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ICE in München umgebucht: Bahn reserviert Züge für Flüchtlinge

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REUTERS

Flüchtlinge in München: "Es rollt alles, was rollen kann"

Die Deutsche Bahn hat den ersten fahrplanmäßigen ICE von München nach Berlin für Flüchtlinge freigemacht. Die regulären Passagiere mussten auf andere Züge umbuchen - eine Praxis, die in den kommenden Tagen weitergehen wird.

Mehr als 12.000 Flüchtlinge sind allein am Samstag in München angekommen, bis zum Sonntagmittag 1400 weitere. Um die bayerische Landeshauptstadt zu entlasten, hat die Deutsche Bahn zum ersten Mal einen regulären ICE zum Weitertransport der Asylsuchenden eingesetzt. Die regulären Passagiere der Verbindung München-Berlin mussten auf andere Züge umbuchen, sagte der Regierungspräsident von Oberbayern, Christoph Hillenbrand, in München.

Bisher hatten nur Sonderzüge Flüchtlinge transportiert. Hillenbrand sagte, die derzeitige Lage ergebe "Härten im Reiseverkehr". Aus humanitären Gründen sei dies aber nicht anders zu lösen. "Die aktuelle Situation birgt solche Herausforderungen."

VIDEO: Die Lage am Hauptbahnhof München

DPA
Die Deutsche Bahn erklärte, dass die betroffenen Passagiere mit ihren Tickets jeden anderen Zug benutzen dürfen. Seit Wochen setzt der Konzern zahlreiche Sonderzüge ein, um die Flüchtlinge in Deutschland zu verteilen. "Es rollt alles, was rollen kann", sagte eine Sprecherin.

Von Montag an sollen in einigen fahrplanmäßigen Zügen, die in München starten, Kontingente für jeweils einige Hundert Flüchtlinge reserviert werden, kündigte Hillenbrand an. Daneben gebe es zur Entlastung der Münchner Notunterkünfte und der Weiterleitung von Neuankömmlingen weiterhin Sonderzüge - am Montag insgesamt drei. Zwei davon fahren nach Nordrhein-Westfalen, einer nach Norddeutschland.

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Flüchtlinge: München am Limit
München baut unterdessen seine Notunterkünfte aus. Durch eine neue Zeltstadt seien in der Nacht zum Sonntag weitere tausend Plätze geschaffen worden, sagte Hillenbrand. Damit könnten mehr als 6000 Menschen behelfsmäßig untergebracht werden. Für Sonntag könnten 3200 in andere Städte gebracht werden.

Am Vormittag kamen rund 1400 Flüchtlinge neu in München an, eine Prognose für den gesamten Tag gibt es nicht. Am Samstag waren rund 13.000 Flüchtlinge am Hauptbahnhof angelangt, einige Dutzend Asylsuchende mussten am Bahnhof in Schlafsäcken übernachten.

Bayerns Sozialministerin Emilia Müller bekräftigte, die übrigen Länder müssten entsprechend der Verteilungsschlüssel Flüchtlinge aufnehmen, um München und Oberbayern zu entlasten. "Darauf müssen wir dringen", sagte die CSU-Politikerin. "Es kann auch nicht sein, dass sich die Flüchtlinge frei und ungeordnet bewegen können. Wir müssen in Europa zu einem geregelten System zurückkehren."

Seit dem 31. August sind in München 63.000 Flüchtlinge angekommen. "Das entspricht einer Stadt wie Rosenheim, die hier durchgelaufen ist", sagte Hillenbrand. Es brauche dringend zwei weitere Drehkreuze zur Verteilung der Flüchtlinge. "Es ist nicht durchführbar, dass wir hier täglich eine Kleinstadt aufnehmen. Das ist logistisch nicht mehr machbar."

nck/Reuters/dpa

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