Tausende neue Flüchtlinge München beklagt mangelnde Hilfe

Tausende Flüchtlinge kommen in München an, die Stadt wird wohl nicht alle in Notunterkünften unterbringen können. Oberbürgermeister Reiter fühlt sich von Bund und Ländern im Stich gelassen und spricht von einer nationalen Aufgabe.

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Wie ist die Situation in München?

Viele Flüchtlinge und zu wenige Betten, so lässt sich die Lage in München zusammenfassen. Bis Samstagabend kamen rund zehntausend neue Flüchtlinge in der Stadt an. Die Behörden rechnen damit, dass es im Laufe der Nacht noch mehr werden. Die Rede war von bis zu 13.000 - mehr als je zuvor an einem einzigen Tag.

Nicht alle Ankommenden werden nach Angaben der Behörden eine Notunterkunft bekommen; mehrere Tausend könnten ohne Nachtquartier bleiben. Es gab mehrere Aufrufe, Isomatten und Decken zu spenden, unter anderem von der Münchner Polizei.

Was jetzt?

Die Behörden wollen die Olympiahalle kurzfristig als Übernachtungsstätte herrichten. Jedenfalls soll der Vorschlag geprüft werden. Auch sei die Errichtung von Zelten geplant. Nach Angaben ehrenamtlicher Helfer haben die Arbeiten unter anderem in der Olympiahalle bereits begonnen.

Die Hilfsbereitschaft der Münchner sei ungebrochen, sagte Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Schon am Samstagabend kamen Menschen und brachten Decken und Isomatten zum Hauptbahnhof.

Wie reagiert die Politik?

Oberbürgermeister Dieter Reiter: "Einfach lächerlich"
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Oberbürgermeister Dieter Reiter: "Einfach lächerlich"

Reiter fühlt sich vom Bund und den anderen Ländern im Stich gelassen - und verbirgt seinen Ärger kaum. Das einzige Bundesland, das München wirklich entlastet habe, sei Nordrhein-Westfalen. Ansonsten seien am Samstag lediglich acht Busse mit insgesamt 400 Menschen in andere Bundesländer gestartet. "Das ist einfach lächerlich", sagte Reiter. München übernehme praktisch allein eine nationale Aufgabe.

Die Situation sei seit Tagen absehbar gewesen. Dennoch habe sich nichts getan. Er sei "bitter enttäuscht, dass es nun auf eine Situation zuläuft, in der wir sagen müssen: Wir haben für ankommende Flüchtlinge keinen Platz mehr."

Bereits am Mittag hatte Reiter gesagt, er finde es von anderen Bundesländern "absolut dreist, zu sagen: 'Wir sind am Anschlag'". Wer so spreche, solle sich in München ansehen, was "am Anschlag" bedeute.

Der Regierungspräsident von Oberbayern, Christoph Hillenbrand, sagte bei einer Pressekonferenz am Hauptbahnhof: "Sie sehen uns durchaus sehr besorgt vor sich." Einige der Ankömmlinge würden, wenn es keine Unterkünfte mehr gäbe, am Bahnhof übernachten - oder sich selbst weiter auf den Weg machen.

Reiter und Hillenbrand wiederholten ihren Appell an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die anderen Bundesländer, München und die Region nicht alleinzulassen. Jeder Zug, der in einer anderen Kommune ankomme, sei eine Entlastung für München.

Die bayerische Landesregierung will sich am Sonntag zu einer Sondersitzung treffen.

otr/kry/dpa

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