Deutlicher Rückgang Knapp 190.000 Menschen suchten 2017 Asyl in Deutschland

2017 haben rund 100.000 Menschen weniger in Deutschland Schutz gesucht als im Jahr zuvor. Das hat das Bundesinnenministerium bekannt gegeben. Dadurch seien auch viele Altfälle bearbeitet worden.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière
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Bundesinnenminister Thomas de Maizière


Die Zahl der Asylsuchenden in Deutschland ist im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Die Behörden registrierten 186.644 Asylsuchende. Das teilte das Bundesinnenministerium mit. Im Jahr 2016 waren noch etwa 280.000 und im Jahr 2015 rund 890.000 asylsuchende Menschen nach Deutschland gekommen.

Die Zahl der Altfälle sei von etwa 433.000 zu Beginn 2017 auf etwa 68.000 anhängige Verfahren zurückgeführt worden, sagte Innenminister Thomas de Maizière (CDU). Das ist ungefähr der Stand von Mitte 2013. "Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ist nicht mehr mit dem Bewältigen der Folgen der Krise beschäftigt", sagte de Maizière weiter. Vielmehr könne sich die Behörde nun "den Aufgaben der Zukunft zuwenden".

Aus dem Bürgerkriegsland Syrien kamen mit 47.434 Menschen im vergangenen Jahr wie schon 2016 die meisten Migranten nach Deutschland. Außerdem suchten 21.043 Iraker, 12.346 Afghanen und 9524 Personen aus Eritrea Asyl. 8000 Menschen kamen aus der Türkei.

Allein im Dezember wurden 13.082 angekommene Flüchtlinge registriert. Das waren etwas weniger Menschen als in den Monaten zuvor.

Nach Angaben von de Maizière ging die Zahl der Abschiebungen in 2017 gegenüber 2016 um 2000 auf 26.000 zurück. Grund sei, dass die Rückführungen in die Balkan-Staaten, die relativ leicht gegangen seien, weitgehend abgeschlossen seien. Bei den jetzt anstehenden Abschiebungen in die Maghreb-Staaten geht es nach seinen Worten trotz Verbesserungen weiterhin schleppend voran.

Bamf-Chefin Jutta Cordt trat dem Eindruck entgegen, dass eine hohe Zahl von Klagen gegen ablehnende Bescheide ihres Hauses erfolgreich seien. Das Bundesamt obsiege in 32 Prozent der Fälle, und unterliege nur in 23 Prozent. Zuvor hatte es unter Berufung auf eine parlamentarische Anfrage der Linken geheißen, dass 44 Prozent der Klagen erfolgreich seien. Dabei wurden allerdings nur Verfahren berücksichtigt, die in der Sache entschieden wurden - nicht aber die anderweitig erledigten.

De Maizière lehnte es ab, Zahlen zum Familiennachzug zu nennen. Es gebe unterschiedliche Prognosen, wieviele Anträge gestellt werden könnten. Union und SPD hatten sich bei ihren Sondierungen darauf verständigt, einer begrenzte Zahl von tausend Familienangehörigen pro Monat den Nachzug zu gewähren.

aev/AFP



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