Prognose für 2016 Flüchtlingsandrang - Nahles erwartet mehr Arbeitslose

"Erst mal wird die Arbeitslosenzahl steigen": Ministerin Andrea Nahles rechnet mit Auswirkungen der Flüchtlingskrise auf den deutschen Stellenmarkt. Die Jobcenter sollen mehr Geld und Personal bekommen.

Andrea Nahles: "Wir können, wenn wir das gut machen, auch viele in Arbeit vermitteln"
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Andrea Nahles: "Wir können, wenn wir das gut machen, auch viele in Arbeit vermitteln"


Die Jobcenter stehen vor einer großen Aufgabe: Einerseits kommen viele Flüchtlinge nach Deutschland, andererseits sollen Langzeitarbeitslose nicht vernachlässigt werden. "Wir denken, dass im nächsten Jahr der Zustrom auf den deutschen Arbeitsmarkt deutlich ansteigt. Ich rechne auch damit, dass die Arbeitslosenzahlen steigen", sagte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles dem Deutschlandfunk.

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Dies bedeute eine besondere Herausforderung für die Arbeitsagenturen. "Damit sich niemand Illusionen macht: Wir sind gut, wir können auch viele Leute vermitteln, aber es wird nicht von heute auf morgen erfolgen, und deswegen wird erst mal die Arbeitslosenzahl steigen", sagte Nahles. Das müsse aber niemanden beunruhigen. "Wir können, wenn wir das gut machen, auch viele in Arbeit vermitteln." Angesichts vieler offener Stellen und der erfreulichen Reaktion der deutschen Wirtschaft müsse es schon "mit dem Teufel zugehen", wenn dies nicht gelänge, sagte die SPD-Politikerin.

Asylbewerber dürfen zunächst gar nicht in Deutschland arbeiten. In den ersten drei Monaten ist ihnen das komplett verwehrt. Erst nach 15 Monaten fällt zudem die "Vorrangprüfung": Steht ein Deutscher oder ein EU-Bürger für den Job zur Verfügung, bekommen Asylbewerber keine Beschäftigungserlaubnis.

"Wir brauchen definitiv mehr Personal"

Die Arbeitgeber fordern eine Senkung dieser Fristen - denn der Bedarf an Arbeitskräften ist groß. Allerdings haben die Betroffenen auch aus anderen Gründen oft Schwierigkeiten, einen Job zu finden. So fehlen ihnen oft in Deutschland anerkannte Qualifikationen und Abschlüsse. "Das Hauptproblem ist aber die Sprache", sagte Nahles.

Nach Einschätzung des Münchner Ifo Instituts sind die meisten Flüchtlinge nicht gut genug für den deutschen Arbeitsmarkt qualifiziert. Damit die Flüchtlingskrise den Steuerzahler jedoch nicht dauerhaft überlaste, müssten die Zuwanderer so schnell wie möglich bezahlte Jobs annehmen, erläuterten die Wirtschaftsexperten in einer Mitteilung: "Es steht zu befürchten, dass viele von ihnen bei einem Mindestlohn von 8,50 Euro keine Beschäftigung finden, weil ihre Produktivität schlicht zu gering ist." Das Institut plädiert deshalb dafür, den Mindestlohn abzusenken.

Laut "Welt am Sonntag" will die Ministerin die Jobcenter mit zusätzlichen Mitteln stärken, um die Integration Langzeitarbeitsloser in den Arbeitsmarkt zu fördern. So solle eine Neiddebatte beim Rest der Bevölkerung vermieden werden. Auch personell solle in Jobcentern aufgestockt werden, sagte Nahles. "Wir brauchen definitiv mehr Personal, wir brauchen mehr Sprachkurse." Insgesamt wird der Bedarf auf 2800 zusätzlichen Stellen geschätzt.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will nach SPIEGEL-Informationen im Haushalt 2016 umfangreiche Einsparungen vornehmen, um die finanziellen Belastungen durch die Flüchtlingskrise schultern zu können. Die Maßnahmen sollen bis zu 2,5 Milliarden Euro bringen.

wit/dpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 474 Beiträge
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Seite 1
burgundy2 20.09.2015
1.
Es wäre schön, wenn die deutsche Regierung ein einheitliches Bild in der Migrantenfrage darböte und nicht jeder irgendwelches Zeug herumquatscht. DAS steigert sicherlich nicht die Akzeptanz für die Migranten. Es zeigt vielmehr, dass die Regierung ausser markigen Sprüchen so gar keinen Plan hat. Ist ihr vielleicht auch egal, wird ja ohnehin wiedergewählt. Eigentlich sollte es ja so sein, dass die vielen hochqualifizierten Migranten die Lücken im Stellenangebot füllen sollten, um der notleidenden deutschen Industrie und dem deutschen Sozialsystem wieder auf die Beine zu helfen. Jetzt tönt Nahles wieder anders herum. Was darf der Bürger denn nun glauben? Wohl nur eines, nämlich eine saftige Mehrbelastung, eben im Trend vergangener Jahre und Jahrzehnte.
schwaebischehausfrau 20.09.2015
2. Bald ist Zahltag...
Die üppigen zig Milliarden-Geschenke, die unsere Regierung in ihrer Spendier-Laune rausgehauen hat, müssen bald bezahlt werden. Ca. 80 Milliarden Euro "Griechen-Rettung", eine sinnlose "Rente mit 63" und in den nächsten Jahren zig Milliarden, für Millionen ins Land geholte Menschen, die offenbar doch nicht alle 5 Harvard-Diplome haben und fliessend 10 Sprachen sprechen, sondern wohl eher dauerhaft die Sozialkassen belasten werden - so wie das Studien in Norwegen und der Schweiz schon gezeigt haben. Von den angedachten Steuersenkungen keine Rede mehr. Stattdessen wird's spätestens nach den nächsten Wahlen wohl massive Steuererhöhungen und Leistungskürzungen in vielen sozialen Bereichen geben.
orthonormalbürger 20.09.2015
3. Die Zahl der Arbeitslosen
blieb ja lange in etwa gleich. Das jetzt eine Groß Zahl an Menschen auf den Arbeitsmarkt strömt ist klar. Trotzdem werden nicht wie durch ein Wunder stellen entstehen. Vor allem nicht für ungelernte nicht deutsch Sprechende Menschen. Man würde besser daran tun das Geld mal in Integration zu stecken !
waswoasi 20.09.2015
4. Höhere Arbeitslosigkeit?
Ich dachte wir brauchen Zuwanderung wegen Fachkräftemangel? Wo sind denn die ganzen Ingenieure, Ärzte und Informatiker? Frau Nahles entlarvt damit sich selbst die Aussagen der Politiker und der Gutmenschen!
etude 20.09.2015
5. Das Wichtigste...
...ist für die Flüchtlinge zunächst die gesetzlich zu verankernde PFLICHT, Sprachkurse zu belegen! Hierfür müssen qualifizierte Lehrer und dementsprechende Mittel zur Verfügung gestellt werden. Erst dann kann vielleicht ein geringer Teil dieser Menschen erfolgreich vermittelt werden, um der Bildung von Parallelgesellschaften vorzubeugen. Und machen wir uns nichts vor: Deutschland hat nicht mehr den Bedarf an ungelernten Arbeitskräften wie vor Jahrzehnten. Die Schere zwischen arm und reich wird sich weiter öffnen.
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