Protest gegen schleppende Asylverfahren Syrer strangulieren sich in Flüchtlingsheim

Mit einer drastischen Maßnahme haben fünf Syrer in einer bayerischen Flüchtlingsunterkunft gegen ihre langsamen Asylverfahren protestiert: Sie würgten sich mit Stoffstreifen, wurden aber rechtzeitig befreit.


Ein ehemaliges Fitnessstudio in Haibach bei Aschaffenburg in Bayern: 110 Asylbewerber sind in der dezentralen Flüchtlingsunterkunft untergebracht. Die meisten von ihnen sind Syrer. Sie warten darauf, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) über ihre Asylanträge entscheidet.

Den Flüchtlingen dauert das Verfahren zu lang, deshalb hatten Bewohner des Heims in Unterfranken schon vor Wochen einen Brief an das Bamf geschickt.

In der Nacht zum Mittwoch entschieden sich fünf Bewohner der Haibacher Unterkunft zu einer drastischen Protestmaßnahme. Die Männer im Alter von 23 bis 40 Jahren strangulierten sich an einem Eisenträger mit Stoffstreifen. Ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes befreite die Flüchtlinge mit Hilfe einiger Umstehender.

Der Rettungsdienst brachte die Syrer in umliegende Krankenhäuser. Dort stellten die Ärzte fest, dass keiner der Männer schwerwiegende Verletzungen davongetragen hatte. Die Flüchtlinge erhielten psychologische Betreuung. Laut Polizei hatten sie nicht die Absicht, Suizid zu begehen. "Dem Sachstand nach wären die Männer jederzeit in der Lage gewesen, die Situation selbst zu beenden", teilten die Ermittler mit.

Am Mittwoch reisten drei Bamf-Mitarbeiter aus Schweinfurt nach Haibach um mit den Flüchtlingen vor Ort zu reden. Nach Auskunft des Landratsamts Aschaffenburg sei es in dem Gespräch nicht darum gegangen, das Asylverfahren zu beschleunigen, sondern den Syrern den bürokratischen Ablauf zu erklären.

"Das Bundesamt bedauert sehr was geschehen ist", teilte eine Bamf-Sprecherin mit. "Nach derzeitiger Kenntnislage haben sich die Asylbewerber im Herbst vergangenen Jahres asylsuchend gemeldet".

Bamf-Chef Frank-Jürgen Weise hatte die lange Bearbeitungszeit der Anträge kürzlich selbst kritisiert. "Es ist für die Menschen schlimm und nicht akzeptabel, so lange zu warten", sagte er. Anfang Februar waren noch rund 700.000 Fälle nicht entschieden.

syd



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