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Flüchtlingskrise: Mehrheit der Deutschen befürwortet Grenzkontrollen

Polizisten kontrollieren Lastwagen nahe Freilassing: 78 Prozent der Deutschen begrüßen diese Maßnahmen Zur Großansicht
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Polizisten kontrollieren Lastwagen nahe Freilassing: 78 Prozent der Deutschen begrüßen diese Maßnahmen

Viele Deutsche machen sich in der Flüchtlingskrise Sorgen über den europäischen Zusammenhalt. Kontrollen an der Grenze unterstützen laut einer aktuellen Umfrage dennoch 78 Prozent.

Seit knapp zwei Wochen kontrolliert Deutschland seine Grenzen wieder - eine vorübergehende Maßnahme in der Flüchtlingskrise. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte sie verkündet, nachdem Zehntausende Flüchtlinge ins Land eingereist waren - sie waren vor allem über Österreich aus Ungarn gekommen, dort hatten sie zunächst tagelang festgesessen.

Eine deutliche Mehrheit der Deutschen hält die Wiedereinführung von Kontrollen an EU-Binnengrenzen für gut. 78 Prozent begrüßen diese Maßnahme, nur 19 Prozent finden diese schlecht. Dies ist das Ergebnis des aktuellen ZDF-"Politbarometers".

De Maizière steht stark in der Kritik, vor allem weil sein Ministerium für 2015 zunächst immer noch von 450.000 zu erwartenden Flüchtlingen gesprochen hatte - trotz Hunderttausender Flüchtlinge allein in Syrien. Der Bundesinnenminister wies am Donnerstag erneut Kritik an seinem Management der Flüchtlingskrise zurück: Mit dem "Ansturm" der Flüchtlinge seit August habe er nicht rechnen können, sagte er.

Gleichzeitig machte er Kanzlerin Angela Merkel für die Situation verantwortlich: "Außer Kontrolle geraten ist es mit der Entscheidung, dass man aus Ungarn die Menschen nach Deutschland holt", sagte er in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner". "Das war eine so große Zahl, dass es nicht mehr geordnet ging." Der Innenminister fügte hinzu: "Wir sind jetzt dabei, die Dinge wieder etwas zu ordnen."

Mehrheit fürchtet um Zusammenhalt in EU

Nach der Erhebung der Meinungsforscher von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen sehen mittlerweile zwei Drittel der Deutschen durch die Flüchtlingskrise den Zusammenhalt in der Europäischen Union gefährdet. Vor zwei Wochen waren es noch 55 Prozent. Die Demoskopen befragten vom 22. bis 24. September 2015 telefonisch 1.225 zufällig Wahlberechtigte.

Hier die Ergebnisse im Einzelnen:

  • 63 Prozent sind der Meinung, die Flüchtlingskrise gefährde den Zusammenhalt in der EU sehr stark (17 Prozent) oder stark (46 Prozent).

  • Für zusammen 34 Prozent trifft dies nicht so stark (30 Prozent) oder gar nicht (vier Prozent) zu. (Rest zu 100 Prozent "weiß nicht").

Während fast drei Viertel (73 Prozent) der Befragten der Kanzlerin Angela Merkel insgesamt gute Arbeit bescheinigen (schlecht: 23 Prozent), fällt das Urteil zu ihrer Flüchtlingspolitik eher gespalten aus:

  • 50 Prozent sind der Meinung, Merkel mache im Bereich Flüchtlinge und Asyl ihre Sache gut, 43 Prozent stellen ihr ein schlechtes Zeugnis aus.

  • Von den CDU/CSU-Anhängern sind hier 68 Prozent zufrieden mit der Arbeit der Regierungschefin, 27 Prozent sind unzufrieden.

Mit 57 Prozent (vor zwei Wochen: 62 Prozent) sind weiterhin die meisten Befragten der Meinung, Deutschland könne die große Zahl an Flüchtlingen verkraften. 40 Prozent (vorher: 35 Prozent) glauben das nicht.


Daten zur Umfrage:

Stichprobe: Die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen befragte 1225 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger durch computergesteuerte Telefoninterviews.

Zeitraum: 22. bis 24. Juli 2015

Statistische Fehlertoleranz: +/- zwei bis drei Prozentpunkte je nach Parteianteil

heb

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