Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Proteste gegen Asylunterkunft in Sachsen: "Zutiefst beschämend"

Facebook

Eine grölende Menge hat sich im sächsischen Clausnitz einem Flüchtlingsbus in den Weg gestellt. Jetzt hat der Innenminister des Landes, der CDU-Politiker Markus Ulbig, reagiert.

Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) hat die Blockade eines Busses mit Flüchtlingen im sächsischen Clausnitz verurteilt.

"Bei allem Diskussionsbedarf, den es in der Flüchtlingsfrage derzeit gibt: Ich finde ich es zutiefst beschämend, wie hier mit Menschen umgegangen wird", sagte Ulbig am Freitag. Es irritiere ihn, dass nicht versucht werde, sich in die Situation der Flüchtlinge zu versetzen. Stattdessen "blockieren einige Leute mit plumpen Parolen den Weg von schutzsuchenden Männern, Frauen und Kindern", erklärte Ulbig weiter.

Am Donnerstagabend hatten sich rund hundert Personen in dem Ortsteil der Gemeinde Rechenberg-Bienenmühle nahe der tschechischen Grenze in der Zufahrt einer Asylunterkunft versammelt und einen Bus mit ankommenden Flüchtlingen blockiert.

Im Netz kursiert ein Video von der Szene. Zu sehen sind verängstige Gesichter hinter der Glasscheibe des Busses - und die Menschen draußen, die den Flüchtlingen "Wir sind das Volk" entgegenbrüllen. Unter anderem teilte der TV-Moderator Jan Böhmermann das Video auf Twitter.

Der parteilose Bürgermeister des Ortes, Michael Funke, zeigte sich ebenfalls betroffen von dem Vorfall. Er schäme sich, sagte er der "Freien Presse". Gleichzeitig verharmloste er den Vorfall teils, indem er sagte, der Großteil der Menge sei "nicht auf Krawall gebürstet" gewesen. Die Menge habe nur sehen wollen, wer in Clausnitz ankam. Der Protest habe sich nicht gegen die Flüchtlinge gerichtet: "Es ging um die große Politik und nicht um die Menschen an sich."

Deutlicher wurde da schon FDP-Chef Christian Lindner.

Der Musiker Jan Delay wählte noch deutlichere Worte.

Laut Polizei waren 30 Beamte vor Ort. Die Ermittler nahmen insgesamt 13 Anzeigen wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz auf. In den vergangenen Monaten hatte es in Deutschland immer wieder fremdenfeindliche Angriffe auf Flüchtlinge und Asylunterkünfte gegeben.

sun/kev

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




SPIEGEL.TV
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: