hauptbahnhof in München, 5. September 2015 Zur Großansicht
DPA

Flüchtlinge am Hauptbahnhof in München, 5. September 2015

Sind die Deutschen plötzlich zum Volk der Ausländerfreunde geworden, und das völlig zu Recht, weil nur die Guten hier Zuflucht suchen? Wohl kaum.

Was für ein schöner Spätsommer. Herzenswärme vom Münchner Hauptbahnhof flutete die Timeline, Applaus der Münchner für die ankommenden Flüchtlinge, mit dem Handy gefilmt, mehrere Videos machen die Runde, und dann noch ein Clip von der BBC: Die Deutschen sind jetzt offiziell ausländerfreundlich. Danke, München.

Aber gleichzeitig brennen in Thüringen Häuser, in denen Flüchtlinge untergebracht werden sollen. In Neckargemünd in Baden-Württemberg werfen Unbekannte eine Rauchbombe in den Hof einer Flüchtlingsunterkunft, in Rottenburg am Neckar bricht in einem Wohncontainer Feuer aus, hier ist die Ursache noch unklar. Wohl doch keine so schönen Tage. Und die Deutschen - etwa doch alles Ausländerfeinde?

Es gibt weder "die Deutschen" noch "die Flüchtlinge"

Beides falsch. "Die Deutschen" gibt es nicht, leider und zum Glück. Es gibt 80 Millionen Deutsche, und von denen hat wohl jeder seine ganz eigene Haltung in der Flüchtlingskrise: Manche eine verabscheuungswürdig hasserfüllte, einige mehr eine von Skepsis geprägte, und bei vielen herrscht menschenfreundliche Hilfsbereitschaft.

Und so ist das auch mit den Flüchtlingen. Gerne erzählen sich wohlmeinende Deutsche nun Geschichten, in denen hervorragend ausgebildete und hochmotivierte Syrer vorkommen, die sich hier nicht nur in kürzester Zeit integrieren, sondern die deutsche Gesellschaft mit ihrem Fleiß vor dem Fachkräftemangel bewahren werden. Die Ausländerfeinde berauschen sich derweil an Schreckensvisionen von Abertausenden Habenichtsen, die sich hier bestenfalls nur bedienen wollen, wahrscheinlicher jedoch die hiesige Gesellschaft mit ihrer fremden Religion und ihren seltsamen Sitten unterwandern werden, bis nichts mehr vom schönen, sauberen, christlichen Deutschland übrig ist.

Auch diese Bilder sind falsch. Es sind Vorurteile, die der Unterschiedlichkeit und den vielfältigen Geschichten der Menschen, die zur Zeit zu uns kommen, nicht gerecht werden. Es wird den dringend gebrauchten Ingenieur darunter geben, es werden aber auch Leute darunter sein, die dem deutschen Arbeitsmarkt wenig zu bieten haben, die Demokratie und Freiheit erst noch lernen müssen, wenn sie das denn überhaupt wollen.

Freude und Furcht sind unerheblich

Es ist unerheblich, ob wir freudig oder furchtsam auf die Flüchtlinge reagieren. Es spielt keine Rolle, ob diese Menschen unseren Vorstellungen entsprechen oder nicht. Es zählt nur eins: Sie mussten ihr Land verlassen, weil dort Krieg herrscht, sie mussten fliehen, weil ihr Leben in Gefahr war. Und wir müssen ihnen Schutz gewähren, denn Moral und Gesetz verlangen es.

Nach der Flüchtlingseuphorie wird die Ernüchterung kommen, wenn niemand mehr am Hauptbahnhof steht und applaudiert, wenn nur noch die sich um Migranten kümmern, die das schon getan haben, bevor es alle taten, weil die anderen denken, dass es langsam genug ist, wenn der Hype verflogen ist, aber trotzdem immer noch immer mehr kommen, und am nächsten Tag noch mehr. Aber auch dann wird gelten: Es ist unsere Pflicht zu helfen. Nicht mehr und nicht weniger.

Zum Autor
Jeannette Corbeau
Stefan Kuzmany leitet den Bereich Meinung und Debatte bei SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Stefan_Kuzmany@spiegel.de

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 167 Beiträge
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1.
leyley 08.09.2015
http://www.krone.at/Welt/Naechste_Fluechtlingswelle_ist_bereits_im_Anrollen-Zehntausende_warten-Story-470939
2. Medialer Hype
wuffi 08.09.2015
Die, die am lautesten schreien, sind nicht die Mehrheit. Es sind lediglich die, auf die sich die Medien stürzen. Das gilt für die Pegidisten genauso für die Bahnhofswinker.
3. Falsch
Pinin 08.09.2015
Falsch. Keine Konvention und kein Gesetz gebietet es alle Einwohner eines fremden Landes aufzunehmen nur weil dort irgendwo Krieg herrscht. Es geht beim Schutz nur um persönliche Verfolgung. Warum werden wir hier falsch informiert?
4. Unterschlagung
Inselbewohner, 08.09.2015
Und wieder ein Kommentar bei Spon der einfach unterschlägt, dass zum großen Teil eben nicht die Kriegsflüchtigen kommen sondern Menschen die einfach eine wirtschaftliche Zukunft suchen. Die werden wir ihnen nicht bieten können und sind auch nach geltendem Recht nicht verpflichtet dazu. Nun kann man geltendes Recht einfach außer Kraft setzen und unsere Regierung tut es ja fleißig aber mit den Folgen werden wir alle zu leben haben. Guter Flüchtling, böser Flüchtling was für ein Quatsch, wir haben zu unterscheiden zwischen denen die unsere Hilfe dringend benötigen und froh sind dem Tode entronnen zu sein und denen die kommen und Forderungen stellen. Sehr schön gerade in Ungarn und bald in Serbien zu sehen. Geltendes Recht muss wieder in Kraft treten sonst hebelt sich unsere Gesellschaft selber aus. Hart für die die nicht bleiben können gut für die die unsere Hilfe dringend benötigen. So wird ein Schuh drauß. Flüchtlingsheime anzünden ist verwerflich keine Frage aber das sind Einzelerscheinungen und werden auch hier im Spon immer groß rausgestellt. In Rottenburg ist die Ursache unklar? Nun es wäre schön wenn uns Spon dann darüber aufklären würde. Die Turnhalle in Berlin wurde von kokelnden Flüchtlingskinder angezündet aber die Schlagzeile war erst einmal da und die brennt sich bei vielen ein, ist wie in der Bild, Gegendarstellung 3 Zeilen Seite 4 ganz unten. Nein lieber Kommentator ich stimme Ihnen nicht zu. Schönen Dienstag HP
5. Nein, natürlich ...
0xd00faffe 08.09.2015
... haben sich nicht "die Deutschen" geistig umorientiert. Aber wer in eine Fußgängerzone geht und sich "die Deutschen" mal anschaut, der weiß warum sich die Meisten in den Bildern aus München wiedererkennen und nicht aus Freital und Heidenau. Es mag den Autor erschrecken, aber die meisten Deutschen sind normale, zivile Familienväter und -mütter und _nicht_ besoffene Hooligans und arbeitslose rechtsradikale Krawallbrüder.
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