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13. August 2015, 17:50 Uhr

Asylbewerber

De Maizière korrigiert Prognose der Flüchtlingszahl nach oben

Bislang ging das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge von 450.000 Asylbewerbern in diesem Jahr aus - doch es werden wohl mehr werden. Das kündigte Innenminister de Maizière an. Ihre Anträge sollen schneller bearbeitet werden.

Deutschland muss sich in diesem Jahr auf deutlich mehr Flüchtlinge einstellen als bisher angenommen. "Ich muss die deutsche Öffentlichkeit darauf einstellen, dass die Zahl erheblich höher sein wird, als wir sie bisher vorhergesagt haben", sagte Innenminister Thomas de Maizière beim Besuch einer brandenburgischen Erstaufnahmestelle in Eisenhüttenstadt.

Bisher nannte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die Zahl 450.000 als Prognose - so viele Asylbewerber sollten in diesem Jahr nach Deutschland kommen. Doch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann verbreitete eine andere Zahl: "Wir steuern auf 600.000 und mehr zu", sagte der CSU-Politiker. Das wäre ein Anstieg um rund ein Drittel.

De Maizière wollte sich zu dieser Zahl nicht äußern. Er sagte, die Bundesregierung wolle am kommenden Donnerstag eine neue Prognose vorstellen. Seit Juni habe es einen großen Anstieg der Asylbewerberzahlen gegeben, sagte er. "Wir sind mit den Ländern im Gespräch."

Der CDU-Politiker plädierte dafür, Asylanträge bereits in der Erstaufnahmeeinrichtung abschließend zu bearbeiten. Menschen, denen Asyl gewährt wurde, sollten anschließend auf die Kommunen verteilt werden, schlug de Maizière vor. "Das ist genau der Weg, den wir in ganz Deutschland gehen wollen."

Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke warb dafür, die Verfahren in der Erstaufnahme abzuschließen. Flüchtlinge sollten auch länger als die bisher maximal möglichen drei Monate dort zu belassen werden. Für die Kommunen sei es wichtig, dass Verfahren abgeschlossen seien, wenn Asylbewerber kommen, sagte der SPD-Politiker.

Woidke - derzeit Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz - erneuerte die Forderung an den Bund, Ländern und Kommunen mehr Unterstützung zu geben. Mehr als 90 Prozent der Kosten entfielen auf die Länder und Kommunen. Dieses Verhältnis sei "auf Dauer nicht tragbar", sagte er. Dazu ist am 9. September ein Asylgipfel von Bund und Ländern geplant.

vek/dpa

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