Mangel an Unterkünften Berlin will 10.000 Flüchtlinge in Hotels unterbringen

Laut einem Zeitungsbericht plant Berlin Hotelanmietungen für Flüchtlinge im großen Stil. Volumen des Auftrags: 600 Millionen Euro für mehrere Jahre.

Vorbild Hotel "President": Wie in Schöneberg will der Senat weitere Hotels für Flüchtlinge anmieten
imago/ Stefan Zeitz

Vorbild Hotel "President": Wie in Schöneberg will der Senat weitere Hotels für Flüchtlinge anmieten


Der Berliner Senat steht offenbar in Verhandlungen mit einer großen Hotelkette über die längerfristige Anmietung von 10.000 Hotelplätzen für Flüchtlinge. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Demnach gehe es um 22 Hotels der Gesellschaft Grand City Hotels (GCH). Für die Hotelkette verhandele eine in London ansässige Firma, die Hampton Holding Ltd., mit dem Berliner Senat.

Laut FAZ verlangt der Anbieter je Platz und Nacht eine Miete von 50 Euro, also etwa 1500 Euro im Monat und 18.000 Euro jährlich. Auch ein "All inclusive"-Programm für die Betreuung und Integration werde angeboten. Da der Senat dem Vernehmen nach Interesse an einer mehrjährigen Laufzeit des Mietvertrags hat, liefe es auf ein Volumen von mindestens 600 Millionen Euro hinaus, sagte ein mit den Verhandlungen vertrauter Senatsbeamter der Zeitung. Er sehe die Höhe der Miete kritisch.

Die Hotels der Mittelklasse würden teilweise unter den Namen Holiday Inn oder Wyndham betrieben. Zu den Objekten zählen dem Bericht zufolge das Hotel Berlin Mitte, das Berlin City East und das City West. Eine Senatssprecherin sagte auf Anfrage der Zeitung, die Verhandlungen seien "schwierig".

Sozialsenator Mario Czaja (CDU), der für die Flüchtlingsunterbringung zuständig ist, steht politisch unter Druck. Czaja wird auch für die chaotischen Zustände rund um das für das Flüchtlingsmanagement zuständige Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) verantwortlich gemacht. Das Amt arbeitet seit 2015 bereits mit der Unternehmensberatung McKinsey zusammen. Mitte Januar wechselte einer der Berater an die Spitze der umstrittenen Behörde.

In der Verwaltung sei das Verfahren umstritten, heißt es in der FAZ. Es sei die Frage aufgeworfen worden, ob hier große Deals ohne Ausschreibung vergeben werden sollen. Es wäre nicht das erste Mal, dass in der Hauptstadt größere Hotels komplett in ein Flüchtlingsheim umgewandelt werden. Vor Kurzem etwa hat Berlin das ehemalige Best Western Hotel "President" in Schöneberg angemietet.

Für die 8100 Quadratmeter Fläche zahlt die Stadt eine Kaltmiete ohne Nebenkosten von 150.000 Euro im Monat. Das macht einen Quadratmeterpreis von 18,52 Euro. Fachleute halten in dieser Gegend in vergleichbaren Gebäuden eine Nettokaltmiete von 9 bis 10 Euro für angemessen.

cht



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