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Flüchtlingspolitik: Katholiken stellen sich gegen Seehofer und de Maizière

Flüchtlinge an der österreichisch-deutschen Grenze:  Bischöfe warnen vor schärferem Asylrecht  Zur Großansicht
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Flüchtlinge an der österreichisch-deutschen Grenze: Bischöfe warnen vor schärferem Asylrecht

In der katholischen Kirche formiert sich Widerstand gegen die Flüchtlingspolitik von Unionspolitikern: Die Bischofskonferenz lehnt die Asylpläne von Minister de Maizière ab, in Bayern kritisieren Geistliche Ministerpräsident Seehofer.

Die Bischöfe stellen sich gegen die Asylpläne von Bundesinnenminister Thomas de Maizière. "Aus kirchlicher Sicht hat der Grundsatz der Einheit der Familie eine hohe Bedeutung", sagte der Sonderbeauftragte der Bischofskonferenz für Flüchtlingsfragen, Hamburgs Erzbischof Stefan Heße, am Donnerstag. Er sprach damit den Vorstoß von de Maizière an, den Familiennachzug für syrische Flüchtlinge zu begrenzen.

Die "enormen Anstrengungen" staatlicher Stellen bei der Unterbringung und Versorgung der vielen Flüchtlinge erfahren innerhalb der katholischen Kirche große Anerkennung, sagte Heße. "Kritisch sehen wir jedoch derzeit Pläne, die darauf abzielen, den Familiennachzug für eine bestimmte Gruppe von Schutzsuchenden einzuschränken."

Fragen von Flucht und Asyl berührten "die ethischen Grundsätze des Christentums" und würden von der Kirche besonders aufmerksam begleitet, sagte Heße. Angesichts der bisweilen hitzigen öffentlichen Debatten um die aktuelle Flüchtlingspolitik mahnte er außerdem zu besonnener Wortwahl. Es gehe um Menschen, daher sei "angemessene Sprache" immer "recht am Platz", sagte der Erzbischof. Scharfe Rhetorik sei zu vermeiden. "Ich halte sie für gefährlich und glaube, dass es nicht im Sinne der Menschen ist, hier Öl ins Feuer zu gießen."

Ungewöhnlich scharfer Kritik von Katholiken sieht sich derzeit auch Horst Seehofer ausgesetzt: In einem offenen Brief an den bayerischen Ministerpräsidenten wandten sich 45 Ordensobere gegen die Flüchtlingspolitik des CSU-regierten Freistaats. "Wir appellieren an Sie, dringend von einer Rhetorik Abstand zu nehmen, die Geflüchtete in ein zwielichtiges Licht stellt", heißt es in dem Schreiben.

Seehofer und andere führende Christsoziale haben in den vergangenen Wochen unter anderem ein Ende eines "massenhaften Asylmissbrauchs" gefordert. Die Ordensleute plädieren dafür, "die Geflüchteten zuerst als Mitmenschen zu sehen", und appellieren zudem an Seehofer, "unbedingt von der Maßnahme Abstand zu nehmen, Transitzonen und Auffanglager einzurichten".

Die CSU hatte zuletzt in Verhandlungen in der Großen Koalition auf die Einrichtung von grenznahen Transitzonen gedrängt, mit deren Hilfe chancenlose Asylbewerber schnell abgeschoben werden sollten - die Partei konnte sich damit aber nicht durchsetzen, stattdessen einigten sich CDU, CSU und SPD auf sogenannte Registrierzentren.

Die Geistlichen drängen Seehofer in ihrem Schreiben außerdem, sich dafür einzusetzen, dass die Entscheidung, Westbalkanstaaten als sogenannte sichere Herkunftsländer zu führen, wieder zurückgenommen wird. In diesen Ländern würden noch immer Korruption, Willkürherrschaft und Unterdrückung von Minderheiten existieren.

Die Kritik der Ordensoberen - zu den Unterzeichnern zählt unter anderem der Abt der Benediktinerabtei Münsterschwarzbach - ist für die Christsozialen unangenehm. Gläubige Katholiken sind eine wichtige Wählerklientel der Partei.

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als/hen/AFP

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