Überfüllte Heime Städten fehlen Zehntausende Plätze für Flüchtlinge

Immer mehr Menschen flüchten nach Deutschland, viele Heime sind längst ausgelastet. 40.000 Plätze für Asylbewerber fehlen nach Angaben des Städtetags - Schuld an der Lage haben demnach vor allem die Bundesländer.

Provisorische Flüchtlingsunterkunft in Hamburg: Überfüllte Heime
DPA

Provisorische Flüchtlingsunterkunft in Hamburg: Überfüllte Heime


In vielen Bundesländern sind die Erstaufnahmestellen für Flüchtlinge überfüllt - das überfordert offenbar die Kommunen: Die Länder verteilten die Asylbewerber vorschnell auf Städte und Gemeinden, sagte die Präsidentin des Deutschen Städtetags, Eva Lohse: "Wir kommen in den Städten kaum mehr nach, vernünftige Unterkünfte einzurichten." Nach Einschätzung des Städtetags fehlen bundesweit mehr als 40.000 Plätze in den Unterkünften der Länder.

Die Zahl der Asylbewerber in Deutschland steigt seit Monaten. Im laufenden Jahr werden rund 450.000 Asylanträge erwartet - mehr als doppelt so viele wie vergangenes Jahr. Nach ihrer Registrierung in Deutschland kommen Flüchtlinge zunächst in den Erstaufnahmeeinrichtungen der Bundesländer unter. Von dort aus werden sie später auf die Kommunen verteilt.

Zelte, Container, Sporthallen

Auf Notlösungen wie Zelte, Container oder Sporthallen müssen wegen der Flüchtlingskrise etwa Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Hessen oder Brandenburg zurückgreifen. Auch Baden-Württemberg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Bayern, Sachsen-Anhalt und das Saarland klagen über das Ende ihrer Kapazitäten. Mehrere Länder wollen angesichts des Andrangs zusätzliche Erstaufnahmestellen schaffen.

Vorgesehen ist, dass Asylbewerber bis zu drei Monate in der Erstaufnahmeeinrichtung eines Landes bleiben können. Der Bund hat sich zum Ziel gesetzt, die Asylverfahren künftig während dieser Zeit komplett abzuwickeln. Diejenigen, deren Asylanträge abgelehnt werden, sollen direkt von der Erstaufnahmeeinrichtung aus in ihre Heimat zurückgeführt und gar nicht erst an eine Kommune übermittelt werden. Bislang ist man davon aber noch weit entfernt.

Lohse appellierte an die Länder, ihre Kapazitäten in den Erstaufnahmeeinrichtungen auszubauen, Asylbewerber für volle drei Monate dort unterzubringen und Menschen, deren Asylbegehren mit hoher Wahrscheinlichkeit abgelehnt werde, gar nicht erst auf die Gemeinden zu verteilen. "Die Kommunen brauchen eine Entlastung", mahnte sie.

mxw/dpa

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